Die Rantzauer Wassermühle

Aus Barmstedt-Geschichte
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Eine Mühle bei Barmstedt - wahrscheinlich die Wassermühle - wurde 1140 erstmalig in einer Schenkungsurkunde des Bremer Erzbischofs erwähnt. Es wird angenommen, dass sie schon bei der Anlage der Burg auf den Krückauinseln in der Zeit der Ritter von Barmstede existierte. Als eine zum Hof gehörige Mühle wurde sie dann in Schauenburgischer Zeit im Jahr 1582 benannt. Ein genaues Gründungsdatum der Mühle ist zwar nicht bekannt, durch den Fund eines Mühlenpfeilers kann das Gründungsdatum jedoch auf mindestens 1210 geschätzt werden. Die Wassermühle wurde seit ihrer Gründung jedoch häufig neu- bzw. wieder aufgebaut, da eine Mühle auf Grund der aufeinander sto­ßenden Mühlsteine in einem hölzernen Gebäude häufig Feuer fing oder abnutzte. Aus diesen Gründen hatte eine Mühle nur eine „Lebensdauer“ von jeweils ca. 50 Jahren bis zum nächsten Aufbau.

Geschichte der Wassermühle

Die Wassermühle im Mittelalter

Schon im Mittelalter war die Wassermühle eine wichtige Einnahmequelle für Ritter und Fürsten. Zunächst gehörte sie als Teil des Hofs (curtis) Barmitste (Barmstedt) dem Domkapitel in Hamburg, dann wahrscheinlich den Rittern von Barmstede, ab 1320 den Grafen von Schauenburg und von 1650 bis 1723 den Grafen zu Rantzau. Danach war sie bis 1863 im königlich-dänischen Besitz, allerdings ab 1780 an die Familie Bornholdt verpachtet. Da das Mühlenwesen lange Zeit ein Staatsmonopol war, gab es einen Mühlenzwang, welcher besagte, dass jede Mühle ihr eigenes Einzugsgebiet hatte und ein Bauer aus jenem Einzugsgebiet nur bei seiner Zwangsmühle Getreide mahlen lassen durfte, außer­dem hatte die Zwangsmühle ein Vorrecht auf den alleinigen Mehlverkauf. Dadurch gab es für die Rantzauer Wassermühle über Jahrhunderte hinweg keinen Wettbewerb.

Rantzauer Wassermühle 1850. Quelle: Archiv Steenbuck.

Dies war eine der Hürden auf dem Weg zur Industrialisierung im Mühlenwesen von Barmstedt, da es durch die Monopolstellung im Einzugsgebiet und gleichbleibende Einnahmen keinen wesentlichen Grund zu einer Verbesserung der Mahltechnik gab. Erst durch die Verpachtung der Mühle an die Familie Bornholdt im Jahr 1780 kam es zu ersten wesentlichen Veränderungen. Familie Bornholdt forderte eine Erweiterung der Rantzauer Wassermühle in Form einer Windmühle. Dies wurde ihnen gestattet und somit entstand eine holländische Windmühle auf dem heutigen „Großen Kamp“, die ab dem 1. Mai 1843 in Betrieb genommen wurde. Diese wurde jedoch schon vier Jahre später wieder abgebaut, um einige Teile für den Umbau der Wassermühlen­räder verwenden zu können. Durch diesen Umbau konnte die Wasserkraft besser genutzt werden, sodass bei jedem Mahlgang Wasser gespart werden konnte.

Abschaffung des Mühlenzwangs

1854 wurde der Mühlenzwang im ganzen dänischen Reich abgeschafft. Dies war ein Tiefpunkt für die Rantzauer Mühle, da viele Bauern zur Elmshorner Mühle abwan­derten, jedoch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Industrialisierung. Durch die Ab­schaffung des Mühlenzwangs war wieder ein Wettbewerb vorhanden, was Neue­rungen und Verbesserungen antrieb. Im Jahr 1863 wurde die alte Wassermühle aus Platzgründen abgerissen und mit zwei hintereinander laufenden, zunächst unterschlächtigen Wasserrädern wieder aufgebaut. Kurze Zeit später wurde sie zu einer oberschlächtigen Mühle umgebaut, was bedeutet, dass das Wasser von oben auf die Mühlräder geführt wurde. Sie wurde damit bis heute die einzige Wassermühle in Schleswig-Holstein, die zwei hintereinander laufende Räder besaß.

Zeit der Industrialisierung

Nach der Annektion Holsteins durch Preußen galt auch hier ab 1867 die Gewerbefreiheit. Dadurch kam es außerdem zur Auflösung der Zünfte. Diese Zeit gilt als Beginn der Industrialisierung in Barmstedt. Auch für die Rantzauer Wassermühle war dies ein bedeutender Schritt. Durch die Auflösung der Zünfte kam es zu einem gewaltigen Aufschwung der Schweinezucht in Schles­wig-Holstein. Davon profitierten die Mühlenbesitzer, da die Tiere mit Getreidebrei gemäs­tet wurden. Durch die wachsende Nachfrage wurde die Abhängigkeit vom Wasser der Krückau ein Problem. Auf Dauer war für den Mühlenbetrieb zu wenig Wasser vorhanden, da es im Sommer häufig zu wenig Regen gab und der Bach im Winter zufror.

Rantzauer Wassermühle 1917. Quelle: Archiv Steenbuck.

Als Dietrich Mohr 1900 die Wassermühle erwarb, war dies der ausschlaggebende Grund für den Einbau einer Dampfmaschine im Jahr 1903. So war die Wassermühle vom Wasser unabhängiger. Ab 1915 wurde die Dampfkraft durch Elektrizität abgelöst.

Der industrielle Fortschritt hatte nicht nur Auswirkungen auf die Rantzauer Wasser­mühle, sondern auf das gesamte Mühlenwesen in Barmstedt; Säcke, die früher von Hand bedruckt wurden, konnten maschinell bedruckt werden, Pferdewagen wurden durch Trecker ersetzt und Getreide konnten durch einen Elevator vom Silo zum Mühlgang transportiert werden. Insgesamt wurden die Verhältnisse des Mühlen­wesens verbessert, wodurch die Arbeit erleichtert und beschleunigt wurde. Ein vollständiger industrieller Fortschritt der Rantzauer Wassermühle hat jedoch nie stattgefunden. Nachdem die Wassermühle 1942, zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, durch Überhitzung auf Grund ständiger Tag-und Nachtarbeit abbrannte, wurde sie zwar wieder aufgebaut, jedoch ohne weitere Neuerungen. Nach dem Kriegsende kam es dann zu einem nationalen „Mühlensterben“; Es gab weder Platz für Modernisierungs­maßnahmen noch Geld für neue Entwicklungen. Das Ziel war es, das Mühlenwesen auf größere Mühlen zu zentralisieren. Diesem „Mühlensterben“ fiel auch die Rant­zauer Wassermühle zum Opfer. Nach dem Tod des Müllers wurde sie zuerst von der Abel’schen Mühle, eine ehemalige Windmühle in der Feldstraße, übernommen, bevor „die Raiffeisen“ beide Mühlen übernahm und die Betriebe geschlossen wurden.


Die Rantzauer Wassermühle heute

Rantzauer Wassermühle heute. ©Peter Steenbuck.

Heutzutage befindet sich der „Rantzauer Töpferbedarf“ von Familie Mohr im Mühlen­gebäude. Die Wassermühle wird bei ausreichend Wasser immer noch genutzt. Durch einen eingebauten Stromgenerator wird Strom für eine Heizung erzeugt. Nebenan im Mühlenspeicher, dem Silo, befindet sich eine Modeboutique. Nähere Informationen finden Sie auch hier

Quellen

DöSSEL, HANS: Stadt und Kirchspiel Barmstedt. Eine geschichtl. Schau. : Johs Prange, 1936.

BARMSTEDT, BARMSTEDT: 850 Jahre Barmstedt. Freuburg i.B.: , 1990.

Musem Schlossinsel

mündliche Informationen: Mühlenbesitzer Reimer Mohr

Bildquellen: Peter Steenbuck