Mittelalter in Südholstein: 800 - 1500

Aus Barmstedt-Geschichte
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Karolingische Reiterei aus dem Psalterium Aureum, St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. 22, saec. IXex, S. 140 als Illustration zu Ps 60 (Feldzug des Joab)

Die Geschichte Barmstedts, Elmshorns und der umgebenden Ortschaften beginnt im Hoch-Mittelalter. Die Entstehung der Dörfer ist in schriftlichen Quellen nirgendwo dokumentiert. Sie existierten aber natürlich schon, bevor es aufgrund von Schenkungen der Einkünfte aus diesen Besitzungen zu einer Beurkundung in erhaltenen schriftlichen Dokumenten kam. Der Name Barmstedt taucht so zum ersten Mal im Jahre 1140 auf, als der Erzbischof von Bremen, Adalbero, bestätigt, dass die Einkünfte aus diesem Kirchspiel und dem "Hof" mit denen vieler anderer in Holstein zusammen dem neugegründeten Domkapitel zu Hamburg zufließen sollen. Elmshorn kommt ein Jahr später, nämlich1141, zum ersten Mal in einer Urkunde vor. Die Geschichte dieser Dörfer, das Kirchspiel und der Hof in Barmstedt sind also - genau wie die Bevölkerung, die hier lebte - schon vorher in die allgemeinen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen der Zeit eingebunden gewesen, soweit sie Südholstein betrafen. Diese sollen hier so dargestellt werden, dass der Bezug zu unserer Region jeweils möglichst deutlich wird.

Die nordelbischen Sachsengaue in der Karolingerzeit (700 – 966)

Im 5. und 6. Jahrhundert war das Gebiet nördlich der Elbe offenbar weitgehend leer von menschlichen Bewohnern. Archäologische Funde im unterelbischen Gebiet und Südjütland liegen kaum vor. Indiz sind auch die Urnen-Friedhöfe, die nur bis ins 5./6. Jahrhundert benutzt wurden, danach nicht mehr. (Degn, S.26). Die Ursache wird in der Abwanderung der Sachsen und Angeln aus dem Unterelbegebiet und Jütland nach England vermutet, wo gleichzeitig ähnlich Zivilisationsspuren auftreten, wie sie in Schleswig-Holstein jetzt zu Ende gehen. Über Leben und Vorstellungen der der angelsächsischen Urbevölkerung ist fast nichts bekannt, da Ludwig der Fromme deren Sagen und Lieder systematisch als heidnische Überlieferungen hatte vernichten lassen. (Degn, S28) Möglicherweise hatten einerseits Klimaveränderungen die Lebensbedingungen hier verschlechtert und andererseits waren in England durch die Gründung neuer angelsächsischer Königreiche attraktive Siedlungsräume erobert worden, die eine starke Anziehungskraft ausübten. (Degn, S.26)

Im späten 7. Jahrhundert kam es durch den Zuzug von Sachsen von südlich der Elbe und Jüten von Norden sowie Friesen aus dem Westen langsam wieder zu einer Besiedelung. (Bohn, S.8) Dazu kamen aus dem heutigen Mecklenburg die Abodriten („Abotriten“, „Obotriten“, „Obodriten“), ein westslawischer Stamm aus dem Gebiet des heutigen Mecklenburg, der sich unterteilte in die Wagrier, die sich im östlichen Hügelland und an der Trave niederließen, und die Polaben, die sich im Gebiet des heutigen Herzogtums Lauenburg ansiedelten. Die Friesen aus dem heutigen West- und Ostfriesland wanderten in das heutige Nordfriesland ein, das damals noch wesentlich größer war, da die großen Sturmfluten von 1362 und 1634 noch nicht gewütet hatten.

Die Sachsen siedelten im heutigen mittel- und westholsteinischen Bereich und bildeten dabei drei Gaue („Go“) als politische Strukturen aus: Stormarn, Holstein und Dithmarschen, die später geviertelt waren, entsprechend den Ur-Kirchspielen. Das Barmstedter Gebiet gehörte möglicherweise zum Kellinghusener Viertel als nördlich der Krückau gelegenem holsteinischen Gau, südlich lag das stormarnische Rellinger Viertel.. Im Unterschied zu den südelbischen Sachsen gab es hier anscheinend noch keinen Adel („Edelinge“) und keine Minderfreien („Laten“). Es handelte sich nach Degn um eine urdemokratische Verfassung, denn an den regelmäßig stattfindenden Things („Dings“) konnten alle teilnehmen. Unser Gebiet - wie der gesamte Krückau-Verlauf - bildete im Laufe der nächsten Jahrhunderte das Grenzgebiet zwischen den sächsischen Gauen Stormarn und Holstein. Stormarn reichte nördlich der Elbe von der Alster bis zur Krückau und wurde im Norden von einem großen Waldgebiet, dem Kisdorfer Wohld begrenzt. Holstein wiederum erstreckte sich von der Krückau bis zur Marsch und wurde im Norden ebenfalls durch ein großes Waldgebiet begrenzt. Jenseits davon im Osten lag der Gau Faldera und hinter einem weiteren großen Waldgebiet das Territorium der Abodriten / Obotriten.


Die Eroberungen Karls des Großen
Denar mit dem Kopf Karls des Großen

Die Franken hatten sich unter Karl dem Großen zur beherrschenden Macht in West- und Mitteleuropa aufgeschwungen und in mehreren Feldzügen die Sachsen besiegt und zum Christentum bekehrt oder gezwungen. Karl hatte sich am Weihnachtsfest des Jahres 800 in Rom durch Papst Leo III. zum römischen Kaiser erheben lassen und damit seinem Herrschaftsanspruch eine religiöse Bedeutung gegeben. Das fränkische Reich verfolgte jetzt die Idee, die imperiale Herrschaftsordnung des antiken römischen Reiches mit der eines christlichen Abendlandes zu verbinden. Damit sollte eine Entsprechung zum oströmischen Reich geschaffen werden, das ungebrochen weiter existiert hatte und vom byzantinischen Kaiser regiert wurde. Karl stieß damit jedoch im Sachsengebiet auf starken Widerspruch. Der Gegensatz zwischen fränkischem Königtum und sächsischer Gemeinfreiheit sowie zwischen (fränkischem) Christentum und sächsischem Götterglauben war ein beherrschendes Thema der Zeit. Christliche Mission, ausgeübt von Bischöfen und Mönchen, und fränkische Herrschaft, durchgesetzt mit militärischen Mitteln, waren aus dieser Sicht kein Gegensatz, sondern eine notwendige Strategie zur Konsolidierung des christlichen Abendlandes.

Frühmittelalterliche Bewaffnung: Spatha, Sax, Franziska, Spangenhelm, Lanzenspitze und Schildbuckel, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Die Franken eroberten 798 unter Mithilfe der slawischen Abodriten auch das nordelbische Gebiet der sächsischen Holsten, Stormarn und Dithmarscher. Die Sachsen südlich der Elbe ließ Karl ins Frankenreich verschleppen und ihre Felder verwüsten, das nordelbische Gebiet mitsamt seiner sächsischen Bevölkerung überließ er den Abodriten. Die Dänen ließen allerdings die fränkisch-slawische Expansion nach Norden nicht widerstandslos geschehen und griffen die Abodriten an, siegten 808 und machten diese zinspflichtig. Karl ließ daraufhin, nachdem auch ein dänisches Heer in Friesland erschienen war, nördlich der Elbe an der Stör beim heutigen Itzehoe den Grafen Egbert eine Burg errichten, die Burg Esesfelth, das spätere Itzehoe,um dort den Platz in Besitz zu nehmen. Sie erhielt eine fränkische Besatzung, um den Herrschaftsanspruch Karls auch über das nordelbische Gebiet zu beweisen.

Der Dänenkönig Godfred (Göttrik) ließ seinerseits zur Verteidigung das Danewerk westlich der Schlei - an der schmalsten Stelle der jütischen Halbinsel - bauen. 808 zerstörte er als kriegerische Maßnahme gegen die Abodriten den Handelsplatz Reric in der Nähe des heutigen Wismar, führte die dortigen Kaufleute mit sich fort und siedelte sie in Haithabu (Hedeby)an der Schlei an. Godfreds Nachfolger Hemming schloss 811 mit Karl den Großen Frieden, wodurch die Eider-Trave-Linie als Grenze zwischen beiden Reichen festgelegt wurde. Schon 810 wurde ebenfalls durch Vertrag der Limes Saxoniae als nordelbische Grenze gegenüber den Abodriten in Ostholstein festgelegt. Diese Linie war dicht bewaldet und nur durch einige Ringwälle befestigt. Das Gebiet westlich davon bis zu den Grenzwäldern zu den Gauen Holstein und Stormarn wurde zum Gau Faldera.



Bischof Ansgar auf der Trostbrücke in Hamburg

An der Mündung der Alster in die Elbe wurde gleich nach dem Tode Karls, auf Befehl seines Sohnes Ludwigs des Frommen, auf dem Gelände einer ehemals sächsischen, dann abodritischen Siedlung die Palisadenfestung Hammaburg als Ausgangsort der Missionierung des Nordens und Sitz des Grafen und fränkischen Befehlshabers Bernhard errichtet. Ludwig der Fromme gründete 831 das Bistum Hamburg, das durch Papst Gregor IV. zum Erbistum erhoben und mit dem zum Bischof geweihten Benediktinermönch Ansgar besetzt worden war. Die erste Tauf- und Missionskirche für den Holstengau entstand in Pöschendorf, dem heutigen Schenefeld (Kreis Steinburg). Die Hammaburg wurde jedoch schon 845 von Wikingern ausgeplündert und niedergebrannt. Ansgar flüchtete nach Bremen, wo er das dortige Bistum erhielt. Dieses wurde im folgenden Jahr mit Hamburg vereinigt. Die Handelssiedlung, der Wik, blieb im Unterschied zur Hammaburg in dieser Zeit erhalten und breitete sich aus.

Innerhalb des Holsten-Stormarn-Gaus, in den heutigen Kreisen Segeberg, Pinneberg, Steinburg und Neumünster, sind aus dieser Zeit Burganlagen in Form von Ringwällen v. a. in der Störniederung bekannt, neben Esesfelth z. B. die Kaaksburg beim heutigen Schenefeld.

Weiteres zum Karolingerreich




Billunger, Bischöfe und Abodritenkriege in den Gauen Stormarn und Holstein (966 – 1100)

953 ernannte König Otto I., der gleichzeitig Herzog von Sachsen war, Hermann Billung als Markgraf zu seinem ständigen Vertreter in Nordelbien. Ab 964 wurde er auch sächsischer Herzog. (Bohn, S. 17) Da dieser das Amt auf seine Nachkommen vererben konnte, herrschten von jetzt an neben den Erzbischöfen von Bremen und Hamburg auch die Billunger als Markgrafen über Hamburg und den Gau Stormarn. 913 und 983 kam es zu einer weiteren Zerstörung Hamburgs, diese beiden Male durch einen Überfall der Abodriten. Nachdem sich wieder Frieden eingestellt hatte, wurde 1013/1030 das Hamburger Domkapitel gegründet, wobei Erzbischof Unwan zunächst nur eine Holzkirche erbauen ließ, Benzelin Alebrand führte sie 1037 dann in Quadersteinen aus.

Im 11. Jahrhundert kam es zu einer zunehmenden Rivalität der geistlichen und weltlichen Herren, die sich jetzt jeweils steinerne Häuser bauen ließen, der Bischof einen Wohnturm, die Billunger die Alsterburg und die Neue Burg. Gerade gegenüber den Abodriten drückte sich die unterschiedliche Politik aus. Während die Billunger mit hohen Tributforderungen und Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Abodriten auftraten, bemühten sich die Erzbischöfe um deren Christianisierung und ein gutes Verhältnis zum deutschen König. Die Abodriten rächten sich 1066 und 1072 (Kruko) gegenüber den Maßnahmen der Billunger durch Verwüstung der Stadt, die damals noch recht klein war: Alster, Gröningerstraßenfleet (heute Ost-West-Straße) und Heidenwall (heute Rosenstraße - Gerhart-Hauptmann-Platz - Schopenstehl) waren die Grenzen. Der Erzbischofssitz wurde daraufhin nach Bremen verlegt.

Das Gebiet der Holsten und Dithmarscher behielt in dieser Zeit weitgehend die traditionellen politischen Rechte, was sich z. B. darin ausdrückte, dass die Gaue weiterhin vom Go-Ding, die Viertel von den Lot-Dingen der Urkirchspiele aller freien Männer (?) selbstverwaltet wurden und sich in Thingversammlungen zu Kriegszeiten aus ihrer Mitte Overboden bzw. Boden (in den Vierteln) wählten, die dann dem Heeresaufgebot der Billunger gegen die Abodriten oder Dänen folgen mussten. Es entstand so eine „Volksadelsschicht“, die „sich durch Ansehen und Aufgaben, vielleicht auch durch Erblichkeit und größeren Besitz von den übrigen „Freien“ abhob. (Degn, S.43) Möglicherweise ist dieses die Entstehungsbedingung für den späteren Hof Barmstedt und das hiesige Rittertum, das 1141 zum ersten Mal erwähnt wird.

Sachsenkriege, Investiturstreit und Erster Kreuzzug




Kriege und Siedlungspolitik unter den Schauenburger Grafen (1111 – 1141)

Das Nesselblatt-Wappen der Schauenburger
Schaumburg Holstein Nesselblatt Wappen coat of arms.jpg

1111 starben die Billunger aus. Um im Norden des Reichs eine Verteidigung gegen Dänen und Abodriten zu sichern, vergab der sächsische Herzog Lothar von Süpplingenburg die Grafschaften Holstein und Stormarn als Lehen an den Grafen Adolf I. von Schauenburg, der damit zum Gründer der Dynastie der Schauenburger Grafen über 350 Jahre wurde. 1110 hatte Lothar gerade erfolgreich einen Feldzug gegen die Abodriten geführt und den dänischen Jarl Knud von Schleswig zu deren König eingesetzt. Adolf baute die Alsterburg in Hamburg jetzt verstärkt aus. Die Stammburg der Schauenburg war an der Weser bei Rinteln. Als Grenzgebiet des Reiches fielen Verteidigungsaufgaben gegen die Wenden in Ostholstein und die Dänen an. Die Elbmarschen und Dithmarschen gehörten nicht zum Schauenburger Gebiet, sondern zur Grafschaft der beiden Elbgestade, deren Lehnshoheit beim Erzbistum Bremen lag und (bis 1144) von den Grafen von Stade verwaltet wurden.

Lothar von Süpplingenburg wurde übrigens 1125 als Lothar III. zum König gewählt und 1133, als er sich nach der Wahl eines Gegenpapstes (Schisma) für Innozenz entschied, von diesem zum Kaiser gekrönt.


1126 begann Vicelin unter Erzbischof Adalbero mit seiner Missionstätigkeit unter den Abodriten im Raum Lübecks. 1127 gründete er ein Kloster im Grenzgebiet zwischen Holsaten und Slawen am Südrand des heutigen Stadtkerns von Neumünster und nannte es "novum monasterium", aus dem der heutige Name Neumünster hergeleitet ist.

Nach dem Tod Adolfs im Jahre1130übernahm sein Sohn Adolf II. die Grafschaft von Holstein und Stormarn und betrieb eine starke Siedlungspolitik. Es wird vermutet, dass in dieser Zeit das Kirchspiel Barmstedt mit seinen Dörfern - wie auch andere – als neuer Verwaltungsbezirk entstand. In dem jeweiligen Zentrum hatte der Verwaltungsbeamte seinen Sitz. 1134 ließ Lothar auf dem über 100 m hohen Kalkberg – nach Helmold von Bosau - „das ganze Volk der Nordelbier“ die Siegesburg (Segeberg) bauen, um von da aus die Slawen/Wenden zu unterwerfen und zu missionieren. Der von Lothar als Bischof ausersehene Vicelin ließ am Fuß des Berges eine Kirche und ein Chorherren-Stift bauen, das aber kurz darauf zerstört wurde, woraufhin Vicelin nach Neumünster flüchtete.

1138 verlor Adolf II. allerdings seine Grafschaft wieder, als Konrad III., ein Staufer, zum römisch-deutschen König gewählt wird. Der gestorbene Kaiser Lothar III. hatte Heinrich den Stolzen ausgewählt. Konrad zwang diesen nun, wegen seiner ansonsten übermächtigen Stellung, zum Verzicht auf eines seiner beiden Herzogtümer Bayern oder Sachsen. Nachdem dieser sich aber weigerte, wurde er auf einem Hoftag geächtet und verlor beide Herzogtümer. Sachsen erhielt Albrecht der Bär. Adolf II. verlor damit als Lehnsmann Heinrichs des Stolzen die Grafschaft an Heinrich von Badewide.

1138/39 führten die Sachsen unter Heinrich von Badewide in Wagrien einen Krieg gegen die Abodriten. Anlass war die Zerstörung Segebergs und des Faldera-Gaus durch die Slawen/Wenden. Der Sachsenherzog zog „mit einem Heer von Holsten und Stormarnern […] winters ins Slawenland ein und verheerte es; nur die Burgen widerstanden.“ (Helmold, nach Degn, S.48) In den folgenden Jahren wurden alle Burgen eingenommen und das ganze Land verwüstet. Nach diesem Sieg wurde das Gebiet vollständig sächsisch beherrscht, christianisiert und durch Holländer, Flamen, Friesen und Westfalen besiedelt. Der Limes Saxoniae verlor damit seine Bedeutung.

Heinrich der Stolze konnte kurz darauf seine Machtposition als Herzog in Sachsen – gegen den Askanier Albrecht den Bären – zurückgewinnen und für seinen 12-jährigen Sohn Heinrich den Löwen 1142 sichern. Er setzte gleich darauf wieder den Schauenburger Adolf II. als Graf in Nordelbien ein. Heinrich von Badwide ließ aus Wut deshalb die Segeberger Burg und die Feste Hamburg zerstören. Der Streit wurde schließlich so geschlichtet, dass Heinrich Ratzeburg und Polabien, Adolf II. die Grafschaft jetzt inclusive Segeberg und Wagrien erhielt. Er ging jetzt, nachdem die alte slawische Bevölkerung weitgehend getötet, vertrieben oder abgewandert war, an die planmäßige Wiederbesiedelung des wendischen Gebiets durch Werbung in Holstein, Stormarn, Flandern, Holland, Utrecht, Westfalen und Friesland, woraufhin – nach Helmold – eine zahllose Menge nach Wagrien aufbrach. Die Holsten erhielten Wohnsitze westlich von Segeberg, an der Trave und in weiteren Gebieten. Adolf II. betrachtete das eroberte und ihm zugesprochene Land als Kolonialland, in dem er eine echte Lehnherrschaft besser errichten konnte als in Holstein und Stormarn, wo noch die alte Gauverfassung und der sächsische Volksadel seiner Herrschaftsordnung Schranken setzten. Die verbliebene slawische Bevölkerung wurde in den Kätner- oder Insten-Stand herabgesetzt. Sie hatten keine Teilhabe am sächsischen Recht. Graf und Kirche schufen mit der Einführung der Grundherrschaft darüber hinaus feudale Rechtsverhältnisse, was später auf Stormarn und Holstein zurückwirkte. Denn Adolf setzte auch Angehörige des holsteinischen und stormarnischen Volksadels als Vasallen ein, die von hier aus die grundherrschaftlichen Muster in ihre Stammlande übertrugen. So bildeten sich eine gräfliche Lehnsmannschaft und dazu eine enge Verflechtung des höheren Klerus mit den Schauenburgern aus. (Bohn, S. 20)




Anmerkungen

  • (1) Übersetzung aus dem lateinischen Originaltext von B.Theilig und C. Nitsch
  • (2) Genauere Angaben hierzu in: Theilig, B., Die Heiligen-Geist-Kirche...
  • (3) Freytag, E., Schriften..., S.19; Theilig. B., Die 7 Epochen...
  • (4) Der gut recherchierte und sprachlich eindrucksvolle Roman "Die Abenteuer des Röde Orm" von Frans G. Bengtsson geben einen sehr lebendigen Eindruck der Wikingerwelt aus der Zeit Harald Blauzahns im 10. Jahrhundert. Ebenfalls empfehlenswert ist die 5-teilige Reihe des englischen Autors Bernard Cornwell "The Saxon Stories" über die englische Geschichte des 9. Jahrhunderts, deren erster Band "Das letzte Königreich" ist.


Literatur

  • Degn, Christian: Schleswig-Holstein - eine Landesgeschichte. Historischer Atlas, Neumünster 1994
  • Bohn, Robert: Geschichte Schleswig-Holsteins, München 2006
  • Klessmann, Eckart: Geschichte der Stadt Hamburg, Hamburg 1981
  • Lorenzen-Schmidt, Klaus-Joachim / Pelc, Ortwin (Hrsg.): Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster 2000
  • Theilig, Bernhard: Der Anfang Barmstedts. (Urkunde Adalberos...), in: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1980
  • Theilig, Bernhard: Die Heiligen-Geist-Kirche in Barmstedt und ihre Geschichte, in: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1980
  • Theilig, Bernhard: Die 7 Epochen in der Geschichte unserer engeren Heimat, in: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1999
  • Theilig, Bernhard: Die Geschichte der Schloßinsel Rantzau zu Barmstedt, in: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1987
  • Freytag, Erwin: Schriften des Vereins für schleswig-holsteinischen Kirchengeschichte 2./17.Band 1859/60

--MichaelTheilig 15:21, 25. Apr. 2012 (UTC)