Reichenstraße

Aus Barmstedt-Geschichte
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Allgemeines

Die Reichenstraße hieß in früheren Jahren niederdeutsch "Riekenreeg". Auf alten Aufnahmen lässt sich gut der Wandel von ursprünglich ackerbürgerlich geprägten Häusern zu reinen Kaufmannshäusern erkennen. Das letzte "reine" Bauernhaus in der Reichenstraße, das Lohsesche Haus an der Ecke Bahnhofstraße, wurde 1957 abgerissen. Der südliche Teil der Reichenstraße (Richtung Austraße) wurde bis 1834 "Dodentwiete" (Totenweg) genannt. Woher die Bezeichnung kam, ist unbekannt. Wahrscheinlich ist, dass dort einmal eine Leiche gefunden wurde. Der damalige Weg wurde 1834 verbreitert und Teil der Reichenstraße.

Haus Reichenstr. 2, Apotheke

Johs. August Rode ließ im Jahr 1907 das Gebäude erbauen. Zuvor befand sich auf diesem Grundstück der Lohn- und Lastfuhrwerksbetrieb von H. Mohr (Omnibus-Mohr). Bereits 1912 wechselte die Apotheke ihren Besitzer; damit beendete die Familie Rode nach eineinhalb Jahrhunderten in Barmstedt ihre Tätigkeit. Das Familienwappen an der Nordwand erinnert noch heute an die Gründerfamilie.

Der Eingangsbereich der Reichenstraße um 1900. Wo heute die Privilegierte Apotheke steht, sah man jetzt noch das Haus des Lohn- und Lasffuhrwerksbetriebes von H. Mohr auf der rechten Seite, dahinter die Sparkasse, links das 1833 gegründete Textilhaus Betten-Voss. Der Herr im weißen Anzug links ist der Rechtsanwalt Dr. Rabe.
Am Markt ca. 1909. Diese Aufnahme zeigt von links nach rechts: Das etwa 1886 erbaute Haus des Kürschners August Rathsach. Das Textilhaus Rathsach bestand von 1868-1988. Seit 1988 war hier die Firma Tschirpke zu Hause, danach folgte die Firma "Papier-Ambiente"; daneben das 1878 erstellte Wohn- und Geschäftshaus Greve; auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir die gerade erbaute Privilegierte Apotheke von J. A. Rode; es folgt das 1892 errichtete Kaufhaus H. H. Glismann, gegründet 1875; im Vordergrund rechts das 1906 erbaute Geschäftshaus der Buchhandlung Reimers, gegründet 1864.

Haus Reichenstraße 8, Kaufhaus Wöbcke

Als das Haus in der Reichenstraße Nr. 8 im September 2011 von seiner Eternit-Verkleidung befreit wurde, konnte man tief in die Vergangenheit des Hauses schauen: Wie man auf dem aktuellen Bild gut sehen kann, wurde die Seitenfassade eines typischen Kaufmannshauses freigelegt. Oben erkennt man gut die Speichertür, über der früher ein Seilzug befestigt war. Die ebenfalls früher typische Beschriftung kam -schlecht leserlich- auch wieder zum Vorschein.

Haus Reichenstr. 8 während der Sanierung im September 2011

Peter Steenbuck hat anhand eines alten Fotos versucht, die Schrift lesbar zu machen:

Haus Reichenstraße 8: Schriftzug heute
Der aus dieser alten Fotografie vergrößerte Schriftzug, der jetzt wieder sichtbar wurde, in der Vergrößerung

Im dem Haus war früher der Kaufmann Heinrich Wöbcke ansässig, der mit Textilien handelte. Das Haus, in dem nach Heinrich Wöbcke der Kaufmann Blaubach seinen Laden hatte, später (seit 1959) das Modehaus Dannenberg und im Anschluss die Firma "Ernstings Family", war von 1894 bis 1905 Redaktionsgebäude der "Barmstedter Zeitung", als sie noch dem Buchdrucker August Christen gehörte. August Christen verkaufte seinen Verlag jedoch, nachdem er zum Bürgermeister berufen wurde. Später beherbergte das Haus u.a. das Blumengeschäft "aurikel", seit September 2013 die "Buchhandlung Lenz".

Kaufhaus Heinrich Wöbcke


Das Lohsesche Haus (Ecke Bahnhofstraße)

Küche im Lohseschen Haus (Ansichtskarte)
Reichenstraße ca. 1910: Das Lohsesche Haus

Fotos: Das 1725 erbaute Lohsesche Haus. Heute steht hier der Barmstedter Schusterjunge. Auf dem etwa 1910 entstandenen Foto erkennen wir links daneben das Schuhwarengeschäft Lüdemann (heute: Der Schuhladen Schramm) sowie das Haus Glismann, das ca. 1933 abgerissen wurde (heute Parkplatz der 1980 eröffneten Spielhalle).

Haus Reichenstr. 10

Das Haus der Buchhandlung Mohr (rechts); daneben das im Jahre 1653 als Bäckerei erbaute Gebäude.

Das Haus, in dem heute u.a. die Glaserei Brinckmann ein Ladengeschäft betreibt, war bis 1906 das "Kaiserliche Postamt". Da mit der wachsenden Bevölkerungszahl und dem infolge wirtschaftlichen Aufschwungs wachsenden Postverkehr die Räume zu klein wurden, zog es in den Neubau in der Bahnhofstraße. Danach befand sich hier die Buchhandlung Heinrich Mohr. 1969 bis 1978 war das Gebäude der Sitz des Kahr-Marktes, der mit Seifenartikeln handelte. Ab 1979 wurden hier Textilien und Sportartikel durch die Firma Lüpertz verkauft. Von 1985 bis 1988 bot der gleiche Inhaber in diesen Räumen Einbauküchen und Sanitäreinrichtungen an. Seit November 1988 war hier das Hifi-Studio (bis 1989) und P&R Druck untergebracht, danach folgte ein Quelle-Shop.

Auf dem benachbarten Grundstück Reichenstr. 12 stand bis zum Jahre 1954 laut Forschung des Ernst Mohr eines der ältesten Häuser Barmstedts. Es wurde etwa 1653 als Bäckerei erbaut und hat lange Zeit seinem ursprünglichen Zweck gedient.

Haus Reichenstr. 17, Barmstedter Zeitung

Die Reichenstraße im Jahre 1910 mit dem Wohnhaus des Landmannes Peter Buchtmann (links), in dem sich seit dem 1. 10. 1920 die Geschäftsräume der Barmstedter Zeitung befinden.

Seit dem 5.4.1879 gibt es in Barmstedt die "Barmstedter Zeitung". Ihr erster Verleger war der damalige Buchdruckereibesitzer Anton Füßlein, der den Betrieb 1884 an den Buchdrucker und späteren Bürgermeister August Christen verkaufte. 1902 gründete Johannes Prange als Konkurrenzunternehmen die "Barmstedter Neuesten Nachrichten".

Für diese Zwecke erbaute er das Gebäude Feldstr. 35, in dem heute die Firma Gardinen-Meyer untergebracht ist. Drei Jahre erschienen beide Zeitungen nebeneinander. Dann kaufte J. Prange die "Barmstedter Zeitung" auf (ihr Verleger August Christen war Bürgermeister geworden). Da die Räume mit der Zeit zu eng wurden, verlegte er am 1.10.1920 die Geschäftsräume in die Reichenstraße. Seitdem diente das Haus Reichenstr. 17 als Verlagshaus.

Inzwischen wurde die Barmstedter Zeitung an die Firma Beig in Pinneberg übereignet, die Druckerei der Firma Prange im Anbau des Gebäudes hat ihren Betrieb eingestellt. Die Redaktions- und Vertriebsräume der Barmstedter Zeitung blieben jedoch erhalten.


Adressbuch von 1926

Daten aus dem Adressbuch 'Kreis Pinneberg' des Jahres 1926:
Strasse Name Vorname Titel/Stand Beruf Telefon
Reichenstraße 1 Hoche Elise Wwe. Apothekenbesitzerin
Reichenstraße 1 Meyer Emil Apotheker
Reichenstraße 1 Schmidt Heinrich
Reichenstraße 2 Voß Adolf Manufakturist
Reichenstraße 2 Voß Johannis Manufakturist
Reichenstraße 3 Dunker Julius Zigarren, Zigaretten, Tabak, Pfeifen
Reichenstraße 3 Graff Margaretha Dentistin
Reichenstraße 3 Graff Paul Dentist
Reichenstraße 4 Johannßen Auguste Wwe. Kolonialwarenhandlung
Reichenstraße 4 Meesenburg Johannis Buchhalter
Reichenstraße 5 Ehlers Heinrich Fischhandlung
Reichenstraße 5 Kutnick Hermann Schuhmacher
Reichenstraße 6 Lüdemann Ferdinand Altenteiler
Reichenstraße 6 Lüdemann Gustav Schuhmachermeister
Reichenstraße 7 Blaubach Johannis Reisender
Reichenstraße 7 Wöbcke Elsabe Wwe. Rentiere
Reichenstraße 7 Wöbcke Johannis Kaufmann
Reichenstraße 8 Lohse Behrend Schuhmacher
Reichenstraße 8 Lohse Bernhard Arbeiter
Reichenstraße 8 Lohse Heinrich Altenteiler
Reichenstraße 9 Mohr Heinrich Buchhandlung
Reichenstraße 11 Heuer Peter Schuhmacher
Reichenstraße 11 Lohmann Gustav Arbeiter
Reichenstraße 11 Spinnler Auguste Wwe.
Reichenstraße 11 Spinnler Eugen Schlosser
Reichenstraße 12 Schröder Hermann Sattlermeister
Reichenstraße 13 Schippmann Matthias Rentner
Reichenstraße 13 Schwarz Ed. Schlossermeister
Reichenstraße 15 Küchmann August Rentner
Reichenstraße 15 Rosenbusch Adolf Friseur
Reichenstraße 15 Twisselmann Wilhelm Rentner
Reichenstraße 16 Twisselmann Gustav
Reichenstraße 17 Lüdemann Ernst Gerber
Reichenstraße 17 Lüdemann Johannis Schuhmacher
Reichenstraße 18 Elleran Emma Wwe. Schlachterei
Reichenstraße 19 Damm Johannis Arbeiter
Reichenstraße 19 Kruse Emma Wwe.
Reichenstraße 20 Prange Johannis Buchdr.-Bes.
Reichenstraße 21 Clasen Johann Arbeiter
Reichenstraße 21 Heße Hans-Jürgen Schuhmacher
Reichenstraße 22 Griem Otto Händler
Reichenstraße 23 Barkmann Heinrich Händler
Reichenstraße 23 Fick Karl Arbeiter
Reichenstraße 23 Fick Otto Arbeiter
Reichenstraße 24 Boje Johann
Reichenstraße 24 Schlüter Hermann Kaufmann
Reichenstraße 25 Heidemann Olga Wwe.
Reichenstraße 25 Höhle Gustav
Reichenstraße 25 Hütter Fritz Bäckermeister
Reichenstraße 25 Klingler Amanda Wwe.
Reichenstraße 25 Meyer Anna Stepperin
Reichenstraße 25 Meyer Magdalena Wwe.
Reichenstraße 25 Scheele Heinrich Schuhmacher
Reichenstraße 25 Thies Hinrich Rentier
Reichenstraße 26 Witt Anna
Reichenstraße 26 Witt Emma
Reichenstraße 26 Witt Wilhelm Uhrmacher
Reichenstraße 27 Meyer Carl Schuhgeschäft
Reichenstraße 27 Meyer Erich Gärtner
Reichenstraße 28 Vollstedt Julius Schuhmacher
Reichenstraße 29 Buhl Hugo Arbeiter
Reichenstraße 29 Buran Johannis Arbeiter
Reichenstraße 29 Dierks Ella Wwe.
Reichenstraße 29 Drews Johann Schuhmacher
Reichenstraße 29 Erdmann Marie Wwe.
Reichenstraße 29 Lüdemann Hinrich Schuhmacher
Reichenstraße 30 Früchtenicht Marie Wwe.
Reichenstraße 30 Heer Wilhelm Händler
Reichenstraße 30 Sahlmann Heinrich Maurer
Reichenstraße 31 Claußen Johannis Handlungsgehilfe
Reichenstraße 31 Mohnßen Helmut Kaufmann
Reichenstraße 31 Mohnßen Hermann Kaufmann
Reichenstraße 31 Mohnßen Walter Kaufmann
Reichenstraße 33 Edlessen Marie Wwe.
Reichenstraße 35 Mohr Hinrich Schuhmacher
Reichenstraße 35 Uhl Emma Ww.
Reichenstraße 35 Uhl Wilhelm Reisender
Reichenstraße 36 Gragert Karl Tischler
Reichenstraße 36 Tietjen Wilhelm Johannis Schankwirt
Reichenstraße 37 Blank Ernst Barbier
Reichenstraße 37 Brodersen Maria Wwe.
Reichenstraße 38 Sparr Heinrich Sen.
Reichenstraße 38 Sparr Heinrich Jun. Reisender
Reichenstraße 39 Haß Otto Schlachtermeister
Reichenstraße 40 Eggerstedt Wilhelm Wirtschaftsgehilfe
Reichenstraße 40 Mohr Magdalena Wwe. Landwirtin
Reichenstraße 40 Mohr Wilhelm Wirtschaftsgehilfe
Reichenstraße 41 Wäser Johannis Uhrmacher
Reichenstraße 43 Engelland Peter Gastwirt


Siehe auch

Übersicht Barmstedter Straßen

Quellen

  • "Historischer Streifzug durch die Straßen Barmstedts" von Hans Dössel, bearbeitet von Rudolf Schröder und Hildegard Burchert aus der Broschüre "850 Jahre Barmstedt" (Hrsg. Stadt Barmstedt), 1989
  • Archiv Eva und Peter Steenbuck
  • Adressbuch 'Kreis Pinneberg' 1926