Rantzauer Herrschaft und Absolutismus: 1650 - 1726

Aus Barmstedt-Geschichte
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Rantzauer Herrschaft und Absolutismus: 1650 - 1726

1648 Der Dreißigjährige Krieg wird mit dem Westfälischen Frieden beendet. Schweden fallen dabei die Fürstbistümer Bremen und Verden zu.

Christian IV. stirbt.

1648-1670 Friedrich III. König von Dänemark etc.

1648 Christian zu Rantzau wird Statthalter in den königlich-dänischen Anteilen von Schleswig-Holstein, wird auch Gouverneur und Amtmann zu Steinburg, Süderdithmarschen und Langeland. Besitzer der Güter Breitenburg, Lindewitt, Giesingholm, Neuendorf und Drage.

1649 Durch den Kauf- und Permutationsaktvom 28.12. erwirbt Rantzau vom Gottorfer Herzog Friedrich III. zum Preis von 201.000 Speciestalern das Amt Barmstedt und lässt dort ein Schloss errichten. Nach dem Plan des Drosten Kielmannsegge und des Statthalters Rantzau wurde das Amt Rantzau (mit allen „Gerechtigkeiten“ gegen Rantzaus Güter in Wagrien und Koxbüll (Amt Husum) + 101.000 Taler getauscht. Später kauft Rantzau das Gut Rantzau in Wagrien zurück. Herzog Friedrich lässt nach eigenen Entwürfen das Globushaus bauen, Gebäude im Stil der niederländischen Renaissance, der Globus ist fast einzigartig.

1649 Die Regierungs- und Justizkanzlei für den königlichen Anteil an den Herzogtümern, gegründet 1648, wird nach Glückstadt verlegt, der Vorsitz wird vom königlichen Statthalter geführt. Bei geraden Zahlen übernimmt die Kanzlei die Aufsicht über die gemeinschaftlich regierten Anteile.

1649 Karl II. von England wird hingerichtet, Oliver Cromwell herrscht im republikanischen England

1650 Christian Rantzau wird von Kaiser Ferdinand III. zum freien Reichsgrafen erhoben, nachdem er am 16. und 20. November die Übertragung bestätigt hat und den Besitz zur unmittelbaren freigehörigen Reichsgrafschaft erhoben hat. Die Erbfolge wird nach der Primogenitur bestimmt, es sei denn der Erstgeborene sei unfähig zu regieren, ebenfalls werden Abfindungsregeln festgelegt. Er nimmt alle Hoheitsrechte wahr, lässt Portugalöser und Thaler prägen, hebt Gelehrte in den Adelsstand und hält einen fürstlichen Hofstaat. Dafür lässt er das Schloss Rantzau bauen, das bis 1804 steht. Für die Untergehörigen schafft er die vielen Hoftage und Fuhren ab, verpachtet stattdessen sämtliche Hofländereien und trifft Vereinbarungen über die zu leistenden Dienste und Fuhren. In Elmshorn stiftet er ein großes Armenhaus (später der Präbendenstift). Er lebt meist in Breitenburg, das er repräsentativ ausbaut, ist aber oft in Staatsgeschäften unterwegs. Er hatte in Vertretung des dänischen Königs Friedrich III. die Belehnung mit dem Herzogtum Holstein durch den deutsch-römischen Kaiser Ferdinand III. entgegengenommen. 1651 wird er zum Präsidenten des Staatskollegiums erhoben. Die kirchliche Aufsicht in der neuen Grafschaft liegt beim Elmshorner Pastor Johann Feusting

1653 29.Juli Christian Detlef Rhode wird in Itzehoe geboren http://www.deutsche-biographie.de/sfz76355.html http://www.claus-claussen.de/pages/kirchspiel-erfde/rode-rohde---pastoren-kuester/christian-detlef-rohde.php Sein Vater war Albert Rhode (Kaufmann und Kirchgeschworener, geb. 1620, stirbt Juni 1676), seine Mutter Eleonore von Ahlefeldt (geb. 1624 in Ahrensböck als Tochter von Johann von Ahlefeldt, stirbt 7.4.1698 in Münsterdorf), Hochzeit 1652 in Itzehoe

1656 bis 1661 Zweiter Nordischer Krieg zwischen Polen-Litauen und Schweden (früher „Schweden-Polackenkrieg“ genannt) sowie deren Verbündeten um die Vorherrschaft im Baltikum. Schwedische Truppen stürmen am 3. August 1657 die an der Krückau gelegene „Krückschanze“. Am 3. Juli bereits war Elmshorn nördlich der Au eingeäschert worden, auch die Kirche mit dem kostbaren Altar aus Alabaster, den er Seefahrer Otto von Aspern 1643 gestiftet hatte. Der südliche Teil des Ortes wird mit allen Erntevorräten am 9. September gebrandschatzt. Noch 1660 liegen die meisten Häuser wüst und verlassen.

Johann Rist verliert Hab und Gut und muss nach Hamburg fliehen

1657 bis 1660 Krieg zwischen Dänemark-Norwegen und Schweden unter Karl Gustav X.. Gottorf ist mit Schweden verbündet. Von Jütland aus gelingt es den Schweden, in einem Präventivschlag im Winter über die zugefrorene Ostsee eine dänische Insel nach der anderen zu erobern, ohne dass die Flotte eingreifen kann. Als die Schweden vor Kopenhagen stehen, willigt Friederich III. in den „Panikfrieden von Roskilde“ ein.

1658 Mit dem Frieden von Roskilde räumt Dänemark-Norwegen seine Besitzungen auf dem Gebiet des heutigen Schweden: Schonen, Blekinge und Halland (Skaneland), die Gottorfer Anteile in Schleswig werden vom dänischen Lehen entbunden. Die dänische Außenpolitik bemüht sich seitdem darum, die verlorenen Gebiete wieder einzuverleiben, da die Schweden die verbündeten Territorien als Truppenaufmarschgebiete nutzen konnte. Zwar spielt sich 1658/59 in Schleswig und Holstein kein Krieg ab, die einquartierten österreichischen, brandenburgischen und polnischen Truppen, die den Schweden den Weg zu ihren norddeutschen Besitzungen Bremen und Verden abschneiden sollen, pressen das Land jedoch aus und bringen verheerende Seuchen ins Land.

1659-1695 Christian Albrecht Gottorfer Herzog. Er residiert in Schleswig, lebt aber 1675-79 und

1684-89 in Hamburg, da der Gottorfische Anteil Schleswigs von Dänemark besetzt ist.

1659 Durch den Pyrenäenfrieden mit Spanien wird Frankreich die politische und militärische Vormacht in Europa.

1659 Saint Louis von den Franzosen als erste Siedlung in Afrika gegründet. Im Süden der Insel siedelten sich die Europäer an

1660 Mit dem Frieden von Kopenhagen, wobei Bornholm und Trondheim wieder an Dänemark kommen, endet der dänisch-schwedische Krieg Dänemark wird am Ende des Dänisch-Schwedischen Krieges, bei dem der Adel militärisch, politisch und ökonomisch versagt hat, der König andererseits für seine Kriegsführung auf Kredite der reichen Kopenhagener Bürger angewiesen war, durch die Abschaffung des adligen Königs-Wahlrechts zur ersten absoluten Monarchie in Europa, der die Mehrheit aus Geistlichkeit und Bürgertum der Ständereichsrat zustimmt. Außerdem werden die Steuerfreiheit und weitere Privilegien für den Adel abgeschafft. Wiederherstellung der Monarchie in England nach dem Tod Oliver Cromwells durch Thronbesteigung Karls II.

1661 Wiederaufbau der Nikolaikirche in Elmshorn ohne Turm

1662 Grafschaft Rantzau wird auf dem Kreistag zu Lüneburg als ein Kreisstand des Niedersächsischen Kreises aufgenommen und zu 4 1/3 Reiter und 5 1/3 Mann Infanterie zum Reichcontingent angesetzt. Johann Lassenius wird als Propst eingesetzt, aber erst 1669 berufen und zum Hofprediger ernannt.

1663 Graf Christian gründet den Präbendenstift mit Kapelle in Elmshorn, stirbt am 8. Nov. in Kopenhagen. Er wird in Itzehoe (St.Laurentii) – nach Rauert in Kiel - beigesetzt, als Nachfolger erhält Detlef (geb. 11.05.1644) die Grafenwürde und alle Ehren. Dessen Schwester Margaretha Dorothea heiratet später den Reichskanzler Friedrich Ahlefeldt, der zum Statthalter ernannt wird. Detlef (19-jährig) wird Vize-Statthalter, erhält später fast die gleichen Ehren beim dänischen Hof wie sein Vater. Er heiratet Catharina Hedwig Brockdorff, die schönste und geistreichste Frau des Landes (Rauert), sie haben 12 Kinder, von denen bis auf 3 alle früh starben. Christian Detlef, geb. 20.06.1670, Wilhelm Adolph, geb. 1687, Catharina Hedwig (heiratet später den Grafen Castel-Rudenhausen)

1664 Die kleine Fischer- und Handwerkersiedlung in der Grafschaft Holstein-Pinneberg Altona wird vom dänischen König zur Stadt erhoben.

1665 Der absolutistische Herrschaftsvertrag wird durch die Lex Regia (die einzige kodifizierte absolutistische Verfassung) zum Grundgesetz, bleibt bis 1849 in Kraft. In der Folge wird eine nach Kollegien organisierte Zentralverwaltung eingeführt. Der König ist jetzt Herr über alle Untertanen, auch über die privilegierten Stände. [Bohn 2006, 64]

1665 Gründung der Christian-Albrechts-Universität durch Christan Albrecht, Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf

1669 Graf Detlef macht ein geheimes Testament (Donationsacte vom 10.08.1669, kaiserliche Bestätigung vom 17.07.1671)), wonach die Grafschaft Rantzau und die Herrschaft Breitenburg an das königliche Haus fallen sollen, falls seine Söhne keine männlichen Erben haben sollten. Für vorhandene weibliche Descendenten sollte der König Güter in Holstein bereitstellen, die der Pflugzahl von Breitenburg entsprechen. Dafür aber sollte die Grafschaft auf immer separiert von der Grafschaft Pinneberg und der Name immer erhalten bleiben. Mit seinem Freund Ulrich Friederich Güldenlöwe, dem damaligen Vicekönig von Norwegen, macht er schriftlich ab (Revers), dass sein erster Sohn Christian Detlef die einzige Tochter Güldenlöwes heiraten soll, wenn sie mannbar ist. Bei Weigerung sollen 30.000 Taler Reukauf ausgezahlt werden. (Rauert 7) Detlef lässt auch Münzen prägen, z.B. Dukaten mit der Umschrift „recte faciendo neminem timeas“ und Rantzauische Drittel. Detlef lebte hauptsächlich auf Drage, war Amtmann und Gouverneur zu Rendsburg, Geheimer Rath und später Statthalter der Herzogthümer. Nach dem Tod Catharinas heiratet er Dorothea Benedicta Ahlefeld, sie stirbt aber schon 1696.

1670 28.06. Der spätere Graf Christian Detlef (1670-1721) wird geboren

1669 Hans Jakob Christoph von Grimmelshausens Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch erscheint

1670 Krieg Venedigs gegen die Türken (beteiligt Christian Bilenberg *1639, Sohn des Verwalters auf Breitenburg, dann Offizier in dän. Diensten)

1670-1699 Christian V. König von Dänemark etc.

1673 Detlef Rantzau wird königlicher Cammerherr und Oberster zu Roß

1672 bis 1678 Niederländisch-Französischer Krieg (Ludwig XIV. gegen die ehemals spanischen Niederlande unter dem General Wilhelm von Oranien) „Devolutionskrieg“. England und Preußen, teils auch Österreich sind auf der Seite der Niederlande. Frankreich verbündet sich mit Schweden. Für Frankreich ging es auch um das Monopol im Atlantischen Dreieckshandel, das bei Holland lag

1673 Christian Detlef Rhode wird Pastor in Barmstedt Heinrich Schütz stirbt

1674 Im Nordischen Krieg (Ableger des Holländischen Krieges) fallen die Schweden in die Kurmark (Mark Brandenburg) ein, werden aber abgewehrt. In den folgenden Feldzügen der Brandenburg-Preußen und ihrer Verbündeten Dänemark (Österreich, Spanien, Holland)

1675 in der Schlacht bei Fehrbellin schlagen die Brandenburger die Schweden und erobern bis 1678 ganz Schwedisch-Pommern, in der Jagd über das Kurische Haff 1678/79 werden alle Schweden aus Preußen vertrieben, Das Herzogtum Gottorf wird bis 1679 besetzt und erst im Frieden von Fontainebleau zurückgegeben

1676 Johann Lassenius, bisher Propst, geht nach Kopenhagen

1678 Im Frieden von Aachen gewinnen die Niederlande gegen Frankreich und erhalten ihre Unabhängigkeit

1679 Im Frieden von St.Germain, der den Nordischen Krieg beendet, gibt Brandenburg-Preußen alle eroberten Gebiete wieder ab, da es im Krieg gegen Frankreich von Holland und Österreich im Stich gelassen wird(?) Frieden von Lund zwischen Dänemark und Schweden: Wiederherstellung des Besitzstandes von vor dem Krieg

Christian Detlef Rhode heiratet Eva Maria Hoyer in Itzehoe am 12.06.

1680/81 Brandenburg beginnt einen Kaperkrieg gegen Spanien

1682 13.03. Albrecht Andreas Rode wird geboren

1683 bis 1699 Großer Türkenkrieg: Das Osmanische Reich unter Großwesir Kara Mustafa versucht durch Belagerung Wien (Kaiser Leopold I.) zu erobern und das Tor zu Zentral- und Westeuropa zu öffnen. Die Truppen des polnischen Königs Jan Sobieski und die kaiserlichen unter Karl von Lothringen können in der Schlacht am Kahlenberge die 8-wöchige Belagerung beenden. Im weiteren Verlauf wird Prinz Eugen wichtig und die Türken werden aus Ungarn vertrieben.

1683 Catharina Hedwig Rantzau wird geboren

1684 Das gottorfische Herzogtum wird bis 1689 besetzt

1685 Ludwig XIV hebt das Edikt von Nantes auf und damit den Schutz der Hugenotten (Calvinisten), die jetzt um ihr Leben und Gut fürchten müssen, Verfolgung und Flucht von einer Viertelmillion Hugenotten ins protestantische Ausland setzt ein Friedrich Wilhelm erlässt daraufhin das Potsdamer Edikt, das 15.000 Protestanten die Ansiedlung in seinen Staaten erlaubt, Aufschwung der Industrie in Berlin ist die Folge

1685-1750 Johann Sebastian Bach ab 1700 an Michaelisschule in Lüneburg, Reisen nach Hamburg und Celle, nach Bewerbungen 1705 4 Monate in Lübeck, um dort Dietrich Buxtehude bei den Abendmusiken zuzuhören, dann Mühlhausen, Weimar (ab 1714 Cocertmeister, 1717-1722 Köthen, er bewarb sich nach St.Jacobi in Hamburg (hier Telemann), wurde dann aber zum Thomaskantor in Leipzig gewählt, auch Orgelkonzerte in Dresden

1685 Gründung der ersten jüdischen Gemeinde in Elmshorn durch Schutzbrief an den Juden Berend Levi http://books.google.com.pe/books?id=ej2vEEfSiysC&pg=PA21&hl=en&source=gbs_toc_r&cad=4#v=onepage&q&f=false


1686 Der Münsterdorfer Propst Andreas Schwesinger von Cronheim wird neuer Propst der Grafschaft und am 30.08.auf dem gräflichen Herrenhof eingeführt

1686 verurteilte der ehemalige Reichshofrat und Besitzer der holsteinischen adligen Güter Schmoel, Hohenfelde und Oevelgönne, Christoph Rantzau als Gerichtsherr 18 seiner Untertanen wegen Hexerei zum Tode und ließ sie unter Missachtung wesentlicher Verfahrensvorschriften hinrichten. Am 19. Juli 1688 stellte Christoph Rantzau für die Leibeigenen der drei ihm gehörenden Güter Freibriefe aus, wonach diese auf ewig freigelassen sein sollten. Die Freilassung konnte als Zeichen der Reue und Wiedergutmachung empfunden worden sein und Rantzau hätte diese Wirkung beabsichtigt haben können.[87] Am 6. September 1690 wurde Rantzau wegen gravierender Mängel beim Verfahren seiner Hexenprozesse zu einer Geldstrafe von 24.000 Reichstaler verurteilt.

1687 Morhofs Polyhistor beginnt zu erscheinen

1687 30.01. Wilhelm Adolf Rantzau wird geboren

1688 Hinrich Rhode wird geboren. Mutter war Eva Maria Hoyer http://www.claus-claussen.de/pages/kirchspiel-erfde/rode-rohde---pastoren-kuester/christian-detlef-rohde.php Prinz Wilhelm von Oranien landet auf Bitte der Parlamentsmehrheit der Whigs in England und vertreibt seinen Schwiegervater Jakob (der eine Rekatholisierung versucht hatte) ins Exil: Glorious Revolution mit Bill of Rights 1689 (Parlament, nicht der König ist der Souverän), Doppelkrönung von ihm und seiner Frau gleichzeitig.

Der „Große Kurfürst“ stirbt

Thomasius gibt 1688-1690 die „Monatsgespräche“ in Leipzig heraus, eine kritische Zeitschrift, die neue Literatur bespricht und sich gegen die intolerante lutherische Orthodoxie wendet, u.a. fühlt sich der dänische Hofprediger Masius angegriffen. Thomasius bestreitet, dass die Fürsten ihre Macht von Gott verliehen bekommen haben. Thomasius, Juraprofessor in Halle, hält als erster Vorlesungen auf Deutsch und wendet sich gegen den Hexenglauben

1689 Die Wiener Große Allianz wird gebildet durch den Beitritt Englands und der Niederlande (Wilhelm von Oranien) zur Augsburger Allianz zwischen Kaiser Leopold I., den Königen Karl I. von Spanien, Karl XI. von Schweden und Kurfürst Maximilian II. von Bayern Damit sollten die Vereinbarungen des Westfälischen Friedens und des Pyrenäenfriedens erhalten werden

1689 Durch den Altonaer Vertrag erhält Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf seine Territorien zurück. Garantiemächte waren Schweden, Niederlande und England

1692 geschleifte Festung Tönning lässt Christian Albrecht wieder aufbauen

1695-1702 Friedrich IV. Herzog von Gottorf

1695 Der Pastor an der Michaeliskirche zu Hamburg Johann Winkler wird Beichtvater des Grafen und zugleich nach dem Tod Cronheims neuer Propst

1694-1778 Voltaire, meistgelesener Autor der frz. Aufklärung, wurde 1718 mit Ödipus in Frankreich schlagartig bekannt

1696 22.12. Inspector Bocatius stirbt, sein Nachfolger wird Hildebrand

1697 Graf Detlef stirbt am 8. August 1697 in Hamburg, seine Leiche wird erst im September nach Rantzau und am folgenden Tag nach Drage überführt, erst am 15. Dez. in Itzehoe beigesetzt. Am 22. Dez. Gedächtnisfeier in Barmstedt, wobei Wilhelm Adolf (10) und Catharina Hedwig (14) anwesend waren. Probst Winckler, der von Detlef eingesetzte pietistische Prediger, hielt die Gedenkrede. Nur drei von 13 Kindern hatten ihn überlebt. Christian Detlef war zur Zeit des Todes in Frankreich, kam gerade noch rechtzeitig zur Beisetzung. Am 10. August mussten alle Untertanen sich auf Rantzau versammeln und mit aufgehobenen Händen den durch Inspector Hildebrand von einem Fenster des Schlosses aus verlesenen Treu-Eid auf CD schwören. Als Nachfolger erhält der 27-jährige Christian Detlef (geb. 28.06.1670) die Grafenwürde (Primogenitur) und erbt außer der Grafschaft alle Güter, vom dän. König (Friedrich IV.)erhält er das Blaue Band. Sein Rath ist Hinrich Bielenberg. Hausvoigt Marx Holste. Bald nach Regierungsantritt erkundigt sich Güldenlöwe, ob er seine Tochter nun heiraten wolle, Christian Detlef sagt, dass er sich als freier Mann nicht entschließen könne und wolle. Nach Beschwerde beim König, verlangt dieser eine Antwort, Rantzau erklärt, dass er weder sie heiraten, noch die Summe zahlen wolle und der König ihm als souveränem Reichsgrafen nichts befehlen könne, zum Zeichen seiner Unabhängigkeit schickt er ihm das Blaue Band zurück. Der König nimmt ihm dafür die Mühle bei Kellinghusen weg, die 1722 öffentlich verkauft wird. Außerdem werden ihm als Ausgleich für den versprochenen Brautschatz die Einnahmen der dänischen Grafschaft Löwenholm entzogen und der Gräfin Güldenlöwe zugewendet. Mit dem Frieden von Rijswijk wird der Pfälzer Erbfolgekrieg zwischen Frankreich und der Großen Allianz beendet

1698 Georg I. Ludwig von Braunschweig und Lüneburg wird Kurfürst (Kurhannover) Bei Ausgrabungen hilft u.a. Michael Richey, ein 20-jähriger Student am Akademischen Gymnasium im Hamburg, 1699 geht er nach Wittenberg und studiert Theologie, Naturlehre, Mathematik, Geschichte, schöne Wissenschaften, wird im gleichen Jahr Magister bei Samuel Schutzfleisch, der ihn zum Lehramt der Weltweisheit anregen will, geht aber aus gesundh. Gründen nach Hamburg zurück, studiert dort privat bei den Edzardis und Fabricius Orientalistik, auch Theologie bei Franck in Kiel, wird 1704 Rektor des Gymnasiums in Stade (schwedisch), flieht 1712 vor den Dänen nach Hamburg (legt 1713 sein Rektorat nieder), übernimmt 1717 den Lehrstuhl für Geschichte und griech. Sprache am Akad.Gymnasium in HH. Korrespondiert dann mit C.D.Rhode http://www.reference-global.com/doi/abs/10.1515/9783110220452.610

1699 Frieden von Karlowitz (Großer Türkenkrieg zu Ende. Jetzt verliert das Osman. Reich außer dem Banat alle Eroberungen des 16. Jahrhunderts. Österreich erhält alle Gebiete nördlich der Donau außer dem Banat, Ungarn incl. Siebenbürgen wird Habsburg zugesprochen, das jetzt eine europäische Großmacht geworden ist, und Venedig erhält den vorher eroberten Peloponnes, bei der Belagerung Athens war 1687 bei dem venezianischen Beschuss das türkische Pulverlager auf der Akropolis in die Luft geflogen) Rhode veröffentlicht in den Novis litterariis maris Baltici erste Ergebnisse seiner Grabungen Albert Fabricius erhält Professur am Akad.Gymnasium für Moral und Beredsamkeit http://de.wikisource.org/wiki/ADB%3AFabricius%2C_Albert Er trug mit einem Aufsatz bei zu Rhodes Buch bei, wurde Schwiegervater von Hermann Samuel Reimarus, der durch Lessings Veröffentlichung seiner hinterlassenen Schrift berühmt wurde, Gegner Lessings war Götze

1699-1730 Friedrich IV. König von Dänemark etc.

1700 Der Große Nordische Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum beginnt mit einem Angriff der Dreierallianz Russland (Peter I)-Dänemark-Norwegen-Sachsen-Polen auf Schweden, dessen König Karl XII. mit 18 Jahren als jung und unerfahren gilt. Karl ist aber zunächst siegreich. Dänemark (Friedrich IV.) erklärt am 11. März Schweden den Krieg und lässt am 17. März ein an der Trave zusammengezogenes Heer unter Ferdinand Wilhelm von Württemberg gegen holstein-gottorfische Orte ziehen. Am 22. April wird Tönning eingeschlossen, ab 26. April werden Granaten eingesetzt. In Schwedisch-Pommern und Bremen-Verden wird eine schwedische Armee zusammengezogen, ab Sommer wird sie von holländisch-hannoveranischem Hilfskorps unterstützt. Die Truppen vereinigen sich bei Altona, um Tönning zu entsetzen. Die Belagerung wird daraufhin abgebrochen.

	Im Frieden von Traventhal beendet Dänemark den Krieg gegen Schweden und muss auf Druck der Garantiemächte die Gottorfer Oberherrschaft über Schleswig anerkennen und eine Entschädigung von 260.000 Talern zahlen.

1700 Die Grafschaft wird von königlichen Truppen besetzt, mitten durch Elmshorn lässt der dän. König am Nordufer der Krückau Schanzen graben und Laufstege einrichten

1701 Propst Johann Winkler wird Senior zu Hamburg und legt Amt nieder, bis 1710 bleibt die Stelle vakant. Der Barmstedter Pastor Johann Berens war bis 1709 „Senior constitutus“ Spanischer Erbfolgekrieg beginnt (Österreich+Preußen+England+Holland+Hannover gegen Frankreich+Verbündete). Kabinettskrieg um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers. Er endet erst 1714. Frankreich (Ludwig XIV.) kann den Bourbonen Philipp V. als spanischen König durchsetzen. Ende der Ausgrabungen von Tumuli, Albrecht Andreas Rode geht zum Studium nach Kiel

1702 Christian Detlef Rantzau und der dänische König geraten in Glückstadt so aneinander, dass nur ein Eingreifen der Minister verhindert, dass der König den Grafen niederschlägt. Etwa gleichzeitig spielt sich der Elmshorner Pastorenstreit (Preesterkreeg) ab. Der Graf hatte ohne Absprache mit dem königlichen Vertreter (Kloster Uetersen) und ohne Wahl durch die Kirchengemeinde den Pastor Franz Josef Müller als Hauptpastor und Propst einsetzen wollen. Die Königlichen (Herrschaft Pinneberg) und die Gemeindemitglieder aus dem klösterlichen Uetersen (Hainholzer, Langloher, Vormstegener, Klostesander, Köhnholzer und Wischer) hatten sich vor dem Pfingstgottesdienst, bei dem die Ordination stattfinden sollte, im „Großen Haus“ versammelt, dann Altar und Kanzel besetzt, als der Küster die Kirche aufschloss, und so die Einführung verhindert. Der Graf verpflichtete daraufhin seine Barmstedter Untertanen am Mittwoch danach, dem 30. Mai, mit „Knitteln“ bewaffnet, die Kircheneingänge zu besetzen, damit die Ordination durch die beiden Barmstedter Pastoren Rhode und H. Berens ordnungsgemäß vonstatten gehen konnte. Die Gegner verließen danach unter energischem Protest die Kirche. Nach der Ordination veranstaltete Christian Detlef ein Bankett im Haus des Kirchspielvogts. Die Barmstedter Bauern bekamen für ihren Gehorsam, mit Prügeln in der Kirche zu erscheinen, „2 Tönne Bier zu besten gegeben“. Die Gegner verließen danach immer den Gottesdienst, wenn Müller predigte. Tumulte gab es besonders bei Beerdigungen, weil dabei beide Prediger die Grabbegleitung machten. Dieser Streit ging bis 1706. 1705 verließ Müller Elmshorn und wurde 1712 als Propst und Pastor nach Barmstedt berufen. 1726 ging er wieder nach Elmshorn. 1702-1713/21 Karl Friedrich Herzog von Holstein, bei Tod des Vaters (Friedrich IV. fällt bei Schlacht an der Seite Karls VII.)erst 2-jährig, daher übernahmen die Mutter, eine Schwester Karls XII. und sein Onkel die Regentschaft, die tatsächliche Macht lag aber bei den Geheimen Räten Magnus von Wedderkop und Georg Heinrich von Schlitz, genannt von Görtz. Er heiratet 1725 die Tochter Peters I. von Russland, sein Sohn Karl Peter Ulrich wird später Zar Peter III. Von Görtz führt jetzt den Plan des Gottorper Staatsrats Samuel Rachel aus, das Amt Barmstedt wieder in Besitz zu bekommen. CD „war ausschweifend und besaß manche nicht liebenswürdige Eigenschaften; er war in Dänemark nicht geachtet und mit seinen Untertanen zerfallen.“ (Rauert 9) Görtz fand Verbündete in Rantzau, z.B. den Verwalter D.H.L. Strycke und den Elmshorner Kirchspielvogt Samuel Prätorius. Queen Anne besteigt als letzte Stuart (nach Mary II) den Thron von England und von Schottland (GB erlebt jetzt große wirtschaftliche und kulturelle Blüte)

1705 Aufstand in Rantzau. Der Graf hatte mehrere Bauern wegen ausstehender Abgaben ins Gefängnis werfen lassen, Sachen gepfändet und sie in Rantzau aufbewahren lassen. Als CD abreiste, wurde die Zugbrücke runtergelassen, die Gefangenen in Freiheit gelassen, die gepfändeten Sachen im Triumph weggeführt und nebenbei mancher Unfug verübt. Da CD kein Militär hatte, musste er sich welches besorgen, eigentlich bei der Kreisdirektion (Lüneburg), aber hinterlistige Ratschläge ließen ihn in Gottorf um Hilfe bitten, die sofort 60 Dragoner unter Lieutenant Wolters hinbeordern. Diese nehmen aber mehr Partei gegen als für ihn, woraufhin er sich an das Kreisdirektorium wendet, ohne zu erklären, dass er schon Gottorf um Hilfe gebeten hat. Es wird ihm dann mitgeteilt, dass man die Gottorpische Regierung gebeten habe, die Hilfe zu geben. Görz gab sich als Schiedsrichter und brachte die Klagen der Untertanen vor. Allerdings hatte Strycke die Donationsacte aus dem Archiv entwendet und an Görz weitergegeben. Als Ausweg erklärte man jetzt, der Herzog Friedrich III. habe nach dem Primogenitur nicht das Recht gehabt, die Grafschaft zu veräußern und verlangte auf dem Kieler Umschlag nun, gegen Rückzahlung des Kaufpreises die Grafschaft abzugeben. CD protestiert und versucht vergeblich, die Gottorper Dragoner loszuwerden, wandte sich an mehrere Höfe, die ihm Unterstützung versprechen. Gottorf setzte jetzt auf das Reichsrecht und schickte den Notar Sallern mit Zeugen, um die Grafschaft in Besitz zu nehmen. Samuel Prätorius hatte sich auf den Hof geschlichen und die Zugbrücke herunter gelassen, Strycke war mit CD in Hamburg. Der Hausvogt Birkenbusch sollte die Schlüssel des Archivs übergeben, weigerte sich aber und verließ die Grafschaft. Darauf nahm man von allen Gebäuden offiziell Besitz, Abgaben sollten jetzt an den Commisair abgeliefert werden, in den Kirchen sollten die Prediger jetzt den Herzog statt des Grafen in das Gebet einbinden. Auch in Langeln wurden jetzt Korn und Vieh der Bauern von „den Kaltenkirchenern“ weggeschleppt. Der Graf erhielt das Angebot von 201.000 Talern, lehnte es ab und sandte Strycke nach Barmstedt mit dem Befehl, allen Untertanen bei Leibesstrafe zu verbieten, dem Herzog zu huldigen, was auch durch den kaiserlichen Gesandten in Hamburg übernommen wurde. Strycke wurde aber „in Barmstedt aufgehoben“ und ohne Ergebnis über die Grenze gebracht. Alle Untertanen huldigten am 14. April auf dem Schloss Rantzau dem Herzog. Alle Höfe (auch Kaiser und dän. König) wandten sich nun dagegen und verwarnten die Untertanen, einem anderen als dem Grafen zu gehorchen. (Rauert). Der umstrittene Propst Müller verlässt Elmshorn.

1706 Görz erreichte jedoch, dass die Grafschaft „bis zur ausgemachten Sache“ zu einem Kreissequester erklärt wurde. Daraufhin rückten 60 Mann Wolfenbüttler Fußtruppen in die Grafschaft ein, die Gottorper zogen ab. Samuel Prätorius wurde zum Interims-Intendanten der Grafschaft ernannt. In Elmshorn endet der Kirchenstreit mit dem Rücktritt des Rantzauischen Pastors Müller. Der vom König ernannte Pastor Gödeke war schon vorher mit 8 Dragonern erschienen und hatte die Kirche „erbrochen“ und seines Amtes gewaltet. (Dr.A.R. 9) Sachsen-Polen (August II.) tritt nach halb verlorenem Polen aus dem Krieg gegen Schweden aus und August verzichtet auf polnische Königskrone (Frieden von Altranstädt). Kriegsgefangene und Überläufer werden ausgeliefert. Karl macht Stanislaus I. zum polnischen König. Die Russen halten Westpolen und große Teile des Baltikums besetzt, betreiben Politik der verbrannten Erde: Dörfer werden verbrannt, Die Menschen werden deportiert und teils als Leibeigene auf russische Güter geschafft, teils als Sklaven ins Osmanische Reich und an die Tataren verkauft. Karl sichert den europ. Mächten zu, sich nicht in den spanischen Erbfolgekrieg einzumischen, will das Russ. Reich besiegen, um die besetzten Ostseeprovinzen zurück zu erobern

1707 Der Kaiser erlässt ein Mandat an das Kreisdirectorio, den Grafen sofort zu restituieren. Aber Görz kann Karl XII. persönlich für die Sache gewinnen, so dass die Sache sich bis 1709 hinzog. Act of Union (Real Union von England und Schottland zu Großbritannien)

1708 Karl greift Russland an, kann aber nicht direkt Moskau angreifen, weil die Russen Taktik der verbrannten Erde angewandt haben und die Versorgung nicht gewährleistet werden kann, weicht deshalb nach Süden in die Ukraine aus, wo er von den aufständischen Kosaken Hilfe erhält (nach dem Aufstand, der von Peter brutal niedergeschlagen wird)

1708/09 schwerster Winter des Jahrhunderts (besonders die in Deutschland angeworbenen schwedischen Soldaten sollen die Kälte nicht ausgehalten haben)

1709 in der Schlacht bei Poltawa erleidet Karl eine entscheidende Niederlage, woraufhin die schwedische Armee sich nach Süden zurückzieht. Nur ein kleiner Teil der Armee unter Karl kann schließlich im Osman. Reich Asyl erreichen. Russland besiegt die schwedische Armee in Polen und lässt sie bis nach Schwedisch-Pommern verfolgen

1709 Dänemark (Friedrich IV) und Sachsen (August II. der Starke) treten wieder in den Krieg ein, nachdem im August sächsische Truppen in Polen einmarschiert sind und König Stanislaus zur Flucht gezwungen haben. Mit russischer Hilfe wird August wieder polnischer König. Im Vertrag von Thorn kommt auch Preußen (Friedrich I.) dazu. 1710 bis 1714 erobert der Zar Estland, Livland und Finnland sowie die Herrschaft über die nördliche Ostsee, nachdem er eine große Flotte hat bauen lassen und im Seesieg n der Schlacht von Hanko gewinnt Der Barmstedter Pastor Matthias Schreiber übernimmt nach Berens´ Tod (?) die Stelle, wird zugleich Propst Christian Detlef Rantzau gelangt nach dem Machtverlust Karls XII. wieder in den Besitz seiner Grafschaft, belässt die Wolfenbüttler Truppen aber aus Angst vor seinen Untertanen bis 1711 dort. Gottorp versucht danach, seine Ansprüche weiterhin schriftlich durchzusetzen, was aber ab 1713 durch die Einziehung der Gottorpischen Lande durch den König obsolet wird. Christian Detlef umgiebt sich zu seiner Sicherheit mit „einer Anzahl Trabanten“ und führt weiter ein ausschweifendes Leben und plagt die Untertanen.

1710 Dänemark (Friedrich IV.) unternimmt eine Invasion gegen das schwedische Schonen an, wird aber zurückgeschlagen.

Pest auf Seeland

1711 Christian Detlef Rode geht nach Fehmarn Dänische Armee sammelt sich in Holstein und zieht gegen die Festung Wismar


1711-1776 David Hume

1712-1778 Jean Jaques Rousseau

1712 Albrecht Andreas Rode in Hamburg Die Dänen besetzen Elmshorn und drangsalieren durch Einquartierungen (Athen Jb.2011) Nach dem Weggang des Propsten Matthias Schreiber wird sein Nachfolger Franz Johann Müller (der umstrittene ehemalige) neuer Propst (bis 1737)

1713 Im Frieden von Utrecht tritt GB aus der Allianz gegen Frankreich aus, das Reich und Portugal sind nicht einverstanden und kämpfen weiter Altona wird als Vergeltung für den dänischen Angriff auf das schwedische Stade durch den schwedischen Feldherrn Stenbock niedergebrannt. Das schwedische Heer zieht weiter durch Holstein (Elmshorn kann sich nur durch Geldzahlungen vor großen Proviantlieferungen drücken) und muss sich in die zu Schleswig-Holstein-Gottorf (mit Schweden verbündet) gehörende Festung Tönning zurückziehen, wo es sich nach 3 Monaten Belagerung ergiebt. Für Rantzau hat das Bedeutung, weil er Hilfeleistungen Gottorfs entgegengenommen hatte, z.B. eine kleine Schutztruppe, jetzt nach dem Fall Gottorfs aber diese Unterstützung verliert. Dänemark besetzt jetzt den Gottorfer Anteil von Schleswig, die Gottorfer regieren von jetzt an aus Kiel ihre verbliebenen Holsteiner Anteile. Glückstadt verwaltet jetzt nur noch den holsteinischen Anteil der Herzogtümer Preußen (Friedrich I.) hatte sich im Nordischen Krieg bisher neutral gehalten, konnte aber nach Verhandlungen mit den Alliierten gegen eine Summe von 400.000 Reichstalern das gerade eroberte ehemals schwedische Stettin übernehmen. Preußen (unter dem Nachfolger Friedrich Wilhelm I.) erwarb nach Verhandlungen mit Dänemark und Russland 1714 den größten Teil Vorpommerns und tritt 1715 wiederum verbündet mit Sachsen in den Krieg gegen Schweden ein. Pommern und Wismar werden von den Aliierten erobert, schließlich nach langer Belagerung auch Stralsund, wobei Karl XII. mit knapper Not in einem Fischerboot entkommt. 1716 fällt auch Wismar. 1717 vertreiben welfische Truppen von Kurhannover = Braunschweig-Lüneburg (Georg I., seit 1714 zugleich König von England und Irland) im Auftrag des Reichs (Kaiser Karl VI.) die russischen Truppen aus Mecklenburg und dessen Herzog, um den zu starken Einfluss Russlands auf den Ostseehandel einzudämmen. Als Lohn erhält Hannover dafür das ehemals schwedische – von Dänemark eingenommene - Herzogtum Verden.

1714 Georg I. Ludwig wird König von England, nachdem der act of settlement auch den Welfen die Thronfolge ermöglichte, so dass der protestantische Kandidat über 50 näher mit den Stuarts verwandte Kandidaten verdrängen konnte Spanischer Erbfolgekrieg endet mit Erhebung des Bourbonen Philipp V. auf den spanischen Thron Venezianisch-österreichischer Türkenkrieg beginnt durch Besetzung des Peloponnes durch das Osmanische Reich

1715 Graf Christian Detlef wird bei einem Aufenthalt in Berlin wegen schändlichen Lebenswandels arretiert und nach Spandau gebracht. Der König von Preußen ließ seine hiesigen Verwandten davon unterrichten, woraufhin Wilhelm Adolf (28-jährig) als Administrator Besitz von den Allodialgütern nimmt, auf „inständiges Verlangen seiner Untertanen“ (Grassau) auch die Grafschaft, wollte sich aber nicht huldigen lassen, obwohl die Untertanen das antrugen. Er verhielt sich aber als Graf, indem er die Kirche neu bauen ließ und Prediger „vocierte“.

1.9. Ludwig XIV., König von Frankreich, stirbt Preußen und Hannover treten in den Krieg gegen Schweden ein und greifen Schwedisch-Pommern (Wismar, Stralsund, Stettin) an Fabricius, Richey, Brockes gründen mit anderen in Hamburg die „Teutsch übende Gesellschaft“ um die deutsche Sprache durch eigene Lithttp://books.google.de/books?id=DZwbJjFlqJYC&pg=PA2305&lpg=PA2305&dq=Teutsch+%C3%BCbende+Gesellschaf&source=bl&ots=_bcuQxWeJK&sig=9hm13TaNG33SLUnYGgNqEpdkvoU&hl=de&ei=HNRKTrmKNYrXsga5lY2EBw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=4&ved=0CDEQ6AEwAw#v=onepage&q&f=falseeratur zu veredeln

1716 Österreich tritt in den Krieg gegen die Türken ein (Prinz Eugen Präsident des Hofkriegsrats)

1717 Brandenburg-Preußen (Friedrich Wilhelm I) verkauft die afrikanischen Besitzungen für 7200 Dukaten und 12 Mohren an die Holländer Bei der Belagerung Belgrads gelingt es Prinz Eugen die Türken endgültig zu schlagen. Mit dem Frieden von Passarovitz erlangt Österreich seine größte Ausdehnung nach Südosteuropa, Venedig verliert Morea (den Peloponnes) und verliert seine Rolle als Großmacht. Die österreich. Staatsfinanzen aber sind desolat Graf Wilhelm Adolf lässt die alte St. Margarethenkirche abbrechen und beginnt den Neubau, der alte Feldsteinturm bleibt stehen, 1717 ist auch 200. Jahrestag der Reformation durch Martin Luther, daher wird das Lutherbild am Aufgang zur Kanzel angebracht, entspr. der Barockmode wird ein Grafenstuhl mit Außenzugang eingebaut. Christian Detlef Rhode stirbt am 4.12. in Burg auf Fehmarn

1718 Die neue Heiligen-Geist-Kirche wird Pfingsten eingeweiht, nachdem am Tag zuvor ein Blitz in den Turm eingeschlagen ist. Panegyrik auf den Grafen durch Pastor Karl XII. wird bei der Belagerung von Frederikshald in Norwegen erschossen, danach kommt es zu Friedensverträgen.

1719 Herausgabe der Cimbrisch-Holst…als Zeitschrift http://diglib.hab.de/wdb.php?dir=drucke/hc-24 Grassau beginnt in Neuendorf sein Amt als Pastor und führt eine Chronologie u. a. über die Vorgeschichte und aktuellen Ereignisse politischen Ereignisse bis 1731

1720 Im Frieden von Frederiksborg wird die Annexion der schleswigschen Anteile des Hauses Gottorf bestätigt Nach Niemann hat Wilhelm Adolf Rantzau dem preußischen König 24.000 Taler bieten lassen, wenn er den Bruder zeit seines Lebens gefangen halten würde. Das Geld wurde demnach angenommen, aber der Graf CD sofort frei gelassen. Rauert zweifelt diese Angabe an. Anfang 1720 wird CD aber aus der Haft in Memel freigelassen und kehrt nach Hamburg zurück, wo er hört, dass sein Bruder sich die Regierung angemaßt habe, Er schickt deshalb seinen Rat Grubben nach Rantzau, der sich des Schlosses bemächtigt. Wilhelm Adolfs Partei setzte daraufhin mit einem Kahn über den Burggraben und nahm die Leute des CD fest. Grubben wurde über die Grenze gejagt. WA kam daraufhin selbst nach Rantzau. Als dies CD erfuhr, warb er 50 Mann Soldaten an und zog mit ihnen vor Rantzau, woraufhin das Schloss übergeben wurde. 7 – 9 Mann, die dort waren, wurden gefangen und misshandelt, unter ihnen Detlef Prätorius, der Sohn von Samuel Prätorius. WA war vorher geflohen und versuchte von Drage aus mit einem Glückstädter Notar gegen das Verfahren seines Bruders zu klagen. Der lehnte aber wegen der Gefahr ab. Daraufhin wandte er sich an die Glückstädtische Regierung, um seinen Bruder manu militarii zur Raison zu bringen. CD reiste nach Hamburg zurück und übergab das Kommando seinem Capitain Henry. Gegen den wurde aber sofort gemeutert, man nahm ihm den Degen ab, erschoss den Kammerdiener und „spolierten“ das Schloss. Die Gefangenen wurden freigesetzt. Als sie allerdings mit ihrem Raub über die Grenze in die Grafschaft Pinneberg kamen, wurden sie vom Landdrosten festgenommen und nach Glückstadt geschickt. Da aber niemand die „Detentionskosten“ für sie bezahlen wollte, wurden sie wieder freigelassen. Der Mörder des Kammerdieners allerdings wurde in Pinneberg gehalten und gegen Bezahlung der Detentionskosten durch CD ausgeliefert und bei Barmstedt hingerichtet. WA behielt die Güter Breitenburg und Drage inne. Der Streit konnte auch durch eine königliche Kommission in Kiel nicht beigelegt werden. Der Kaiser erließ an WA auf Veranlassung CDs den Befehl, sich innerhalb von 2 Wochen zu verantworten. Mehrere Unzufriedene, u.a. Detlef Prätorius, sammelten sich auf Drage bei WA und schmiedeten Pläne. Der Hass der Untertanen wegen willkürlich auferlegter Contributionen, die mit Gewalt beigetrieben wurden, war gewaltig gestiegen. Am 18.08.1720 wird er in einem Wirtshaus in Elmshorn fast vergiftet (Rauert 13), an der Thiensener Brücke warten vermummte Gestalten auf ihn (wovon er hört). In Hamburg brennt das Haus ab, in dem er schläft. Bei einer Jagd in der Nähe von Rantzau (beim Fuchsloch) werden Schüsse auf ihn abgefeuert, von denen aber keiner trifft. In die Heiligen-Geist-Kirche wird vom Glückstädter Orgelbauer Johann Hinrich Klapmeier (aus der Schule Arp Schnitgers) die Orgel eingebaut. 34 Register mit c.a 2200 Pfeifen, Hauptwerk, Brustwerk, Rückpositiv, Pedal

1721 Auf Schloss Gottorf huldigt die Ritterschaft dem dänischen König, die herzogliche Familie verlagert ihre Residenz nach Kiel, hat faktisch in Schleswig-Holstein keinen Einfluss mehr, erst ein Sprössling wird als Peter III. 1762 Zar von Russland (seit 1742 als designierter Thronfolger schon Großfürst), wird aber nach 6 Monaten ermordet, seine Frau Katharina übernimmt dann die Zarenwürde,

1773 beendet Katharina mit dem Vertrag von Zarskoje Selo die gottorfische Herrschaft in Holstein und ermöglicht so die Bildung des dänischen Gesamtstaates Am 10.11.1721 wird Christian Detlef bei einer Schnepfenjagd im Holze erschossen. Die Leiche wird nach Rantzau und 8 Tage später nach Breitenburg gebracht. WA kommt am Tage nach dem Mord als Trauernder nach Rantzau und verordnet ein 4-wöchiges Trauergeläute, lässt von den Kanzeln Gott bitten, dass die Mörder gefunden werden mögen und setzt eine Belohnung auf deren Entdeckung aus. Der dän. König, unter dessen Jurisdiktion Breitenburg liegt, lässt eine Untersuchung gegen einige Verdächtige durchführen. Die Untersuchung wird von einer Kommission in Rendsburg durchgeführt. WA soll einerseits der Verhaftung z.B. von Christian Saß aus Barmstedt zugestimmt haben, ihn gleichzeitig aber gewarnt haben, so dass er flüchten konnte. Der mit seiner Ehefrau Verdächtige Breitenburger Hegereuter Berneck gibt in der Untersuchung an, WA habe ihn angestiftet, jemanden zu finden, der Christian Detlef Rantzau umbringt.

1721 Wilhelm Adolf muss wegen der als Lehen zu empfangenden Allodialgüter nach Kopenhagen, unterschreibt dort das Testament seines Vaters, wird dann durch Gerüchte in die Flucht in die Grafschaft getrieben. Seine Kutsche wird in Jevenstedt angehalten und sein Kammerdiener Alexander herausgeholt. Er selbst erfährt, dass man ihn schon auf Drage gesucht habe, das von Soldaten besetzt sei und flüchtet über Kellinghusen nach Stellau, wo er sich in Bauernkleidern nachts nach Hamburg bringen lässt. Hier bleibt er mehrere Wochen und kommt dann mit seiner Frau nach Rantzau, von wo aus er ab und zu nach Hamburg fährt. Der Kammerdiener sagt gegen Wilhelm Adolf und Prätorius aus, ebenso der verhaftete Jäger Simon Wähling, der zugibt, auf den Grafen geschossen zu haben. Christian Saß sagt als Kronzeuge ebenfalls gegen Wilhelm Adolf aus und nennt weitere Verschworene, nämlich Paul Sievers, der nach Schwedisch-Pommern geflüchtet sei, und Claus Frahm. Daraufhin wird ein ordentliches Criminalgericht in Rendsburg eingesetzt (4 Geh. Räte und Ritter und 4 gelehrte Räte) Peter I. (der Große) gründet das Russische Kaiserreich, das in der Folge bis 1917 besteht, der Anspruch auf Gleichstellung mit den anderen Herrschern, v.a. der Titel Imperator (Kaiser) wird diplomatisch lange umkämpft

1722 Am 23.Mai 1722 wird Wilhelm Adolf auf einer Fahrt nach Hamburg in Pinneberg festgenommen und dort arretiert. Die Rantzauer Untertanen planen eine Gefangenenbefreiung, wenn der Transport nach Rendsburg gehen würde. Der Brief, in dem sie nach der Zeit des Transportes fragen, gelangt aber in die Hände des Steinburger Amtsverwalters, weshalb die Bedeckung dann so stark ist, dass keine Befreiung möglich ist. Wilhelm Adolf legt vor der Kommission Ordensband und Schlüssel, die er vom König erhalten hat, ab und erklärt, sich nur vor einem Reichsgericht verantworten zu wollen, was er aber wieder fallen lässt, als ihm „strengere Haft“ angedroht wird. Prätorius wird durch Verrat seines Freundes Major Kähler verhaftet, der ihn unweit Krossen im Brandenburgischen den Preußischen Soldaten ausliefert. Über Danzig und Kopenhagen wird er nach Rendsburg gebracht und dort unter Folter verhört. Er gesteht, selber den Grafen erschossen zu haben und die Information über die Schäferei an den Grafen nach Drage weitergegeben zu haben.

1723 Albrecht Andreas Rode Pastor in Eichede Patriotische Gesellschaft in Hamburg von Richey, Brockes u.a. gegründet

1723-1790 Adam Smith

1724 Albrecht Andreas Rode stirbt

1725 Urteilsverkündung am 25.Juni 1725: Claus Frahm war bereits im Gefängnis gestorben. Prätorius wird am 29. Juni mit dem Schwert zu Rendsburg hingerichtet und sein Körper auf das Rad geflochten. Paul Sievers und Simon Wähling zeit ihres Lebens an die Karre geschmiedet. Am 26. Oktober wird Christian Saß ebenfalls zur Karre verurteilt.

1726 Das Urteil gegen Wilhelm Adolf wird am 9.April 1726 publiziert. Er erhält „ad perpetuos carceres“ und muss 20.000 Taler Strafe zahlen. Kurz danach erscheint eine Broschüre, die behauptet, in Gutachten sei ein schwerer Tod für Wilhelm Adolf Rantzau gefordert worden, und er selbst habe um den Tod gebeten. In den Akten sei aber – nach Rauert – nichts darüber zu finden. Wilhelm Adolf wird nach dem Urteil ins Schloss Aggershuus in Norwegen gebracht. Er sieht seine Frau nie wieder und stirbt am 21. Mai 1734. Gleich nach dem Urteil lässt der König durch Conferenzrath Blome und die Land- und Kanzleiräte Christian Ahlefeldt und Anton Hildebrandt die Grafschaft sequestrieren. Eine Inbesitznahme ist nicht möglich, weil der Kaiser das Verfahren nicht gutgeheißen hatte und einige Nebenlinien der Rantzaus bei den Reichsgerichten einen Prozess gegen den König führen. Der Prozess wird später aber nicht fortgeführt. Am 9. April 1726 wird alles gräfliche Eigentum und das Archiv ausgeliefert, es wird versprochen, dass alles beim Alten bleiben würde und ein genaues Inventar durch die Kaiserlichen Notarien J. Finck und A. E. Prätorius wird angelegt. Die Grafenschwester Catharina Hedewig erhält alle Allodialgüter und Mobilien, verzichtet auf die Grafschaft, erkennt das Testament ihres Vaters an und zahlt die Prozess- und Detentionskosten ihres Bruders. Sie darf auch Breitenburg behalten. Blome wurde als Administrator eingesetzt, die Eigenständigkeit wird entsprechend der Donationsakte erhalten, die Grafschaft also nicht eingegliedert. Die Pröpste (immer die Elmshorner Hauptpastoren) behalten das Ordinationsrecht.