Die Entwicklung der Barmstedter Schuhindustrie

Aus Barmstedt-Geschichte
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Lüdemann bei der Arbeit (12)

Die Barmstedter Schuhindustrie hat ihren Ursprung im traditionellen Schuhhandwerk, welches sich im frühen 18. Jahrhundert ansiedelte. Die Barmstedter Schuhmachergilde entstand im Rahmen der Verleihung der Fleckenrechte durch den dänischen König Christian VI. Durch die Fleckenrechte wurde die Handel- und Gewerbeniederlassung erlaubt.(1)

Entwicklung des Schuhhandwerks zur Industrie:

Barmstedt erhielt die Fleckenrechte im Jahre 1737.
Die Schuhfabriken in der Bahnhofstraße (13)
Als erste Gilde gründete sich die Schuhmachergilde, welche rasch Zuwachs bekam.(2) Mit der Gründung eines Schabeplatzes wurde Barmstedt unabhängig von außenstehenden Zulieferern. Der Schabeplatz war an der Schlickumstraße gelegen, wo sich in Folge die Fleischer und Gerber ansiedelten.(3) Die Schuhmacherzunft wuchs seit ihrer Gründung 1738 bis 1860 von 12 auf etwa 400 Meister an, welche jeweils Gesellen beschäftigten.(4) Dies ist durch einen Agglomerationseffekt zu erklären und durch den überregionalen Ruf Barmstedts als starker Schuhproduktionsstandort. Nach dem zweiten Einigungskrieg Deutschlands war Barmstedt unter preußischer Herrschaft und profitierte so von der 1869 eingeführten Gewerbefreiheit. Die Zunft der Schuhmacher wurde aufgelöst und es kristallisierten sich größere Schuhmanufakturen heraus.(5) So beschäftigte Johann Ferdinand Lüdemann in den 1880ern etwa 50-60 Schuhmacher. Im Rahmen des infrastrukturellen Ausbaus der Region Barmstedt entstand 1895 die Bahnhofstraße. Durch die Erschließung der Grundstücke siedelten sich dort drei Schuhfabriken an.(6)

Lüdemann

Fabrikgebäude Lüdemann (14)
Im Jahr 1906 erwarb J.-F. Lüdemann ein Grundstück in der Reichenstraße/Ecke Bahnhofstraße. Daraufhin zog die Produktion von der Königstraße in die Reichenstraße um und vergrößerte ihre Belegschaft. Es wurde weiterhin mit traditionellen Fertigungsmethoden gearbeitet. 1914 wird dann die Produktion durch den Sohn Gustav übernommen, aber erst 1928 auf maschinelle Herstellung umgestellt. 1938 wurde dann ein neues Fabrikgebäude errichtet. Während des Zweiten Weltkriegs erhielt die Schuhfabrik Lüdemann das deutschlandweite Monopol für die Produktion von Seestiefeln. Nach dem Krieg geriet die Fabrik, ähnlich wie die Schuhfabriken Rickert und Rotermund, in Verruf, da sie für die Wehrmacht produziert haben. Nach dem Krieg startete Lüdemann dann einen Neubeginn mit der hauseigenen Marke „Ritterfest“. Drei Jahre später wurde ein weiteres Fabrikgebäude in der Bahnhofstraße gebaut. Allerdings wurde die Produktion am 30.06.1969 eingestellt. (7)

Rotermund

Fabrikschild Rotermund (15)
Die im Jahre 1864 durch Jürgen Rotermund gegründete Schuhfabrik in der Mühlenstraße siedelte sich 1901 in der Bahnhofstraße 7 an. Knapp 21 Jahre später wurden die ersten Maschinen angeschafft. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zählte die Produktion 102 Mitarbeiter. 1966 wurde die Produktion eingestellt.(8)







Rickert

Fabrikgebäude Rickert (15)
1901 wurde in der Bahnhofstraße eine weitere Schuhfabrik gegründet. Die Produktionsstätten wurden 1949, nach gerade einmal 48 Jahren, an die Gebrüder Gabor verkauft, welche mit Unterbrechungen bis 1992 in Barmstedt produzierten und heute der größte europäische Schuhhersteller sind.(9)







Aussterben der Schuhindustrie

Die Gründe für das Aussterben der Schuhindustrie in Barmstedt lassen sich auf die nicht aufgehende Marketingstrategie, die innovationsarmen Herstellungsprozesse und die wachsende internationale Konkurrenz zurückführen. Aufgrund der Spezialisierung auf schweres Schuhwerk, wie beispielsweise die sogenannten Kroppstiefel, hat man sich dem wachsenden Absatzmarkt für leichteres, modernes Schuhwerk verschlossen und konnte nicht mehr im Preiskampf mit der internationalen Konkurrenz mithalten. Die Produktion wurde viel zu langsam auf modernere und effizientere Technik umgestellt und wurde so von der wachsenden Konkurrenz aus Niedriglohnländern, wie der heutigen Tschechischen Republik, ausgestochen. (10)

Neunutzung der Fabrikgebäude

Das ehemalige Gelände der Schuhfabrik Lüdemann wird heute als Standort für Einzelhandel und Dienstleister sowie einem Casino genutzt. Die ehemaligen Fabrikgebäude der Betriebe Rickert und Rotermund werden nun als Wohngebäude genutzt.(11)


Einzelnachweise

  • 1.Museum der Grafschaft Rantzau
  • 2.Museum der Grafschaft Rantzau
  • 3.Hans Dössel : Barmstedt Geschichtliche Schau, S.243
  • 4.Privatarchiv Peter Steenbuck
  • 5.Museum der Grafschaft Rantzau
  • 6.Privatarchiv Peter Steenbuck
  • 7.Privatarchiv Peter Steenbuck
  • 8.Privatarchiv Peter Steenbuck
  • 9.Privatarchiv Peter Steenbuck
  • 10.Museum der Grafschaft Rantzau
  • 11.Privatarchiv Peter Steenbuck
  • 12.Privatarchiv Peter Steenbuck
  • 13.Museum der Grafschaft Rantzau
  • 14.Privatarchiv Peter Steenbuck
  • 15.Privatarchiv Peter Steenbuck
  • 16.Privatarchiv Peter Steenbuck



  • Dieser Artikel ist ein Beitrag aus dem Geschichtsprofil des Carl-Friedrich von Weizsäcker-Gymnasiums Barmstedt/Rantzau