Die Blechwarenfabrik Züchner

Aus Barmstedt-Geschichte
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Die Blechwarenfabrik Züchner in der Mühlenstraße

Gebäude der späteren Blechwarenfabrik Züchner 1937
Die ursprünglichen Gebäude der ehemaligen Firma Züchner sind 1912 von den vereinigten Fleischermeistern Barmstedts als "Abfallverwertungsanstalt" gebaut worden. Südholstein erlebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Boom als Fleischmast-Region. Die Folge war, dass auch die Zahl der Fleicherbetriebe stark anwuchs, das Fleischerhandwerk blühte auf. Die vor dem ersten Weltkrieg in Barmstedt bestehenden 21 mehr oder weniger umfangreichen Schlachtereibetriebe arbeiteten größtenteils für den Versand. Die anfallenden Abfälle, wie Knochen, Talg, Felle, Därme und Blut, wurden in dieser Verwertungsanstalt verarbeitet und der Gewinn anteilsmäßig auf alle Fleischer verteilt. Der erste Weltkrieg setzte 1914/18 der Ausweitung des Betriebes vorzeitig ein Ende. Zwangswirtschaft und Hungerblockade ließen die Zahl der Schlachthäuser stark zurückgehen. Die dann einsetzende erste Inflation schwächte den Boom so sehr, dass Uneinigkeiten unter den Mitgliedern am 13. Dezember 1920 zum Ende der "Freien Vereinigung Barmstedter Schlachter zur Verwertung von Schlachtviehabfällen" führten.

Das Gebäude diente daraufhin verschiedenen Zwecken, u.a. als Sitz des "Unterelbischen Vermessungswesens". Es war zur Zeit des Nationalsozialismus in den Jahren 1933 bis 1937 Unterkunft einer Reichsarbeitsdienstabteilung, die die Krückauregulierung ausführte und den Rantzauer See baute.

Blechwarenfabrik Züchner 1966
Danach erwarb der Fabrikant Zeigmeister die Baulichkeiten und richtete hier eine Blechdosenfabrik - die "Blechindustrie Reimers & Zeigmeister"- ein. Am 16.04.1958 ging die Firma in den Besitz der Blechwarenfabrik Züchner GmbH & Co, einem Familienunternehmen mit Stammhaus in Seesen (Harz) über.

Im Laufe der Jahre wurden mehrere Hallen gebaut. Die Fertigung wurde erweitert und auf den modernsten Stand gebracht. Neue Artikel kamen in das Programm, u.a. Aerosol-Dosen, Kaffee- und Teedosen sowie Kunststoff-Erzeugisse.

Am 31.12.1997 wurde die Produktion in Barmstedt endgültig eingestellt. Heute befindet sich die Meierei Barmstedt auf dem Gelände.

Quellen

  • "Historischer Streifzug durch die Straßen Barmstedts" von Hans Dössel, bearbeitet von Rudolf Schröder und Hildegard Burchert aus der Broschüre "850 Jahre Barmstedt" (Hrsg. Stadt Barmstedt), 1989
  • Archiv Eva und Peter Steenbuck
  • Siegfried Seidler