Verein für weibliche Diakonie

Aus Barmstedt-Geschichte
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Kindergarten Bahnhofstraße
Kindergarten Arche Noah

Seit 1888 gibt es den "Diakonieverein", der am 8. November 2013 seinen 125. Geburtstag feiert. Seine Aufgaben waren von Anfang an die Krankenpflege und die Kinderbetreuung. Er gliedert sich heute auf in die

  • Kindertagesstätten Bahnhofstraße und Arche Noah,

  • die Spielstube St. Christophorus,

  • die Diakoniestation,

  • die Beratungsstelle für Integration,

  • die Sozialpädagogische Familienhilfe

  • und die Senioren-Akademie.

Diakonissenheim und Warteschule

Entstehung: Ende 1887 hatte sich das Fleckenskollegium dafür ausgesprochen, eine kostenlose häusliche Krankenpflege und eine Warteschule für Vorschulkinder einzurichten. Zu diesem Zweck entstand im Januar 1888 der Verein für weibliche Diakonie. Es bestand offensichtlich eine Notwendigkeit, für die vielen Armen im Flecken, die sich ärztliche Versorgung nicht leisten konnten, schon gar keine professionelle Heilbehandlung in einem Krankenhaus, eine Fürsorge in solchen Notfällen zu schaffen und gleichzeitig eine Entlastung der Familien in der Kindererziehung.

Kinder der Warteschule 1912
Seit 1874 gab es dafür auch ein Angebot durch das Diakonissenmutterhaus in Flensburg. Hier wurden Diakonissen in Krankenpflege und Kindererziehung ausgebildet und ihr Einsatz in Gemeinden organisiert. Diese Frauen erhielten kein Gehalt, nur ein Taschengeld, und hatten sich durch ihren Eintritt in das Mutterhaus zu einem Leben in striktem Gehorsam, Ehelosigkeit und christlichem Dienst am Mitmenschen verpflichtet. Sie wurden durch den Vorsteher entsandt und erhielten von der Station, in der sie arbeiteten, Wohnung und Verpflegung gestellt. Sie waren immer deutlich an ihrer schwarzen Tracht und weißer Haube zu erkennen.

Die Wohnverhältnisse für die großen Handwerker- und Arbeiterfamilien waren in den meist kleinen Häusern sicherlich teils katastrophal, besonders die sanitären Einrichtungen, die Trinkwasserversorgung aus teils unbedeckten Brunnen und die Wohnräume, die oft gleichzeitig zum Wohnen, Schlafen und Arbeiten genutzt werden mussten, werden nicht anders als in vergleichbaren Orten gewesen sein: für Krankheitserreger aller Art ein idealer Ausbreitungsort. Es gab zwar seit Beginn des Jahrhunderts Arzt und Apotheke in Barmstedt, für wohlhabende bürgerliche und bäuerliche Familien ein großer Frotschritt, aber arme Familien konnten durch Krankheiten oder Verletzungen leicht in existentielle Notlagen geraten, denn die neu eingeführte gesetzliche Kranken- und Unfallversicherung gab es nur für fest angestellte Arbeiter. Ein Krankenhaus gab es in Barmstedt noch nicht.

Krankenhaus-Pflege durch Flensburger Diakonissen
Darum war das Ziel des Vereins außerordentlich überzeugend. Über die Barmstedter Zeitung wurden die Bürger zum Eintritt in den Verein aufgerufen. Der Vorstand wurde wegen der öffentlichen Aufgabe durch die Pastoren, Bürgermeister und Vertreter des Vereins besetzt. Erster Vorsitzender wurde Pastor Andrée, stellv. Vorsitzender Bürgermeister (und Apotheker) Otto Rode. Die finanziellen Mittel wurden durch Spenden, kirchliche und kommunale Zuschüsse eingesammelt, so dass als „Station“, also Wohnhaus und Warteschule (Kindergarten), ein Haus in der Austraße bezogen werden konnte. Der Wassermüller Johs. Bornholdt stiftete allerdings schon bald ein Grundstück, so dass der Bau des heutigen Gebäudes in der Bahnhofstraße 20 erfolgen konnte. Da es allerdings zu dieser Zeit weder die Bahnhofstraße noch die August-Christen-Straße gab, führte zunächst nur ein Fußweg zu dem bereits 1890 fertig gestellten Haus.