Humburg-Haus: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 13. Februar 2015, 21:58 Uhr

Zur Geschichte des Hauses und der Familie Humburg

Das Humburghaus ca. 1920
Die Chemnitzstraße im Winter 1909, kurz bevor die Linde vor dem Humburghaus gefällt wurde
Humburg-Haus Stallungen Heuwagen ca 1970 St.jpg Luftbild aus den 70er Jahren. Nebenan befand sich die Polizeiwache



Der Hof von Süden gesehen mit der Streuobstwiese und dem Scheunengebäude davor, Foto von ca. 1985, die Scheune wurde abgerissen, dort befindet sich jetzt der Bauerngarten
Humburgs Wiesen 1970

Das Humburg-Haus, heute eines der ältesten Häuser der Stadt, wurde 1783 erbaut, wie es die Inschrift am Sturz der "Babendör" (Eingangstür zur Chemnitzstraße) zeigt. Es ist ein Zweiständerhaus und hatte früher eine durchlaufende Große Diele (Grootdeel) mit Lehmboden. An der Ostseite befand sich eine angebaute Schmiede, die der Großvater des letzten Bewohners 1882 abreißen ließ, weil er das traditionelle Handwerk der Humburgs nicht mehr ausübte. [Näheres zur Geschichte der Entstehungszeit]

Die Inschrift über der Eingangstür
Der letzte Bewohner des Hauses Hermann Humburg (1904-1988)
Der Stifter Dr. med Ernst Heinrich Humburg (1912-1999)
Vor der Kanalisierung der Krückau waren die Humburg-Wiesen und das Kirchenland oft überschwemmt
Eine alte Schmiede-Rechnung der Familie Humburg aus dem Jahre 1596

Durch Amtsbücher der Schauenburger und Rantzauer Grafen und ab 1669 durch Kirchenbücher lässt sich die Familie Humburg über 11 Generationen bis 1582 zurückverfolgen. Mindestens seit dem 16. Jahrhundert, genauer 1590, waren die Vorfahren Schmiede gewesen, wie eine alte Rechnung aus dem Jahre 1596 (s. unten rechts) von Harm Humborg an das "Haus Barmstede" zeigt. Hierin gibt er an, was die gräflich-schauenburgische Kasse des Amtes Barmstedt, dessen Sitz damals die Burg auf den Krückauinseln war, ihm für geleistete Schmiedearbeiten von Michaelis 1595 bis Ostern 1596 schuldete. Als Währung galt zu der Zeit die Lübsche Mark, von der eine 16 Schilling wert war. Ein Schilling hatte 12 Pfennige. Für die Schmiedearbeit von Michaelis bis Ostern, also für ein halbes Jahr, wurden acht Mark, zwei Schilling und sechs Pfennige berechnet. Das Original der Rechnung befindet sich im Privatarchiv der Schauenburger Grafen in Bückeburg.


Der Vater des letzten Bewohners übernahm 1903 das Haus und baute es zu einem reinen "Ackerbürger"-Haus mitten in der Stadt um. Durch die breite "Babendör" konnten Ackerwagen in die Diele fahren und hinten aus dem Viehstall (Trog) durch das noch heute vorhandene Tor wieder hinaus. Ackerbau wurde jedoch bis zuletzt nur für den Eigenbedarf betrieben. Der Hof hatte für seine Kühe eine angrenzende große, meist etwas sumpfige und oft überschwemmte Wiesenfläche, die bis zu den Windungen der Krückau reichte. Vor dem Haus stand bis zum 15.03.1909 eine doppelkronige Linde (s. Bild). Nach ihr wurde der gegenüber liegende Gasthof "Zur Linde" benannt.

Etwa 1940 wurde vorn links eine Brandmauer eingezogen, so dass das Fachwerk nur im Vordergiebel erhalten blieb. Außerdem musste die große "Babendör" für die heutige schmale Eingangstür Platz machen.

Der letzte Bewohner der Hauses war der Bruder des Stifters, Hermann Humburg (1904-1988). Er war ein sehr beliebter, immer freundlicher Nachbar, der alle kannte und seine Milchkannen noch selbst mit dem Fahrrad zur Meierei brachte.


Nach dem Tod seines Bruder übertrug der in Hamburg lebende Dr. med. Ernst-Heinrich Humburg (1912-1999) am 26.05.1989 im Wege einer fiduziarischen Schenkung Haus und Grundstück auf die Stadt Barmstedt. Danach wurde das historische Gebäude zunächst aufwändig renoviert und restauriert. Das Wirtschaftsgebäude wurde abgerissen und die Fläche zusammen mit dem Hof in einen idyllischen dörflichen Platz mit Bauerngarten, Streuobstgarten und Wiesen verwandelt. Den klassischen und viel beachteten Bauerngarten legte Dr. Humburg noch selbst an. Er ging dort bis zu seinem Tod mit Anpflanzungen und Pflege sehr oft seinem Hobby nach.

In die Umgestaltung wurde auch die südlich angrenzende Fläche einbezogen, die jahrhundertelang eine sumpfige Auenlandschaft gewesen war, häufig überflutet, wenn der Müller im Winterhalbjahr von seinem Staurecht Gebrauch machte. Die dort mäandrierende Krückau wurde ab 1933 im Zuge einer Flurbereinigungsmaßnahme vom Reichsarbeitsdienst kanalisiert und die Wiesen trockengelegt.. Diese groß angelegte Maßnahme war von der Stadt schon länger geplant worden und führte zu einer völligen Umgestaltung des Krückaubettes im Barmstedter Stadtgebiet, u.a. auch zur Entstehung des Rantzauer Sees. Zunächst wurden hierfür freiwillige Arbeitslose über die Arbeitsämter geworben, ab 1935 waren es dann aber zum Reichsarbeitsdienst zwangsverpflichtete junge Männer, die dort im Sinne des Nationalsozialismus auch eine vormilitärische Volksgemeinschafts- und Arbeitserziehung erhielten, bevor sie zur Wehrmacht eingezogen wurden.


Aus den seit der Umgestaltung von 1933-35 zum Hof gehörenden Wiesen und den früher dahinter befindlichen Schrebergärten machte die Stadt Barmstedt 1991/92 den "Krückaupark", eine wasserdurchzogene Naturlandschaft, die sich als Auwald (fast) ohne menschlichen Eingriff entwickeln kann. Die ursprünglich geplante, allerdings umstrittene, Remäandrierung der Krückau ließ sich nicht finanzieren.

Die Verwaltung des Hauses übernahm ein am 21.03.1992 von Dr.Ernst Heinrich Humburg gegründeter Verein, der durch die Satzung verpflichtet wurde, die Einhaltung der Auflagen durch die Stadt Barmstedt aus dem Schenkungsvertrag sowie aus den mit der Stadt geschlossenen Verträgen zu überwachen. Damit wird sichergestellt, dass dieses Kleinod nach dem Willen des Stifters für Barmstedt noch lange erhalten und genutzt werden kann. Die Verwaltung obliegt also der Stadt.

Das Haus soll laut Schenkungsvertrag auschließlich öffentlich genutzt werden und ist deshalb heute für die Bürger und Vereine der Stadt ein wichtiger Treffpunkt, an dem Privatfeiern, Vereinssitzungen und Kultur-Veranstaltungen stattfinden.

Fast immer ausverkauft sind die hochkarätigen Musik-, Literatur- oder Kabarettveranstaltungen des Barmstedter Kulturvereins "Pfiff", der hier wegen der urigen Atmosphäre seine wichtigste Spielstätte hat.


[zurück zur Chemnitzstraße]




Quellen

  • 850 Jahre Barmsted, hg. von der Stadt Barmstedt 1990
  • Archiv Peter Steenbuck
  • Ausstellung und Bilder im Humburg-Haus (Utlucht, Eingangsbereich)
  • Barmstedter Zeitung
  • Barmstedt - geschichtliche Schau, Hans Dössel, hg. von der Stadt Barmstedt 1988

Verfasser: Andreas Lenz, Michael Theilig, Peter Steenbuck