Die Ritter von Barmstede und das Hochmittelalter

Aus Barmstedt-Geschichte
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Barmstedt als "Hof" und "Kirchspiel" in der Urkunde des Erzbischofs Adalbero (1140)

Schenkungsurkunde des Adalbero
Karte mit den Orten der Urkunde(1)

Barmstedts erste Erwähnung: 1140 wurde nach der endgültigen Vernichtung der Abodritenfürstentümer der Slawen (Wagrier und Polaben) in Ostholstein und dem Ratzeburger Gebiet das Hamburger Domkapitel durch Adalbero (Adalbert II.), den Erzbischof von Bremen, wiederhergestellt. In einer erhaltenen Urkunde von Erzbischof Hartwig, dem Nachfolger Adalberos, wird dessen Privilegerteilung an die Hamburgische Kirche bestätigt. Die Hamburger erhielten dadurch verschiedene Einnahmen und Rechte in Stormarner, Holsteiner und Dithmarscher Kirchspielen, u.a. wurden „der Hof (curtis) in Eppenthorp, der Hof in Reinlage (Rellingen) und der Hof in Barmitste mit allem Zubehör, Äckern, Handdiensten, Wiesen, Grundbesitzen, Wäldern, Weiden, Gewässern, Mühlen, den Zehnten und allen übrigen Nutzungen, die zu den Steuern ihrer Präbenden gehören … und den ganzen Zehnten von jeder der beiden Parochien (Kirchspiele), nämlich von Ethelingstede, Barmetstede übereignet.“ Urkunde des Adalbero Barmstedt, das durch seine Lage an der Krückau an der Grenze der alten sächsischen Gaue Stormarn und Holstein liegt, wird hier mit den Begrifflichkeiten curtis (Hof) und parochie (Kirchspiel] erwähnt. Curtis bezeichnet im mittelalterlichen Latein einen befestigten Wirtschaftshof, Gutshof oder Fronhof, auch Gerichtshof. Es handelt sich demnach um einen größeren Hof und eine Siedlung. Aus dem Begriff parochie, zu deutsch Kirchspiel (kerspel) lässt sich ableiten, dass die Siedlung eine Kirche besaß. Der Standort dieser Kirche lässt sich zweifelsfrei klären, da Ausgrabungen im Jahre 1968 die Grundmauern der alten romanischen St. Margarethen-Kirche zu Tage förderten, und zwar unterhalb des Fußbodens der jetztigen Heiligen-Geist-Kirche. Barmstedt gehört damit zu den ältesten Kirchspielen Stormarns und Holsteins. Wann sie allerdings erbaut wurde, bleibt ungewiss.

Ob der Hof sich in der Nähe der Siedlung oder - was näher liegt - bei der wahrscheinlich auf den Krückauinseln gelegenen - in den Quellen aus dieser Zeit aber nicht erwähnten - Burg gelegen hat, ist nicht klar. (Genaueres bei: Theilig 1980) Man kann aber sicherlich davon ausgehen, dass mit den erwähnten Mühlen die Wassermühle am heutigen Standort bei den Krückauinseln und möglicherweise die in Elmshorn gemeint sind. Die in der Urkunde erwähnten Orte in Holstein, Stormarn und Dithmarschen wurden vom Barmstedter Heimatforscher Hans Dössel folgendermaßen lokalisiert: Eppenthorp = Eppendorf, Reinlage = Rellingen, Barmetstede = Barmstedt, Milethorp = Meldorf, Wittingstede = Weddingstedt, Bivsne = Büsum, Uthaven bei Brunsbüttel, Herstide Süd bi Nordhastedt, Nienbole bei Glückstadt, Midlestorpe bei Herzhorn, Myrne = Marne, Versenflete bei Lunden, Volquardewort = Volkswurth, Berlette = Barlt, Quiderne = Kuden, Hane = Hanerau, Otteshude = Sude, Ennege = Innien, Bunzing = Bünzen, Bervelde = Bargfeld, Buzeberge(?), Quidenberge am Kudensee, Ethelingstede = Tellingstedt, Hotflete bei Stade, Ethelekeswisch= Eddelak.

Herkunft des Namen Barmitste/Barmetstede/de Barmizstide/de Barmstide/Barmetstede/de Barmestide/Barmstedt: Alt- und mittelhochdeutsch bedeutete "barm" Schoß, also sichere, durch Wald, Wasser oder Sumpf geschützte Siedlungsstätte. Eventuell auch Wohnstätte bei einer Anhäufung oder Erhebung. Der Bestandteil "-stedt" ist bei sächsischen Siedlungen häufig und bedeutete Wohnstätte.

Die St. Margarethenkirche in Barmstedt


Die romanische Kirche hier innerhalb des Grundrisses der neuen Kirche von 1718

Die Abbildung entstand aufgrund der Grabungen von 1968, als der Innenraum der Kirche grundlegend überholt und modernisiert wurde. Beim Herausnehmen des alten Fußbodens wurden die Grundmauern der Vorgängerkirche sowie drei Gruften aus dem 18. Jahrhundert sichtbar und vom Landesdenkmalamt untersucht. In der Zeichnung sind die Grundmauern der romanischen Kirche innerhalb des Grundrisses der neuen Kirche von 1718 dargestellt.

St.Margaretenkirche nach [1]Daniel Frese von 1588

Über den genauen Entstehungszeitpunkt der Barmstedter Kirche gibt es nur Mutmaßungen. Sicher ist ihre Existenz um 1140 erst durch die obige Urkunde belegt. Manche Heimatforscher haben ihre Gründung in das Jahr 936 gelegt. Beweise fehlen allerdings. 1968 konnten die Grundmauern der alten St. Margarethenkirche einwandfei ermittelt werden. Es handelt sich um eine typisch romanische Kirche mit Gemeindeteil, dem "Schiff", und Altarraum, dem "Chor", verbunden durch einen Chorbogen. Das Schiff maß 6,40 x 13,70 m, der Chor 5,30 x 8 m. Die Breite des Schiffs entsprach dem Zwischenraum zwischen der heutigen Nord- und Südempore, deren Pfosten auf den Grundmauern stehen. Der Chor reichte vom heutigen Quergang bis zum Kanzelaufgang. Ursprünglich (Zeicnhung A) endete der Chor in einer halbrunden Apsis, die dann später (Zeichnung B) durch eine gerade Ostmauer ersetzt worden ist. Der älteste Fußboden lag einen Meter tiefer und war mit Kopfsteinen gepflastert. Die Mauern waren im Gipsgussverfahren errichtet. Diese alte Kirche war nach einem Brand im Kaiserlichen Krieg 1627 abgebrannt und notdürftig wieder aufgebaut worden und hatte erst 1682 ihre erste Orgel erhalten. Sie hatte nur 130 qm Grundfläche (heute 420) und war über viele Jahrhunderte der Mittelpunkt einer großen Gemeinde. Denn zum Urkirchspiel Barmstedt gehörte z. B. auch Elmshorn, das Mitte des 14. Jahrhunderts abgetrennt wurde, und Hörnerkirchen bis 1752. In die neue Kirche von 1718 sind Turm und Westmauer der alten St. Margarethenkirche einbezogen worden, inzwischen allerdings mehrere Male überarbeitet bzw. ummantelt. Ausführliche Darstellung zur Geschichte der Kirche



Siegesburg auf dem Kalkberg 1142 neu erbaut
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Nach der Eroberung und zur Konsolidierung seiner Herrschaft in Wagrien ließ Adolf II. die Siegesburg auf dem Kalkberg 1142 wieder aufbauen. Sie war ursprünglich schon im 12. Jahrhundert vom dänischen Herzog Knud Laward gegründet worden, dann vom ersten Schauenburger, Adolf I., zerstört und unter Kaiser Lothar 1134 als strategische Position gegen die Wenden wiederaufgebaut worden, dann aber abgebrannt. Eine weitere und in der Folge sehr viel wichtigere Gründung war 1143 Burg und Stadt Lübeke, die bald wegen ihrer Lage in Ostseenähe und der Eroberung, Christianisierung und Befriedung Wagriens und Polabiens sehr erfolgreich Kaufleute anzog. 100 Jahre später wurde sie dann zum Ausgangspunkt der Ostwanderung deutscher Kaufleute in das Ostseegebiet.


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Heinrich der Löwe, der neue, noch sehr junge, mächtige Herzog von Sachsen, der 1152 auch die Wahl seines Cousins Friedrich Barbarossa zum deutschen König und Kaiser unterstützte und von ihm dafür 1156 mit Bayern belehnt wurde, förderte mit Hilfe des Missionars Vizelin die Christianisierung im eigenen nordelbischen Gebiet und die planmäßige Entwicklung seiner eigenen Gebiete. Lübeck bedrohte dabei seine handelspolitischen Ziele im Ostsee-Nordsee-Handel, die er mit seiner eigenen Stadt Bardowick verfolgte. Deshalb bemühte er sich bald darum, Adolf II. das gerade gegründete Lübeck zu entreißen. U. a. bestand seine „Überzeugungspolitik“ darin, Lübeck die Marktrechte zu entziehen und die lukrativen Salzquellen in Oldesloe, die in Konkurrenz zu seinem Lüneburg standen, zu verstopfen. 1159 händigte ihm Adolf II. Lübeck aus. Gotländische und andere nordeuropäische Kaufleute erhielten jetzt Handelsprivilegien und der Bischofssitz für Wagrien wurde schon 1160 von Oldenburg dorthin verlegt. Auf ähnliche Art gründete er in Bayern 1157 die Stadt München.


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Von 1147 bis 1149 fand der Zweite Kreuzzug gegen die nach wie vor bestehende islamische Herrschaft im vorderasiatischen Raum statt. Zwar war nach dem ersten Kreuzzug und der Errichtung christlicher Königreiche der Handel mit den begehrten Gewürzen und Handelswaren aus Asien im Mittelmeerraum jetzt unter die Kontrolle der Seestädte Venedig und Genua gekommen, die Bedrohung dieser Staaten durch muslimische Fürsten bestand aber weiterhin. Unter Führung von Kaiser Konrad III. und König Ludwig VII. von Frankreich scheiterte dieser aber schon in Kleinasien an den überlegenen Seldschuken.

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Der mit ähnlicher religiöser Begründung 1147, also gleichzeitig, geführte Wendenkreuzzug genannte nächste Eroberungskrieg gegen die Slawen, diesmal gegen die Elbslawen (Wenden) zwischen Elbe, Trave und Oder im heutigen Mecklenburg verlief für die christlichen Heere dagegen erfolgreich. An ihm nahmen sächsische, dänische und polnische Heere unter der Führung u. a. von Heinrich dem Löwen, seinem unterlegenen Rivalen um das Herzogtum Sachsen, Albrecht dem Bären (auch Eroberer der Mark Brandenburg), Graf Adolf II. und Erzbischof Adalbero von Bremen und Hamburg teil. Der Aufruf zu diesem Feldzug – von Bernhard von Clairvaux verfasst – hatte seine Ursachen neben ideellen und religiösen Gründen in einem gesteigerten Siedlungsbedürfnis wegen zunehmender Bevölkerungszahl, „Landnahme“-Chancen – also der Aussicht auf Reichtum und Herrschaftsausdehnung sowie in bisherigen Misserfolgen bei der nachhaltigen Christianisierung der Wenden.

Mit Adolf II. mussten auch die holsteinischen und stormarnischen Gefolgsleute – wohl auch aus Barmstedt – ziehen. Der Graf spielte jedoch eine widersprüchliche Rolle. Denn er hatte wegen seiner Siedlungen im wendischen Gebiet ein Bündnis mit dem mecklenburgischen Abodritenfürsten Niklot geschlossen, musste aber als Lehnsmann mit Heinrich ziehen. Niklot blieben die Angriffsvorbereitungen nicht verborgen und er machte einen Präventivangriff gegen Lübeck und die umliegenden sächsischen Siedlungen, was dem Kreuuzugsaufruf neue Nahrung gab. Der Feldzug konnte jetzt gegen das gesamte Wendengebiet beginnen, die unterlegenen Slawen beriefen sich in der Hoffnung auf Verschonung dabei auf ihr von den Sachsen angezweifeltes Christentum. Der Kreuzzug endet dann entsprechend nicht mit der totalen Unterwerfung, sondern mit formaler Christianisierung und einem Machtanspruch Heinrichs und Albrechts gegenüber den Slawen. In der Folge wurden die Bistümer Havelberg, Brandenburg, Oldenburg und Mecklenburg wiederhergestellt, neue eingerichtet, Klöster und Kirchen gegründet. Heidnische Heiligtümer wurden zerstört, die Slawen mussten von jetzt an Messen besuchen.

Die inzwischen in Machtgebaren und Prunk von weltlicher Herrschaft kaum noch zu unterscheidende päpstliche Kirche erhielt in dieser Zeit in den Katharern, einer großen religiösen Laienbewegung, eine mächtige Opposition. Sie breitete sich in Südfrankreich und Oberitalien schnell aus, später auch im Rheinland (1143 Köln), Österreich, Spanien, England und Skandinavien. Von Norddeutschland ist hier nichts bekannt. Die römische Kirche ging bald gegen diesen inneren Feind vor und vernichtete diese Bewegung bis 1310 mit brutaler Gewalt. Bis 1227 wurden im Albigenserkreuzzug die adligen Katharer in Südfrankreich militärisch geschlagen und nach flächendeckender Einführung des Inquisitionsverfahrens deren letzte Festung 1243/1244 Montségur eingenommen, die Überlebenden verbrannt. Das Gleiche geschah 1276 in Sirmione am Gardasee. Hier wurden die Überlebenden in der Arena des nahegelegenen Verona verbrannt.

Ende des 12. Jahrhunderts entstand ebenfalls in Südfrankreich die Bewegung der Waldenser als Gemeinschaft religiöser Laien. Sie wurden ebenso wie die Katharer von der Kirche als Häretiker verfolgt und oft mit Ketzern, Hexen, Zauberern gleichgesetzt.



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Die Ritter von Barmstede ab 1149

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Die Familie der Barmstedes tritt in Urkunden zum ersten Mal in der Person des Heinricus advocatus de Barmizstide im Jahr 1149 auf. Als Vasall Adolfs II. wird dieser Heinrich I. von Barmstede in einer Urkunde des sächsischen Herzogs Heinrich der Löwe als Zeuge aufgeführt. (3) Er war zu dieser Zeit gräflich schauenburgischer Vogt des Ortes und des Kirchspiels Barmstedt (Neuschäffer, S. 2) oder nach anderen Quellen des Domkapitels Hamburg. Die Herkunft der Familie ist unbekannt, sie gehören aber mit wenigen anderen ritterschaftlichen Familien in der Mitte des 12. Jahrhunderts zum alteingesessenen Landadel (Domini, Nobiles, Edelfreie) mit großem Grundbesitz in Stormarn (Barmstedt, Elmeshorn, Uetersen) und in Dithmarschen und sind Gefolgsleute und Ratgeber der Schauenburger Grafen. Da sie auch bei der Aufstellung des Heerbannes mitgewirkt haben, wird Heinrich mit seinen Knappen am Wendenkreuzzug teilgenommen haben. Sie sind teils verschwägert mit den Overboden, den Vorsitzenden der Gaugerichte und Heerführer. Gleichzeitig sind sie als Advocati im Dienst des Erzbistums Bremen und verwalten für ihr Gebiet deren Grundbesitz - also u. a. die "curtis in Barmitste" - und die Einkünfte - u. a. den Zehnten des Barmstedter Kirchspiels - für das Domkapitel in Hamburg. Die Barmstedes sind also mächtige Grundherren und prägen ebenso die Gegend wie die Grafen, Erzbischöfe und das Domkapitel. Sie haben möglicherweise die Burg auf der heutigen Schlossinsel angelegt und mindestens eine weitere beim heutigen Uetersen. Dankwerth schreibt in seiner "Landesbeschreibung" aus dem Jahre 1652 über das Haus Barmstedt auf den Krückauinseln: "Dieser Hoff oder das Gebäw so annitzo stehet ist Anno 1270 von Graff Otto zu Schawenburg ... erbaut worden." Nach Meinung des Landeskonservators Richard Haupt entstand es in dem Zustand von 1650 aber erst im 16. Jahrhundert. Über die erste Bebauung gibt es also nur Mutmaßungen.

Da die Bischöfe gleichzeitig Territorialfürsten in den Elbmarschen und Dithmarschen waren, die Ritter dort aber auch Grundbesitz hatten, kommt es zwischen den beiden Polen - Gefolgschaft gegenüber den Grafen vs. Lehnspflicht gegenüber den Bischöfen - mitunter zu Spannungen bis zu Fehden (1259 und 1282). Die Barmstedes hatten Grundbesitz in Glinde, Uetersen, Asseburch, Öllerloh, Osterbruk, Murla, Lohe, Clinge, Bauland, Barmstedt, Horst, Krempe, Grevenkop, Rellingen, Gorieswerder, Haselau, Willenscharen, Appen, Bunbüttel, Haale, Blomendale, Mönkerecht, Evenwisch, Hainholz.

Krückauinseln mit Burg
Rekonstruktionszeichnung der Motte Berlinghausen nach W.Poguntke

Zwar ist ihr Stammsitz nicht dokumentiert. Es wird aber meist angenommen, dass sie oberhalb des heutigen Mühlenstaus, dessen genaue Entstehung bisher nicht geklärt ist, eine Wasserburg auf den drei Krückauinseln (heutige Schlossinsel Rantzau) besaßen, da die Insellage innerhalb des Sumpfgebiets der mäandrierenden Krückau gute Verteidigungsmöglichkeiten bot. Unklar ist bisher, ob hier auch der Hof Barmstedt zu verorten ist. Nach Hirschfeld (S.4) war der Ausdruck "curia" im 13. Jahrhundert die Bezeichnung für einen ritterlichen Hof als Typus zwischen einer ritterlichen Burg ("castrum") und Bauernhof, der immerhin durch Umwallung geschützt war. Die Übergänge seien aber fließend gewesen und hätten sich der jeweiligen Landschaftsform angepasst. Die Höfe hätten in oder neben Dörfern gelegen, die Burgen aber abseits vom normalen Siedlungsplatz in Niederungen als Sicherung gegen Überfälle. Als Bauform der Burgen des 12. und 13. Jahrhunderts wird heute meist die Turmhügelburg (Motte) vermutet, wie sie als experimenteller Wiederaufbau in Lütjenburg neu entstanden ist. Da es keine gewachsenen Felsabbaugebiete in der norddeutschen Tiefebene gibt, waren die Wohn- und Verteidigungsbauten nicht wie im Rheinland aus Stein, sondern fast ausschließlich aus Holz gebaut, das - sofern nicht besondere Bedingungen vorliegen - inzwischen vollständig verschwunden ist. Reste solcher Burgen sind deshalb nur nachgewiesen worden, wenn der Bauplatz nicht wiederverwendet wurde und Wall- oder andere Bodenformationen übrig blieben. Eine solche Fundstelle gibt es oberhalb von Barmstedt, wo nachgewiesen wurde, dass sich am Ufer der Krückau eine Turmhügelburg bei Langeln befunden haben muss. Die Barmstedter Burg in der Krückau wurde jedenfalls später durch ein Schloss überbaut. Möglicherweise gab es mehrere solcher Burgen in unserem Gebiet. Die Barmstedes selbst besaßen nachweislich eine Burg (castrum) in Uetersen, deren Standort nach der Klostergründung verlegt wurde.

Ob es zur damaligen Zeit bereits eine Mühle gegeben hat, ist nicht bekannt. Wassermühlen allerdings wurden damals mit teils großem Aufwand angelegt. Für Hamburg, die zentrale Stadt und Burg der Grafschaft Stormarn ist beispielsweise dokumentiert, dass dort 1189 ein Damm durch die Alster gebaut wurde, um eine Kornmühle zu betreiben. Sie wurde an einen Müller verpachtet, der dafür einen Teil an die gräfliche Kasse weiterzugeben hatte.

Ob der Name "von Barmstede" aus dem Ortsnamen abgeleitet ist oder anders herum, die Ritter dem Ort den Namen gaben - wie z.B. auf der Wikipedia-Seite vermutet wird - ist nicht zweifelsfrei geklärt. 1175 wird Wilbrandus de Barmstede in einer Urkunde Heinrichs des Löwen genannt. 1190 werden Borchardus,Heinricus, Marquardus, Lambertus, fratres de Barmstede, genannt in Urkunden des Grafen Albrecht von Orlamünde. 1190 hielt Heinrich II. urkundlich als Heinricus de Barmstede als Landgerichtsrat mit Albrecht von Orlamünde Gericht in Kellinghusen, 1202-1228, in der Zeit der dänischen Herrschaft unter Albrecht von Orlamünde, wird er als nobilis erwähnt, 1216 ist er als Zeuge einer Urkunde über ein Lehen Albrechts am Selenter See genannt. 100 Jahre nach ihrer ersten Erwähnung, im Jahre 1257, begeben sie sich in die Ministerialität, werden damit Dienstmannen des Erzbischofs unter Verzicht auf Adel und Freiheit, erhalten dafür aber das Gut Haseldorf.




Ritter - Illustration Codex Manesse
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Graf Adolf II. nahm im Heer Heinrichs des Löwen 1159 mit seiner Gefolgschaft (Barmstedes und Mannschaft?) teil am Zug Barbarossas, also Friedrichs I., nach Italien. 5 Jahre später, im Jahre 1164, wurde er in einem erneuten Feldzug Heinrichs des Löwen gegen die Abodriten in der Schlacht bei Verchen getötet. Sein Sohn Adolf III. folgte ihm in seiner Herrschaft. Als sich Heinrich der Löwe 1176 weigerte, Barbarossa militärisch gegen die lombardischen Städte zu unterstützen, erlitt dieser eine Niederlage, konnte aber schließlich einen Friedensschluss mit dem Papst erreichen. Heinrich der Löwe, der seine Lehnspflicht gegenüber dem Kaiser verletzt hatte, verlor daraufhin seine Herzogtümer und ging 1180 nach Südengland ins Exil und starb 1195 in Braunschweig. Graf Adolf III. (-1203), der sich in den Auseinandersetzungen zwischen Barbarossa und Heinrich dem Löwen für die Seite des Kaisers entschieden hatte, behielt seine Rechte. Barbarossa überlebte wiederum den dritten Kreuzzug nicht. 1189 war er bereits auf dem Hinweg ertrunken, als er ein Kreuzfahrerheer zusammen mit Philipp II. von Frankreich, Richard I. (Löwenherz) von England gegen Jerusalem führen wollte, das gerade von Saladin erobert worden war. Die Kreuzfahrer konnten jedoch nur Akkon zurück erobern.

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Barbarossas Nachfolger, Heinrich VI., konnte 1184 die Vereinigung des Heiligen Römischen Reichs mit dem süditalienischen Normannenreich (Sizilien) erreichen. Durch die Gefangennahme von Richard Löwenherz 1192, als der wegen Thronstreitigkeiten mit seinem Bruder Johann unerkannt nach England zu kommen versuchte, konnte er vorübergehend die Lehnsabhängigkeit Englands und gleichzeitig die Schwächung der Fürstenopposition im eigenen Reich erreichen. 1197 wollte er einen neuen Kreuzzug, den "Deutschen Kreuzzug" durchführen, verstarb aber vorher 31-jährig an Malaria. Der Kreuzzug selbst führte zur Eroberung des Küstenstreifens von Tyrus bis Tripolis. Nach dem Tod Heinrichs 1198 folgte ihm Philipp von Schwaben (Staufer, jüngster Sohn Barbarossas) (1177-1208) als römisch-deutscher König.

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Holstein als dänisches Lehen (1202-1227)

Kirche in Stellau von 1201

Die Entmachtung Heinrichs des Löwen im Jahr 1180 hatte im Norden des Reichs zunächst ein Machtvakuum zur Folge, das sich die dänischen Könige allerdings schnell zunutze machen konnte. Heinrich hatte zur Zeit seiner Herrschaft in einem komplizierten machtpolitischen Spiel erst die Wenden in Mecklenburg zu Raubzügen gegen die dänischen Küsten ermuntert, dann aber 1171 einen Frieden mit König Waldemar geschlossen. Als die Reichsacht über Heinrich verhängt wurde, half Waldemar dem Kaiser bei der Besetzung Lübecks. 1187 folgte als König in Dänemark Knut VI., der sich aufgrund der neuen Lage weigerte, dem Kaiser den Lehnseid zu schwören, was eine Verletzung der Pflicht war, die der deutsche König Lothar 1131 gegen den Dänen Niels in einem Krieg durchgesetzt hatte. In neuen Kriegen setzte er seine Lehnshoheit in Pommern durch und baute seine Macht in Finnland und Estland aus und griff Lübeck und Holstein an. Waldemar II. führte nach dem Tod seines Bruders Knut dessen Strategie fort und griff die holsteinische Grafschaft an.

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Er gewann 1202 in der Schlacht bei Stellau gegen Adolf III. von Schauenburg-Holstein, der nach Hamburg flüchten konnte, aber nach einer Belagerung gefangen genommen wurde. Im Tausch gegen seine Freilassung verzichtete er auf die Grafschaft (Holstein, Wagrien und Ratzeburg) und zog sich in seine Stammgrafschaft Schauenburg zurück, wo er 1225, sozusagen im Exil, starb. Holstein wurde daraufhin 1203 dänisches Lehen. Die Regierung gab Waldemar II. seinem Neffen Albrecht von Orlamünde.

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Im Reich war es nach dem Tod von Heinrich VI. zu erneuten Thronstreitigkeiten zwischen Otto IV.(Welfe) und Philipp von Schwaben (Staufer) gekommen. 1208 wurde Letzterer ermordet und als neuer König und Kaiser 1209 Otto IV. gekrönt. Schon 1211 wählten die Reichsfürsten Friedrich II. zum "anderen römisch-deutschen König". Er wurde einer der bedeutendsten Kaiser des Mittelalters, war hochgebildet, sprach mehrere Sprachen, zeigte Interesse am Islam, verfolgte aber gleichzeitig Häretiker. Aufgewachsen in Sizilien, zog er 1212 nach Deutschland gegen Otto, der in Bouvines, einer Entscheidungsschlacht zwischen England und Frankreich, starb, so dass Friedrich jetzt unumstritten König war. Er zeigte allerdings wenig Interesse an den Angelegenheiten des Nordens. Der Dänenkönig Waldemar erhielt durch Friedrich II. 1214 in einer Urkunde verbrieft "alles Land jenseits der Elbe, das zum Römischen Reich deutscher Nation gehörte, und dazu alles Wendenland, das von Waldemars Vorgänger erobert worden war." (Degn, S.55) Gleich nach der Krönung Friedrichs II. zum Kaiser wurde sein Sohn Heinrich (VII.) 1220 zum römisch-deutschen König gewählt. Friedrich zog zurück nach Sizilien, die Regierung des Reichs lag wegen der Minderjährigkeit Heinrichs bei Reichsverwesern. Holstein war jetzt - inclusive Lübeck und Hamburg - dänisches Lehen geworden.

Waldemar II., der jetzt den Beinamen "der Sieger" erhalten hatte, setzte seine Politik der Beherrschung der Ostsee fort. Durch Unterstützung des Schwertritterordens und Gründung der Stadt Reval (Dänenburg) sowie in einer siegreichen Entscheidungsschlacht (bei der der Danebrog vom Himmel gefallen sein soll) konnte die dänische Machtstellung ausgebaut werden.

Sein Stern geriet aber ins Sinken, als er 1214 auf einer dänischen Insel bei der Jagd zusammen mit seinem Sohn vom mecklenburgischen Grafen von Schwerin gefangengenommen und in der Burg Dannenberg festgesetzt wurde. Die über 10-jährigen Verhandlungen zu seiner Freilassung, an denen Albrecht von Orlamünde und Vertreter des Deutschen Reichs beteiligt waren, scheiterten jedoch.

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