Die Eisenbahn

Aus Barmstedt-Geschichte
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Die Eisenbahn zur Zeit der Industrialisierung

Die Einweihung der Strecke am 15.7.1896

Vorgeschichte

Im Jahre 1842 gab es zum ersten Mal Planungen für eine Strecke von Altona über Neumünster bis nach Kiel. Drei verschiedene Möglichkeiten für einen Verlauf der Bahnstrecke standen zur Auswahl: über Elmshorn, Barmstedt oder Uetersen. Letzteres wurde zeitnah ausgeschlossen, da die Stadtregierung von vornherein eine Bahnstrecke durch die Stadt ablehnte, weshalb die Entscheidung des Komitees auf Elmshorn fiel. Grund dafür war die günstige Lage sowie die wirtschaftliche Stärke Elmshorns, doch die ansässige Bevölkerung lehnte diesen Verlauf der Strecke jedoch ab. Die Bewohner fürchteten einen wirtschaftlichen Schaden, Lärmbelästigung und Lebensgefahr für Kinder, Haus- und Nutztiere. Durch die allgemeine Ablehnung der Elmshorner Anwohner wurde Barmstedt als letzte Möglichkeit ausgewählt. Die Vorteile, die für Barmstedt sprachen, waren eine verkürzte Strecke, ein besserer Untergrund, eine nahezu gerade Strecke, die den Bau erheblich erleichtert hätte, und geringere Baukosten. Die Planungen wurden fertiggestellt und das Baumaterial nach Barmstedt gebracht. Jedoch war dem wohlhabenden Elmshorner Claus Panje die Bedeutung einer Eisenbahn sehr bewusst und daher reiste er zum dänischen König, um ihn von einer Verlegung der Bahnstrecke über Elmshorn zu überzeugen. Dies gelang ihm mit einer großen Menge an Geld, welches er auch der englischen Baufirma zukommen ließ. Weiterhin beteiligte sich die Stadt Elmshorn zu großen Teilen an den Baukosten und die Bevölkerung erwarb Aktien in großer Stückzahl, welches von Herrn Panje initiiert und beworben wurde. Durch sein Zutun schlug die Stimmung in Elmshorn vollständig um. Folgend kam es zu einem Rechtsstreit zwischen Elmshorn und Barmstedt, da Barmstedt sich auf das Versprechen des dänischen Königs sowie die Aktienzeichnungen der Strecke über Barmstedt berief. Die Probleme Barmstedts waren die bis dato: noch geringe Bevölkerung, keine Wasserwege, keine großen und gut ausgebauten Landstraßen und eine kaum vorhandene wirtschaftliche Bedeutung für die Region. In der Abstimmung des Komitees im Mai 1843 gewann Elmshorn klar, jedoch wollte Barmstedt sich nicht geschlagen geben. Obwohl der König von Dänemark den Bau über Elmshorn anordnete, eine Entschädigungszahlung und den Rückkauf der Barmstedter Aktien anbot, beharrten die Barmstedter auf die Eisenbahnanbindung. Nach der endgültigen Entscheidung des zuständigen Ministers am 17. Mai 1843 wurde das bereits in Barmstedt gelagerte Baumaterial nach Elmshorn verbracht. Die Freude bei den Elmshornern war grenzenlos und es wurde sogar extra ein Fackellauf zur Feier des Ereignisses organisiert. Barmstedt war empört über die Ungerechtigkeiten und bestand weiterhin auf seine Eisenbahn. Daher wurden neue Planungen eingeleitet und es musste sich zwischen zwei Möglichkeiten entschieden werden. Entweder von Kaltenkirchen über Barmstedt nach Altona oder eine Kleinbahn von Elmshorn nach Barmstedt, zu welcher es 1857 erste Gedanken gab. Elmshorn befürwortete letztere Idee durchaus und in den folgenden Jahren gab es viele Verhandlungen und Vorarbeiten. Vorstände und Komitees wurden gegründet und das Projekt wurde allmählich realistisch. 1894 wurde dann die Elmshorn-Barmstedter-Eisenbahn-Aktiengesellschaft gegründet und im Jahre 1895 gab es den ersten offiziellen Spatenstich für den Bau der Strecke. Die fertiggestellte Strecke war zehn Kilometer lang und umfasste auch noch die Zwischenhalte Brunnenstraße, Vossloch, Bokholt, Sparrieshoop und Sibirien (Langenmoor). In einer großen Eröffnungszeremonie lief am 15. Juli 1896 der erste Zug um Punkt 12 in den Barmstedter Bahnhof ein. Zum Fuhrpark der Betreibergesellschaft gehörten zwei zwei-achsige Dampflokomotiven, fünf Personenwagen und 14 Güterwagen, wovon zwölf staatlich und zwei privat waren. Anfangs durften die Züge mit einer maximalen Geschwindigkeit von 25 km/h fahrens, jedoch wurde diese bald auf 50km/h erhöht. In der Zeit der Kleinbahn von 1896 bis 1907 stieg der Umsatz der Eisenbahngesellschaft, sodass die Einnahmen und Ausgaben gegen Ende sich verdoppelt hatten. Am Anfang musste das Unternehmen Verluste hinnehmen, doch ab 1901 wurde Gewinn eingestrichen, welcher allerdings sehr durchwachsen ausfiel. Der Güterverkehr sorgte dabei für mehr Umsatz und war insgesamt weitaus bedeutender, denn die Güter- und Gepäcktransporte waren von Jahr zu Jahr schwankend, aber hoch und mit einem Aufwärtstrend. Die Viehtransporte, die Fahrkarten- sowie die Zeitkartenverkäufe stiegen stark an, waren allerdings nicht annähernd so umsatzstark.

Der Barmstedter Bahnhof 1909

EBOE (Elmshorn – Barmstedt – Oldesloe – Eisenbahn)

Nachdem die Strecke zwischen Elmshorn und Barmstedt fertig gestellt worden war, kam die Idee auf, das Bahnnetz bis nach Oldesloe zu erweitern. Nach einigen Verhandlungen und dem Abschluss der Planungen wurde 1904 die Erlaubnis des Baus ausgestellt, welcher schließlich 1905 begann. Am 7. Juni 1907 wurde die Strecke Elmshorn-Barmstedt-Oldesloe in Betrieb genommen und der Name der Aktiengesellschaft in Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer-Eisenbahn-Aktiengesellschaft geändert. Jedoch konnte die Strecke nur unter gewissen Auflagen gebaut werden, da sie eine zu hohe wirtschaftliche Bedeutung für die gesamte Region hatte. Deshalb wurde bestimmt, dass die Strecke auch für militärische Zwecke genutzt werden durfte. Nicht nur die stadt Elmshorn erkannte den großen wirtschaftlichen Nutzen der Strecke, da ab Oldesloe eine Verbindung zu Mecklenburg-Vorpommern sowie zum Lübecker Hafen bestand. Auf der Strecke fuhren elf Personenwagen und 61 Güterwagen, wovon 53 dem Staat gehörten. Der Güteraustausch zwischen West- und Ostholstein war von außerordentlicher Bedeutung für die Wirtschaft, denn nie zuvor konnten solche Massen an Gütern zwischen West und Ost mit einem so geringen Zeitaufwand transportiert werden. Folgende Produkte des Westens wurde in den Osten versandt: Zement, Düngersalze, Mühlenprodukte und Kohlen. Aus dem Osten kamen Stroh, Holz, Saatgut und andere Rohstoffe in den Westen. Auf der Strecke zwischen Barmstedt und Elmshorn wurden, neben dem Personenverkehr, überwiegend Erzeugnisse aus Baum- und Rosenschulen, des Schuhandwerkes und der Fleischproduktion der umliegenden Betriebe versandt. Durch die Eisenbahnverbindung konnten die Land- und Viehwirtschaft im südlichen Holstein erschlossen werden und es kam zu einer besseren Versorgung der Großstädte mit Lebensmitteln. Folgend blühte der Handel in Barmstedt auf, weil sich das Angebot an Gütern stark erhöhte und Barmstedter Produkte die Chance erhielten sich überregional auf dem Markt zu etablieren. In der Nachkriegszeit wurde sich allerdings auf den Personenverkehr beschränkt, da Barmstedt kaum mehr wirtschaftliche Bedeutung hatte. 1957 wurde die EBOE schließlich zur unserer heute bekannten AKN.

Der Bahnhof im Jahre 1907 von oben

Fazit

Die Eisenbahn hatte eine sehr große Bedeutung für Barmstedt im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert. Durch die EBOE wurden einige Nachteile für Barmstedt wieder ausgeglichen, die durch den Streckenbau der Linie Altona-Neumünster-Kiel erlitten wurden. Barmstedter Waren konnten in ganz Norddeutschland verbreitet werden und die Menschen konnten bequem in den Osten oder in den Westen reisen. Zudem wurde Barmstedt durch das verbesserte Verkehrsnetz attraktiver für Firmen, die ihre Rohstoffe und Erzeugnisse günstiger beziehen bzw. transportieren konnten. Somit hatte die EBOE sogar eine überregionale Bedeutung. Auch eine Reise in die Großstädte wie Kiel, Altona oder Hamburg wurde erheblich vereinfacht. Heutzutage ist die AKN noch von Bedeutung für Barmstedt, da sie die einzige Verbindung nach Elmshorn und Ulzburg im öffentlichen Nahverkehr nach außen darstellt. Weiter ist die Verbindung wichtig für den Weg ins Umland für Schüler und regionale Arbeitskräfte als Pendler. Allerdings ist die AKN nicht mehr von wirtschaftlicher Bedeutung, da kein Güterverkehr mehr existiert.

Literaturverzeichnis

- Dössel, Hans, Barmstedt Geschichtliche Schau, Herausgeber v.d. Stadt Barmstedt 1988

- Minga, Jörg und Hassenstein, Reinhardt, 125 Jahre AKN Eisenbahn AG 1883-2008, Hamburg 2008

- Böhnke, Bärbel, Beiträge zur Elmshorner Geschichte 10 (2006)

- 150 Jahre Elmshorner Eisenbahn, Herausgeber v.d. Stadt Elmshorn 1993


Bildquellen: Archiv Peter Steenbuck

Dieser Artikel ist ein Beitrag aus dem Geschichtsprofil des Carl-Friedrich von Weizsäcker-Gymnasiums Barmstedt/Rantzau