Reichenstraße

Aus Barmstedt-Geschichte
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Allgemeines

Die Reichenstraße hieß in früheren Jahren niederdeutsch "Riekenreeg". Auf alten Aufnahmen lässt sich gut der Wandel von ursprünglich ackerbürgerlich geprägten Häusern zu reinen Kaufmannshäusern erkennen. Das letzte "reine" Bauernhaus in der Reichenstraße, das Lohsesche Haus an der Ecke Bahnhofstraße, wurde 1957 abgerissen.

Reichenstraße ca. 1910: Das Lohsesche Haus

Foto: Das 1725 erbaute Lohsesche Haus. Heute steht hier der Barmstedter Schusterjunge. Auf dem etwa 1910 entstandenen Foto erkennen wir links daneben das Schuhwarengeschäft Lüdemann (heute: Der Schuhladen Schramm) sowie das Haus Glismann, das ca. 1933 abgerissen wurde (heute Parkplatz der 1980 eröffneten Spielhalle).

Haus Reichenstr. 2, Apotheke

Johs. August Rode ließ im Jahr 1907 das Gebäude erbauen. Zuvor befand sich auf diesem Grundstück der Lohn- und Lastfuhrwerksbetrieb von H. Mohr (Omnibus-Mohr). Bereits 1912 wechselte die Apotheke ihren Besitzer; damit beendete die Familie Rode nach eineinhalb Jahrhunderten in Barmstedt ihre Tätigkeit. Das Familienwappen an der Nordwand erinnert noch heute an die Gründerfamilie.


Der Eingangsbereich der Reichenstraße um 1900. Das Haus des Lohn- und Lasffuhrwerksbetriebes von H. Mohr (rechts), Textilhaus Betten-Voss, gegründet 1833 (links).
Am Markt ca. 1909

Die rechte Aufnahme aus der Zeit um 1909 zeigt von links nach rechts: Das etwa 1886 erbaute Haus des Kürschners August Rathsach. Das Textilhaus Rathsach bestand von 1868-1988. Seit 1988 war hier die Firma Tschirpke zu Hause, danach folgte die Firma "Papier-Ambiente"; daneben das 1878 erstellte Wohn- und Geschäftshaus Greve; auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir die Apotheke; es folgt das 1892 errichtete Kaufhaus H. H. Glismann, gegründet 1875; im Vordergrund rechts das 1906 erbaute Geschäftshaus der Buchhandlung Reimers, gegründet 1864.


Haus Reichenstraße 8, Kaufhaus Wöbcke

Als das Haus in der Reichenstraße Nr. 8 im September 2011 von seiner Eternit-Verkleidung befreit wurde, konnte man tief in die Vergangenheit des Hauses schauen: Wie man auf dem aktuellen Bild gut sehen kann, wurde die Seitenfassade eines typischen Kaufmannshauses freigelegt. Oben erkennt man gut die Speichertür, über der früher ein Seilzug befestigt war. Die ebenfalls früher typische Beschriftung kam -schlecht leserlich- auch wieder zum Vorschein.

Haus Reichenstr. 8 während der Sanierung im September 2011

Peter Steenbuck hat anhand eines alten Fotos versucht, die Schrift lesbar zu machen:

Haus Reichenstraße 8: Schriftzug heute
Der aus dieser alten Fotografie vergrößerte Schriftzug, der jetzt wieder sichtbar wurde, in der Vergrößerung

Im dem Haus war früher der Kaufmann Heinrich Wöbcke ansässig, der mit Textilien handelte. Das Haus, in dem nach Heinrich Wöbcke der Kaufmann Blaubach seinen Laden hatte, später (seit 1959) das Modehaus Dannenberg und im Anschluss die Firma "Ernstings Family", war von 1894 bis 1905 Redaktionsgebäude der "Barmstedter Zeitung", als sie noch dem Buchdrucker August Christen gehörte. August Christen verkaufte seinen Verlag jedoch, nachdem er zum Bürgermeister berufen wurde. Heute beherbergt das Haus u.a. das Blumengeschäft "aurikel".

Kaufhaus Heinrich Wöbcke

Haus Reichenstr. 10

Das Haus der Buchhandlung Mohr (rechts); daneben das im Jahre 1653 als Bäckerei erbaute Gebäude.

Das Haus, in dem heute u.a. die Glaserei Brinckmann ein Ladengeschäft betreibt, war bis 1906 das "Kaiserliche Postamt". Da mit der wachsenden Bevölkerungszahl und dem infolge wirtschaftlichen Aufschwungs wachsenden Postverkehr die Räume zu klein wurden, zog es in den Neubau in der Bahnhofstraße. Danach befand sich hier die Buchhandlung Heinrich Mohr. 1969 bis 1978 war das Gebäude der Sitz des Kahr-Marktes, der mit Seifenartikeln handelte. Ab 1979 wurden hier Textilien und Sportartikel durch die Firma Lüpertz verkauft. Von 1985 bis 1988 bot der gleiche Inhaber in diesen Räumen Einbauküchen und Sanitäreinrichtungen an. Seit November 1988 war hier das Hifi-Studio (bis 1989) und P&R Druck untergebracht, danach folgte ein Quelle-Shop.

Auf dem beachbarten Grundstück Reichenstr. 12 stand bis zum Jahre 1954 laut Forschung des Ernst Mohr eines der ältesten Häuser Barmstedts. Es wurde etwa 1653 als Bäckerei erbaut und hat lange Zeit seinem ursprünglichen Zweck gedient.

Haus Reichenstr. 17, Barmstedter Zeitung

Die Reichenstraße im Jahre 1910 mit dem Wohnhaus des Landmannes Peter Buchtmann (links), in dem sich seit dem 1. 10. 1920 die Geschäftsräume der Barmstedter Zeitung befinden.

Seit dem 5.4.1879 gibt es in Barmstedt die "Barmstedter Zeitung". Ihr erster Verleger war der damalige Buchdruckereibesitzer Anton Füßlein, der den Betrieb 1884 an den Buchdrucker und späteren Bürgermeister August Christen verkaufte. 1902 gründete Johannes Prange als Konkurrenzunternehmen die "Barmstedter Neuesten Nachrichten".

Für diese Zwecke erbaute er das Gebäude Feldstr. 35, in dem heute die Firma Gardinen-Meyer untergebracht ist. Drei Jahre erschienen beide Zeitungen nebeneinander. Dann kaufte J. Prange die "Barmstedter Zeitung" auf (ihr Verleger August Christen war Bürgermeister geworden). Da die Räume mit der Zeit zu eng wurden, verlegte er am 1.10.1920 die Geschäftsräume in die Reichenstraße. Seitdem diente das Haus Reichenstr. 17 als Verlagshaus.

Inzwischen wurde die Barmstedter Zeitung an die Firma Beig in Pinneberg übereignet, die Druckerei der Firma Prange hat ihren Betrieb eingestellt. Die Redaktions- und Vertriebsräume der Barmstedter Zeitung blieben jedoch erhalten.


Quellen

  • "Historischer Streifzug durch die Straßen Barmstedts" von Hans Dössel, bearbeitet von Rudolf Schröder und Hildegard Burchert aus der Broschüre "850 Jahre Barmstedt" (Hrsg. Stadt Barmstedt), 1989
  • Archiv Eva und Peter Steenbuck