Das Geld der Grafen: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Barmstedt-Geschichte
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Der neue Graf Wilhelm Adolf ließ die Trauerglocken läuten und setzte eine Belohnung für die Ergreifung des Täters aus. Dennoch wurde er der Mittäterschaft angeklagt. Unter der Folter befragte Zeugen belasteten ihn schwer. So wurde er 1726 von einer Kriminalkommission in Rendsburg zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt. Die anderen Beschuldigten erhielten die Todesstrafe oder wurden zu lebenslanger Zwangsarbeit an die Karre geschmiedet. Gleich nach der Urteilsverkündung am 9. April 1726 wurde die Grafschaft von königlich-dänischen Landräten beschlagnahmt. Ein genaues »Inventarium« wurde erstellt und ein königlich-dänischer Administrator als oberster Verwaltungsbeamter eingesetzt.
 
Der neue Graf Wilhelm Adolf ließ die Trauerglocken läuten und setzte eine Belohnung für die Ergreifung des Täters aus. Dennoch wurde er der Mittäterschaft angeklagt. Unter der Folter befragte Zeugen belasteten ihn schwer. So wurde er 1726 von einer Kriminalkommission in Rendsburg zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt. Die anderen Beschuldigten erhielten die Todesstrafe oder wurden zu lebenslanger Zwangsarbeit an die Karre geschmiedet. Gleich nach der Urteilsverkündung am 9. April 1726 wurde die Grafschaft von königlich-dänischen Landräten beschlagnahmt. Ein genaues »Inventarium« wurde erstellt und ein königlich-dänischer Administrator als oberster Verwaltungsbeamter eingesetzt.
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==Münzen und Geldwesen zur Zeit der Grafschaft Rantzau==
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===Taler und Dukaten – das Geld der Neuzeit===
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Etwa um 1500 wandelte sich die Welt radikal. Quelle des feudalen Wohlstands war im Mittelalter noch das Grundeigentum. Die Bauern erzeugten fast alles selbst, was sie zum Leben brauchten. Einen Teil davon – den Zehnten (Teil) – mussten sie an den Grundherrn und die Kirche abgeben. Mit dem Beginn der Neuzeit aber wurde der Handel immer wichtiger und damit das Geld in Form von Münzen. Diese bestanden im Wesentlichen aus Gold oder Silber und erhielten ihren Wert durch den Edelmetallgehalt. Bei größeren Geldgeschäften wurden Goldmünzen bevorzugt. Zu ihnen gehörten die Dukaten, die ab 1559 zu Reichsmünzen erklärt wurden. Sie gab es allerdings nur in verhältnismäßig geringer Stückzahl und deshalb wurden sie entweder zur Zahlung großer Beträge gebraucht oder von großen Herren als Sammelgegenstände gehortet. Die größten Goldmünzen waren die Portugalöser, die über 30 g Gold enthielten. Der englische Rosenobel war besonders beliebt. Er wog 7,7 g und wurde auch auf dem Kontinent als Handelsmünze genutzt. Nach 1500 stieg das Angebot an Silber massiv an. In Südamerika ließen die spanischen Konquistadoren riesige Mengen des Edelmetalls aus den Bergwerken nach Europa schaffen. Mit diesen »Reales« bezahlten die spanischen Könige ihre Kriege und Luxusgüter für die Hofhaltung. Auch in Tirol und in Böhmen wurden große Silbervorkommen entdeckt. Nach dem Prägeort Joachimstal erhielten die neuen Silbergroschen im Reich jetzt den Namen Taler. Diese Silbermünzen verbreiteten sich schnell über große Teile Europas. Der Taler als neue Münzsorte wurde ab 1566 zur Reichsmünze. Es wurde als sogenannter »Münzfuß« festgelegt, dass 8 Taler aus einer Kölnischen Mark (Gewichts-Mark) lötigen Silbers geschlagen werden sollte. Ein Taler sollte demnach 25,984 g Feinsilber (in heutigem Gewicht) enthalten und 24 Schillinge wert sein. Ein Schilling hatte entsprechend 25,984 / 24 = 1,082 g Silber zu enthalten. Auch die übrigen umlaufenden Münzen erhielten ihren Wert durch ihren jeweiligen Silbergehalt.
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'''Der Wert des Geldes'''
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In Schleswig und Holstein bestand das umlaufende Geld aus verschiedenen Münzsorten unterschiedlicher Herkunft. Auch hier galten die Reichsmünzen. Aber der Wendische Münzverein mit Lübeck und Hamburg an der Spitze hatte als Währung weiterhin die Silbermark zu 16 Schilling und zu 192 Pfennig. Man einigte sich darauf, dass ein Reichstaler in Lübischer Währung 31 Schilling wert sein sollte. Die Herzöge von Holstein-Gottorf und die dänischen Könige ließen in ihren Münzstätten diverse Münzsorten prägen: Sechslinge (6 Pfennig), Schillinge (12 Pfennig), Doppelschillinge, Markstücke (16 Schillinge oder 192 Pfennige, Taler zu 24 Schilling, Speziestaler (Doppeltaler). In Dänemark wurde zusätzlich die Krone eingeführt. Problematisch war der immer geringer werdende Wert der Kleinmünzen. Denn den geringwertigeren Münzen musste wegen ihrer besseren Handhabbarkeit Kupfer beigemischt werden. Je geringwertiger sie waren, desto höher war deshalb der Kupfergehalt. In der Herstellung waren sie deshalb teurer als ihr Nominalwert. Um das zu kompensieren, verfielen die Landesherren als Münzherren darauf, den Silbergehalt im Laufe der Zeit immer weiter zu reduzieren, so dass dieser immer stärker von ihrem Nominalwert abwich. Besonders die Fürsten, die für ihre Kriege Landsknechte zu bezahlen hatten, ließen Kleinmünzen mit minderem Silbergehalt in sehr großer Stückzahl herstellen. Beim Umtausch der Münzen in die »guten«, d. h. höherwertigen, Münzen konnten findige Geschäftsleute große Gewinne machen. Münzherren ließen hochwertige Münzen aufkaufen, einschmelzen und daraus geringhaltige Kleinmünzen schlagen. Dieses Problem tauchte immer wieder auf und führte dazu, dass Städte und Landesherren die Münzen anderer »in Verruf« brachten. Außerdem wurde in mehreren Verträgen der Versuch gemacht, »endgültig« klare Regelungen über den Feingehalt der Münzen festzulegen.
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'''Das Amt kommt in Rantzauer Besitz'''
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Der Ritter Christian Rantzau, königlicher Statthalter in den Herzogtümern Schleswig und Holstein und Amtmann auf der Steinburg, interessierte sich sehr für dieses Gebiet, denn es grenzte an sein Breitenburger Gebiet. Außerdem war es kein Lehen des Herzogtums Holstein. Christian war mit dem Drost des Amtes Barmstedt, Johann Adolf Kielmann, befreundet. Da dieser gleichzeitig gottorfischer Kanzler war, konnte er für seinen Freund Rantzau den Verkauf einfädeln. In dem Kauf- und Tauschvertrag vom 28. Dezember 1649 erwarb Christian Rantzau das Gebiet. Es hatte eine Größe von 228 qkm und ging im Tausch für die Güter Rantzau in Ostholstein und Koxbüll sowie gegen Zahlung von 101.000 Taler an Christian über. Das Geld wurde auf dem »Kieler Umschlag« übergeben, dem alljährlich im Januar stattfindenden Treffen der Edelleute und Kaufherren zur Abwicklung von Geldgeschäften.
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'''Das 16. Jahrhundert – eine Glücksphase für Gutsbesitzer und Großhändler'''
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Die Unsicherheit über den Wert der Münzen zusammen mit einer extrem ansteigenden Nachfrage nach landwirtschaftlichen Gütern aus dem Ausland führte zu der sogenannten Preisrevolution des 16. Jahrhunderts. Während bei einer Inflation sowohl Preise als auch Löhne ansteigen, führte diese Entwicklung zu immens steigenden Preisen bei gleichbleibenden Löhnen. Die Ursache war eine extreme Nachfrage nach Getreide und Fleisch aus den Niederlanden, die als erster Staat ein globales Handelsimperium aufbauten, und dem Mittelmeergebiet, in dem sich mehrere Missernten ereignet hatten. Die Gutshöfe in den Herzogtümern, aber auch Marschbauern konnten immer stärkere Überschüsse produzieren und diese Nachfrage bedienen. Durch Holstein zogen jetzt die großen Ochsenherden nach Süden, in manchen Jahren bis zu 50.000 Stück Vieh. Bezahlt wurde in »guten« Talern oder Goldmünzen. Die einfachen Bauern jedoch, die zu dieser Zeit von ihren geringen Überschüssen Waren zu höheren Preisen zu bezahlen hatten, verarmten oder mussten ihre Höfe aufgeben. Ihre »Hufen« schlugen die Gutsherren vor allem in Ostholstein daraufhin meist den Gütern zu und die Bauern wurden zu Leibeigenen. Betroffen waren auch die Festbesoldeten, die ihre Einkommen in den verschlechterten Münzsorten erhielten.
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'''Die Zeit der Kipper und Wipper'''
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Mit dem Reichsabschied von 1572 wurden Hamburg und Lübeck als Münzstätten anerkannt. Fortan galt: 1 Rtlr (Reichstaler) = 2 Mark (lübsch) = 32 β (Schilling) = 64 Sechsling = 128 Dreiling = 384 ₰ (Pfennig). Allerdings führte auch diese Festlegung nicht zu einer Sicherheit über den Wert des Geldes, das man vor sich hatte: »Große und kleine Münzen aller deutschen Münzstände und dazu auch noch ausländische rollten durch das Land, ohne daß man wusste, ob sie auch nach dem vorgeschriebenen Münzfuße geschlagen waren. Nur zu oft waren sie es nicht und wurden dann nach Feststellung ihres wirklichen Wertes nicht bloß auf allgemeinen Probations- und Valvationstagen, sondern bisweilen auch von diesem oder jenem Landesherrn oder dieser oder jener münzberechtigten Stadt in Verruf erklärt.« (Waschinski, S. 27). Gleichzeitig wurden immer mehr Kleinmünzen mit schlechterem Wert in Umlauf gebracht, so dass auf einen Taler immer mehr Schillinge kamen. Geschäftstüchtige Menschen horteten darauf Taler, die in den Herzogtümern nur 32 Schillinge wert waren, und brachten sie in den Hansestädten in Umlauf, wo sie bis zu 37 Schillinge wert waren. Das konnte einen Gewinn von 10 % bringen. Die gleiche Entwicklung fand in Dänemark statt. Hier kamen auf einen Taler 1602 noch 66 Schillinge, 1624 aber schon 100. Die guten Speziestaler wurden eingeschmolzen und stattdessen wurden schlechthaltige Kleinmünzen geprägt. Man behalf sich in Holstein damit, dass in Verträgen etc. die alte Mark Lübsch zu 16 Schilling eingesetzt wurde und die Forderung »in harten Talern zu zahlen« aufkam. 1619 wurde die Hamburger Bank gegründet. Um die Spezies- oder Bankotaler vor Schiebern und Betrügern (Kipper und Wipper) zu schützen, wurden sie eingelagert und den Kunden gutgeschrieben. Daraus entstand die Rechnung nach Mark Spezies Banko (1000 Mark Spezies Banko = 1001 5/8 Mark Banko). So entstand der Geldersatz aus Papiergeld, oft Zettel genannt.
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'''Das Neue Münzsystem ab 1622 – kein Schutz gegen Münzverschlechterung'''
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Ab 1622 galt in Holstein ein System, das bis 1775 dauerte: 1 Reichsthaler = 3 Mark Lübisch = 4 Ort (Vierteltaler) = 16 Düttchen =48 β (Schilling) Lübisch = 96 Sechslinge = 192 Dreilinge = 576 ₰ (Pfennig). Dennoch blieb das Problem bestehen. Schwere und feinhaltige Münzen wurden von gerissenen Geschäftsleuten aus dem Verkehr gezogen, in Heckenmünzen eingeschmolzen und dann daraus geringhaltigere Sorten hergestellt (Waschinski, S.38). Besonders Fürsten, die im Dreißigjährigen Krieg ihre Söldner bezahlen mussten, brauchten große Mengen Kleingeld, so dass sie diese in immer größeren Mengen und geringhaltiger herausbrachten. Deshalb wurde privat der Taler nicht mehr mit 48, sondern mit mehr Schillingen bewertet. Nachdem Brandenburg, Kursachsen und Braunschweig-Lüneburg 1667 den neuen Zinnaischen Münzfuß einführten, der geringhaltigere Taler vorsah (1 Mark fein zu 10 ½ Taler), brachten viele kleine Reichsfürsten daraufhin noch geringhaltigere Kleinmünzen auf den Markt. Auch Graf Detlef Rantzau versuchte dies. Daraufhin wurde 1690 der neue Leipziger Münzfuß (1 Mark fein zu 12 Taler) angenommen und breitete sich über ganz Deutschland aus.
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===Schloss Rantzau als Münzstätte===
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'''Die Münzen des Grafen Christian - Schloss Rantzau wird Münzstätte'''
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Mit Erlangung der Reichsgrafenwürde 1650 erhielt Graf Christian zu Rantzau die Berechtigung zum Schlagen von Gold- und Silbermünzen, die noch vom Reichstag, dem Niedersächsischen Kreis und den Nachbarn, Herzog Friedrich III. von Gottorf und König-Herzog Friedrich III. von Dänemark, bestätigt werden musste. Das war bis Januar 1654 geschehen. So entstanden in Rantzaus Auftrag 10.000 Reichstaler in Silber und in den Jahren 1655, 1656 und 1658 insgesamt 11.200 Dukaten in Gold. Der Graf hatte selbst für eine großen Vorrat an Rosenobels gesorgt, die zur Herstellung der Rantzau-Dukaten eingeschmolzen wurden. Alle vorbereitenden Arbeiten wurden in der Hamburger Münzstätte durch den Münzmeister Matthias Freude dem Älteren durchgeführt und dann auf Schloss Rantzau mit einem für diese Münzen hergestellten Prägestempel und Stock geschlagen. Freude versah alle durch ihn ausgeprägten Stücke mit seinem Zeichen, den gekreuzten Zainhaken mit durchgestecktem Dreiblatt. »Von jedem Tausend Reichstaler könne einer durchschnitten werden; dessen eine Hälfte könne der Münzmeister behalten, dessen andere dem Münzherrn gegeben und in eine von beiden Personen versiegelte Fahrbüchse gesteckt werden.« Der Kaufmann Hans Lambrecht sollte die Gewichte besorgen, um mit diesen die geprägten Münzen zu wiegen.
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'''Die Münzen des Grafen Detlev zu Rantzau'''
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Etwa 30 Jahre nach der letzten Prägung im Schloss Rantzau machte der zweite Reichsgraf Detlev am 20.12.1688 mit dem Glückstädter Münzmeister Christoph Woltereck einen Vertrag, nach dem dieser die Münzprägung pachtete und dem Grafen eine feste Abgabe zahlte. Es wurden daraufhin Dukaten aus Gold nach dem vorgeschriebenen Münzfuß hergestellt. Die Zweidritteltaler aus Silber allerdings, die er für den Gesamtwert von 156.000 Reichstalern in Auftrag gab, hatten einen geringeren Silbergehalt als vorgeschrieben. Diese Maßnahme entsprach zwar nicht den geltenden Gesetzen, war aber zu seiner Zeit durchaus üblich. Das Fehlen der Münzzeichen des Münzmeisters, Christoph Woltereck aus Glückstadt, zeigt deutlich, dass dieser offenbar wegen der möglichen Probleme nicht bereit dazu war, sein Zeichen auf die von ihm hergestellten Münzen zu setzen. Die Prägung begann 1689. Bei dem Versuch, die Münzen durch königliches Gebiet zu transportieren, um sie im Ausland in Umlauf zu setzen, kam es zu Komplikationen und der Münzmeister wurde gefangen gesetzt. »Nach den Akten der Königl. Regierungskanzlei in Glückstadt erstatteten zuerst zwei Altonaer Bürger die Anzeige, dass von einem Hamburger geringhaltiges Rantzauisches Geld verladen und zu Schiff nach Holland gehen sollte. Die Angeber beanspruchten als Lohn 1/6 der Summe. Infolgedessen beschlagnahmte man auf einem Schiff auf der Stör 2 Tonnen mit Geld; in der einen befanden sich Zweidritteltalerstücke mit dem Gepräge des Reichsgrafen Detlef zu Rantzau im Werte bis zu 2200 Reichstalern; in der zweiten fand man nicht näher bezeichnetes Kupfergeld und ungemünzte Kupferplatten, die man aber nach einigen Wochen wieder freigab. Das Silbergeld wurde nach Glückstadt gebracht, und es wurde vom König Christian V. am 27. und 30. Juli 1689 eine strenge Untersuchung über das zu gering ausgemünzte Geld, den Münzvertrag des Grafen Detlef, den glückstädtischen Münzmeister Christoph Woltereck und die Abnehmer des Geldes befohlen.« (Lange, S. 338ff) Der Münzmeister wurde ebenso wie zwei beteiligte Händler zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Der Graf erhielt 1693 dagegen die Erlaubnis, das restliche Geld über königliches Gebiet in die Niederlande transportieren zu lassen. Es durfte jedoch unter keinen Umständen hier ausgegeben werden. Ob die beabsichtigte Prägung weiterer 2/3- und 1/3-Taler noch zustande kam, ist nicht bekannt.
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'''Der Herstellungsprozess von Münzen im 17. Jahrhundert'''
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Es gab während des 17. Jahrhunderts zwei offizielle Münzstätten in dieser Region, eine Rats-Münze in Hamburg und eine königlich-dänische Münze in Glückstadt. Reichsgraf Christian nutzte die Dienste des Hamburger Münzmeisters, Graf Detlev die des Glückstädters. Beide ließen aber ihre Münzen auf Schloss Rantzau prägen, so dass hier eine Art »Heckenmünze« (d. h. inoffizielle Münze) entstand. Die Münzprägung war ein aufwändiges Handwerk unter Leitung des Münzmeisters und unter Einsatz vieler Arbeitskräfte. Das zu verarbeitende Metall musste zunächst geschmolzen, gemischt und dann in Platten gegossen werden. Diese Platten wurden Zaine genannt und mit hölzernen Stangen bewegt, die an einem Ende einen eisernen Haken besaßen. Diese Zainhaken waren ein wichtiges Hilfsmittel bei der Bearbeitung der glühenden Metallplatten. Die Zaine wurden anschließend solange mit dem Hammer bearbeitet, bis sie die nötige Dicke für die gewünschten Münzen erreichten. Daraufhin konnten die Schrötlinge, die Münzrohlinge, aus dem Zain herausgestanzt oder ausgeschnitten werden. Diese beiden Arbeitsschritte wurden durch die Erfindung von Walzwerken und Ausstanzmaschinen wesentlich erleichtert. Schließlich wurden die Schrötlinge zwischen Vorder – und Rückseitenstempel gelegt und per Hammerschlag geprägt. Der Rückseitenstempel war dabei im Amboss fest eingelassen. Der Vorderseitenstempel wurde vom Münzmeister frei in der Hand gehalten. Auch hier vereinfachten Prägemaschinen die Arbeit. Der Münzmeister versah die durch ihn ausgeprägten Stücke mit seinem speziellen Zeichen. Damit garantierte er das richtige »Schrot und Korn«. »Schrot« steht dabei für das Gesamt- oder Raugewicht der Münze und »Korn« für den Edelmetall- oder Feingehalt der Münze, der damals für den Münzwert entscheidend war.
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===Über die Münzen der Ausstellung===
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Die Münzen und Medaillen, die für unsere Ausstellung repliziert wurden, stammen aus der Barmstedter Sammlung von Eberhard Wünsche, die über mehrere Jahrzehnte auf europäischen Münzauktionen zusammengetragen wurde. Wie viele der von den Reichsgrafen zu Rantzau erzeugten Münzen und Medaillen durch Kriege, Unwissenheit oder Wiedereinschmelzen verloren gegangen sind, lässt sich nicht mit Gewissheit feststellen. Nach Meinung des Sohnes des Barmstedter Sammlers, Frank Wünsche, liegt der Anteil vermutlich bei 50 Prozent. So lässt sich die Seltenheit der hier gezeigten Stücke erahnen. Die Barmstedter Sammlung ist also nicht vollständig. Da die fehlenden Münzen und Medaillen der Rantzauer Grafen nach Auskunft eines großen deutschen Münzauktionshauses seit Jahrzehnten nicht auf dem Markt angeboten wurden, besteht wahrscheinlich keine Möglichkeit, die Sammlung zu ergänzen.
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'''Die ausgestellten Repliken (Nachbildungen)'''
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Der Sohn des Sammlers unserer Münzen und Mitarbeiter des Museums der Grafschaft Rantzau, Frank Wünsche, hat mit modernen Materialien und Techniken Repliken der Barmstedter Sammlung erstellt. Ihre Herstellung wird in einem kurzen Film erklärt. Dazu sind auch ein paar begleitende Objekte und Werkzeuge ausgestellt. Sie vervollständigen die Demonstration. Die abschließende Patinierung, also Oxydation bzw. Sulfidisierung der Objekte, wird in dem Film nur kurz angedeutet. Sie beruht auf ausführlichen Experimenten und bleibt ein Geheimnis der Museumsmitarbeiter.
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'''Christian Lange'''
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Christian Lange (*1845 – +1914) legte mit seiner Sammlung den Grundstein für einen Katalog, der heute als Standardwerk für schleswig-holsteinische Münzen und Medaillen gilt. Die sogenannte »Lange-Sammlung« befindet sich in der schleswig-holsteinischen Landesbibliothek in Kiel. Dort sind die Fotos entstanden, mit denen unsere Ausstellung ergänzt wurde.
  
 
==Die Münzen und Medaillen der Ausstellung==
 
==Die Münzen und Medaillen der Ausstellung==

Version vom 23. Mai 2019, 14:04 Uhr

Über die Ausstellung

Sonderausstellung vom 02.06.-08.12.2019
Im Zentrum der Ausstellung "Das Geld der Grafen" im Museum der Grafschaft Rantzau vom 02.06. bis 08.12.2019 stehen Münzen und Medaillen der Reichsgrafen Rantzau und ihrer ritterschaftlichen Vorfahren. Die gezeigten Exponate sind keine Originale, sondern Repliken, die eigens für die Ausstellung von einem Mitglied der ehrenamtlich tätigen Museumsgruppe gefertigt wurden. Ergänzt wird die Ausstellung um Objekte und Info-Tafeln, die einen Eindruck von der Entstehung der Grafschaft, ihrer Struktur und dem Leben der Bewohner vermittelt.

Münzen und Medaillen

Die Reichsgrafen Christian und Detlev nutzen das mit ihrer fürstlichen Souveränität verbundene Münzrecht und ließen Münzen für den Geldumlauf prägen. Die Münzen sollten nicht nur im eigenen Territorium als Zahlungsmittel gelten. Christian Rantzau ließ für den Umlauf Golddukaten und Silbertaler prägen, als Schaumünzen fungierten sog. Portugalöser. Die Münzen trugen sein Konterfei. Sein Sohn Detlev ließ ebenfalls Golddukaten prägen, daneben auch Silbergulden. Allerdings ging er dabei nicht rechtschaffen vor. Auf der Residenz Rantzau ließ er „Wippermünzen“ mit reduziertem Edelmetallgehalt herstellen, eine unzulässige Wertminderung. Diese Aktion flog auf, die Münzen wurden wieder eingeschmolzen. Die unmittelbaren Vorfahren der Reichsgrafen prägten in kleiner Stückzahl Medaillen. Diese wurden nicht in Umlauf gebracht, sondern sollten an den Auftraggeber erinnern.

Residenz und Schloss Rantzau

Die Residenz der Grafschaft schuf Christian Rantzau auf den Krückauinseln bei Barmstedt, wo schon seit dem Spätmittelalter das Haus Barmstedt als Herrschafts- und Verwaltungssitz der damaligen Holstein-Pinneberger Grafen lag. Die heutige „Schlossinsel“ war ursprünglich eine Wasserburganlage, die aus mehreren umwallten Inseln innerhalb eines Sumpfgebiets bestand. Die Reichsgrafen Rantzau schufen dort eine Schlossanlage, die einen repräsentativen Charakter hatte. Ein neu gefretigtes, professionelles Modell der Schlossanlage im Maßstab 1:200 (1,50 m x 1,00 m) zeigt den baulichen und landschaftlichen Zustand der Residenz auf den Krückauinseln zur Grafenzeit.

Die freie Reichsgrafschaft Rantzau

Der Norden des Kreises Pinneberg mit den Hauptorten Barmstedt und Elmshorn bildete von 1650 bis 1726 einen eigenständigen Staat, die freie Reichsgrafschaft Rantzau, begründet durch den Ritter Christian Rantzau auf Breitenburg. Als Reichsgraf verfügte er über die Hoheitsrechte eines absolutistischen Herrschers, wenngleich die Zahl der Untertanen gering war und zu seiner Grafschaft nur gut 20 Bauerndörfer und zwei Kirchdörfer gehörten. Als Zeichen fürstlicher Souveränität ließen Christian Rantzau und sein Sohn Detlev Münzen als Zahlungsmittel prägen. Die Reichsgrafschaft wurde 1726 nach der Inhaftierung des letzten Reichsgrafen dem dänischen Gesamtstaat eingegliedert.

Die Grafen und die Grafschaft Rantzau

Johann Rantzau (1492 - 1565)- Der Begründer der Breitenburger Linie

Johann Rantzau
Johann Rantzau, Urgroßvater des Reichsgrafen Christian zu Rantzau, verhalf durch seine Erfolge als Feldherr zwei Königen zur Herrschaft über Dänemark, Norwegen und die Herzogtümer Schleswig und Holstein. So wurde er zum wichtigen Staatsmann. Für seine eigene Familie gründete er die Herrschaft Breitenburg.

Eine steile Karriere

1492 wurde Johann auf der Steinburg bei Itzehoe geboren. Wie viele Söhne des Adels machte er als junger Mann eine »Grand Tour«, die ihn bis nach Jerusalem führte, wo er den Ritterschlag erhielt. Nach seiner Rückkehr wurde er Erzieher des Gottorfer Thronfolgers Christian. Zusammen besuchten sie Worms, wo sie Luther vor dem Reichstag sprechen hörten und zum Anhänger des Reformators wurden.

Kampf um den dänischen Thron

Der dänische König Christian II. wurde 1523 wegen seiner eigenmächtigen Reformpolitik abgesetzt. Johann Rantzau sorgte unter anderem mit einem Ritter- und Landsknechtheer dafür, dass Friedrich I. von Gottorf auf den dänischen Thron kam. Für seine Unterstützung erhielt der Adel neue Privilegien. Als sich in Dänemark die Bauern erhoben, schlug Johann Rantzau den Aufstand nieder. König Friedrich I. starb 1533. In der folgenden »Grafenfehde« half Johann Rantzau seinem ehemaligen Schüler Christian III. durch mehrere Schlachten auf den Thron.

Die Breitenburg bei Itzehoe

Als siegreicher Feldherr wurde er durch die beiden Könige, denen er zur Macht verholfen hatte, reich belohnt und mit einträglichen Ämtern belehnt. Das wichtigste Amt, das von da an faktisch auch vererbt wurde, war die Statthalterschaft für Schleswig und Holstein. Wegen der Geldnot der durch die Reformation säkularisierten Klöster konnte Johann seinen Grundbesitz stark ausweiten. Vom Kloster Bordesholm kaufte er die Störniederung bei Itzehoe, wo er ab 1530 die Breitenburg erbauen ließ. Zu dieser Zeit war er schon seit sieben Jahren mit Anna Walstorp verheiratet.

Triumph über die Dithmarscher in der »Letzten Fehde«

Obwohl Johann Rantzau sich aus Ärger über die Politik seiner Fürsten bereits zurückgezogen hatte, wurde er 1559 noch einmal Heerführer im Krieg gegen die aufständische Bauernrepublik Dithmarschen, die zuletzt im Jahr 1500 ihre Unabhängigkeit verteidigt hatte. Nach dem Sieg wurde das Land unter die drei Fürsten des Landes aufgeteilt.

Tod und Nachfolge

Johann starb sechs Jahre später. Die Herrschaft Breitenburg erbte sein Sohn Heinrich. Sein zweiter Sohn Paul bekam das Gut Bothkamp.

Heinrich Rantzau (1526 - 1598)- Statthalter, Humanist und Ökonom

Heinrich Rantzau
Heinrich Rantzau, der älteste Sohn Johann Rantzaus, war Berater von drei dänischen Königen. Durch Heirat und geschickte Geschäfte wurde er zum reichsten Mann in den Herzogtümern Schleswig und Holstein. Aufgrund seiner hohen Bildung, seiner Korrespondenz und seiner Werke galt er als »Humanist des Nordens«. Nach seinem Vater und ihm wurde das 16. Jahrhundert in der Geschichtsschreibung Schleswigs und Holsteins oft als das »Rantzauische Zeitalter« benannt.

Königlicher Statthalter

Bereits mit 12 Jahren studierte Heinrich Rantzau an der Universität Wittenberg, erhielt dort eine exzellente Ausbildung in den Wissenschaften seiner Zeit und hielt sich oft im Hause Luthers auf. Später konnte er sich in Latein besser ausdrücken als in Deutsch. Am Hof Kaiser Karls V. lernte er die Diplomatie und die Konflikte in Europa im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation kennen. 1554 wurde er Amtmann von Segeberg. Zwei Jahre später übernahm er von seinem Vater das Amt des königlichen Staathalters unter Christian III. Als dieser 1559 starb, erreichte Heinrich Rantzau, dass die drei Fürsten des Landes gemeinsam den Feldzug gegen Dithmarschen führten.

Kreditgeschäfte und Gutswirtschaft

Seine Frau Christina von Halle brachte 1554 eine Mitgift im Wert von vier Tonnen Gold in die Ehe ein. Dadurch konnte Heinrich auf dem »Kieler Umschlag« (dem jährlichen Treffen der Edelleute und Kaufherren) Kreditgeschäfte tätigen. Später verlegte er sich auf die Gutswirtschaft, die in dieser Zeit enorme Gewinne einbrachte. Er kaufte diverse Güter hinzu und ließ Schlösser und Stadthäuser erbauen. Als erster in Schleswig und Holstein ließ er Kiefern anpflanzen. Er betrieb Schweinemast, zog Gewinn aus vielen Mühlen und verkaufte auf eigene Rechnung den Segeberger Gips.

Der Humanist

Heinrich Rantzau ist aufgrund seiner humanistischen Bildung sowie als Förderer der Künste und Wissenschaften weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden. Er korrespondierte mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit in ganz Europa und konnte dadurch seinen König mit regelmäßigen »Relationen« (Berichten) informieren. Heinrich war auch Herausgeber mehrerer lateinischer Schriften. Seine Bibliothek auf der Breitenburg umfasste über 6000 Bände, aus denen er gern zitierte.

Die Breitenburg

Die Breitenburg wurde von ihm im Stil der Renaissance zur prächtigsten Adelsburg des Landes ausgebaut. Für die öffentliche Rechtsprechung ließ er ein von Säulen gerahmtes Portal mit einem Podium und einer Freitreppe errichten. Ein Treppenturm, eine astronomische Uhr sowie ein Renaissance-Garten vor dem Wassergraben markierten deutlich den hohen Anspruch des »vicarius regius« (königlichen Statthalters), wie er sich gern nannte.

Letzte Lebensjahre und Nachfolge

Wie schon sein Vater überwarf auch Heinrich sich im Alter mit dem jungen Thronfolger von Dänemark. Christian IV. entzog ihm daraufhin sein Amt als Statthalter. Von seinen zwölf Kindern überlebten nur sieben die Eltern. Gerhard (Geert) erbte den Breitenburger Besitz und wurde wie sein Vater und Großvater königlicher Statthalter in den Herzogtümern.

Christian Rantzau (1614 – 1663)- Begründer der Reichsgrafschaft Rantzau

Christian Rantzau
Christian Rantzau, Sohn des Statthalters Gerhard (Geert) Rantzau, bekleidete wie seine Vorfahren Spitzenämter in der dänischen Monarchie. Der Kaiser erhob das von ihm erworbene Amt Barmstedt zur reichsunmittelbaren Grafschaft Rantzau, deren Landesherr er damit wurde. Seine neue Residenz bei Barmstedt baute er zu einem Schloss aus.

Auf der Spur seiner Vorfahren

Christian Rantzau wurde 1614 als Sohn des Ritters und Statthalters Gerhard Rantzau auf Schloss Hadersleben geboren. Kurz nachdem sein Vater starb, wurde der Familiensitz Breitenburg 1627 von Wallensteins Truppen brutal zerstört – sechzehn Jahre später kam es im Zweiten Nordischen Krieg zu weiteren Verwüstungen. Er besuchte zu dieser Zeit als 13-Jähriger die Ritterakademie Soroe. Als bald danach auch seine Mutter starb, reiste er mit einer dänischen Delegation zum Regensburger Kurfürstentag und weiter in die Niederlande und nach Frankreich. Nach seiner Rückkehr erhielt er das Amt eines Kammerjunkers für den jungen König Christian IV. und begleitete ihn durch Norwegen. Er heiratete Dorothea von Rantzau und wurde Landrat und Amtmann in Rendsburg. Als König Friedrich III. 1648 den Thron bestieg, nahm er Christian Rantzau in den Elefantenorden auf und ernannte ihn zu seinem Statthalter in den Herzogtümern mit Regierungssitz in Glückstadt. Außerdem tauschte er das Amt Rendsburg gegen Steinburg nahe Breitenburg und wurde Dompropst in Hamburg.

Erhebung zum Reichsgrafen

Das ehemals schauenburgische Amt Barmstedt war 1640 in den Besitz des Herzogs von Gottorf gekommen. Christian Rantzau konnte es 1649 im Tausch gegen Güter sowie 101.000 Taler kaufen. Eine diplomatische Reise an den Kaiserhof in Wien im Jahre 1650 nutzte er erfolgreich, um eine Standeserhöhung vom Ritter zum Reichsgrafen zu erreichen und sein Amt Barmstedt zur Freien Reichsgrafschaft Rantzau erheben zu lassen. Seine neue Stellung als Mitglied des Hochadels drückte sich im Prägen eigener Münzen, im Bau einer Residenz bei Barmstedt und in der »Primogenitur« aus, bei der nur der älteste Sohn die Erbfolge antreten konnte.

Weiterer Aufstieg mit königlichen Ämtern

Der neu »gefürstete« Graf wurde bald auch Amtmann in Süderdithmarschen und auf Langeland sowie Präsident des Staatskollegiums und Oberstatthalter in den Herzogtümern. Im Zweiten Nordischen Krieg Dänemarks gegen Schweden (1656-61) kam es auch in der Grafschaft wieder zu furchtbaren Kriegsgräueln. An dessen Ende wurde Dänemark zur ersten absoluten Monarchie und die Ritterschaft verlor viele politische Rechte. Der Statthalter Christian Rantzau aber war jetzt selbst absolutistischer Herrscher über seine kleine Grafschaft.

Die letzten Jahre

1661 ließ der Graf die völlig zerstörte Elmshorner Kirche wiederaufbauen und stiftete dort u. a. den Altar. Zu Michaeli 1663 gründete er in Elmshorn außerdem das Präbendenstift, ein Spital, das der Versorgung alter und kranker Menschen dienen sollte. Als er zwei Monate später in seinem Kopenhagener Palais mit 49 Jahren plötzlich starb, wurde für ihn ein fürstliches Leichenbegängnis veranstaltet, das sich in Etappen über ein halbes Jahr erstreckt. Seine erstgeborene Tochter Margarethe Dorothea (1642–1665) und sein Sohn Detlev (1644–1697) überlebten ihn.

Die Entstehung der freien Reichsgrafschaft

Das Amt Barmstedt

Das Amt Barmstedt umfasste im Mittelalter die Kirchspiele Barmstedt – zu dem auch die Hörner Dörfer gehörten – und Elmshorn in seinem nördlich der Krückau gelegenen Teil. Auf der Wasserburganlage auf den Krückauinseln nahe beim Kirchdorf Barmstedt saß ein adliger Amtmann und verwaltete das Gebiet im Auftrag des Schauenburger Grafen von Holstein-Pinneberg. Diese Grafschaft umfasste etwa das Gebiet des heutigen Kreises Pinneberg und wurde von Bückeburg und Stadthagen (im heutigen Niedersachsen) aus regiert. Der letzte männliche Erbe der Schauenburger Grafen, Otto VI., starb 1640 bei einem Gelage. Danach teilten der dänische König und der Gottorfer Herzog die Grafschaft unter sich auf. Das Amt Barmstedt fiel an Gottorf.

Das Amt kommt in Rantzauer Besitz

Der Ritter Christian Rantzau, königlicher Statthalter in den Herzogtümern Schleswig und Holstein und Amtmann auf der Steinburg, interessierte sich sehr für dieses Gebiet, denn es grenzte an sein Breitenburger Gebiet. Außerdem war es kein Lehen des Herzogtums Holstein. Christian war mit dem Drost des Amtes Barmstedt, Johann Adolf Kielmann, befreundet. Da dieser gleichzeitig gottorfischer Kanzler war, konnte er für seinen Freund Rantzau den Verkauf einfädeln. In dem Kauf- und Tauschvertrag vom 28. Dezember 1649 erwarb Christian Rantzau das Gebiet. Es hatte eine Größe von 228 qkm und ging im Tausch für die Güter Rantzau in Ostholstein und Koxbüll sowie gegen Zahlung von 101.000 Taler an Christian über. Das Geld wurde auf dem »Kieler Umschlag« übergeben, dem alljährlich im Januar stattfindenden Treffen der Edelleute und Kaufherren zur Abwicklung von Geldgeschäften.

Die Freie Reichsgrafschaft Rantzau entsteht

Der königliche Statthalter Christian Rantzau musste unmittelbar danach im diplomatischen Auftrag an den Kaiserhof in Wien reisen. Er sollte stellvertretend für den frisch gekrönten Friedrich III. von Dänemark-Norwegen die Belehnung mit dem Herzogtum Holstein entgegennehmen. Persönlich verfolgte er daneben das Ziel, sich bei dieser Gelegenheit den Gebietstausch bestätigen zu lassen. Aber die politische Situation nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges eröffnete dem Ritter Christian Rantzau unerwartet noch viel bessere Aussichten. Die Position des Kaisers im Reich war geschwächt. Deshalb hatte Kaiser Ferdinand III., gestützt auf sein althergebrachtes Recht der Rangerhöhung, viele seiner Getreuen zu Reichsfürsten gemacht. Damit hoffte der Kaiser, bessere Bedingungen für die bevorstehenden Verhandlungen über eine Reichsverfassung zu erreichen. Christian Rantzau trat überaus prächtig auf. Mit einem Gefolge von 120 Personen in einheitlichen grünen Livreen und in zwei sechsspännigen Karossen fuhr er nach seiner Ankunft in Wien im Frühsommer 1650 täglich zu Hofe. Als Geschenk des Königs übergab er dem Kaiser acht völlig gleich aussehende Holsteiner Pferde, die er auf eigene Kosten in kostbare Schabracken mit dem königlichen Wappen hüllen ließ. So wurde Christian Rantzau zunächst zum kaiserlichen Kammerherrn ernannt und im November schließlich vom Ritter zum Reichsgrafen gefürstet. Die Grafenwürde wurde dabei aufgrund eines genealogischen Gutachtens aus dem 16. Jahrhundert lediglich erneuert. Der Kaiser erhob das Amt Barmstedt damit zur reichsunmittelbaren, »gefreiten“ Grafschaft Rantzau. Als Mitglied des Hochadels »mit Comitiv und Palatinat« hatte Christian Rantzau nunmehr Platz und Stimme auf den Reichstagen. Ihm stand das Recht zu, die Todesstrafe zu verhängen, Erhebungen in den Adelsstand vorzunehmen, eigene Münzen zu prägen und eine Residenz bei Barmstedt zu bauen. Die Erbfolge war für einen Reichsgrafen in der »Primogenitur« geregelt, durch die das gesamte Erbe dem ältesten Sohn zufiel. Die Residenz entstand in den folgenden Jahren durch Umbau des Hauses Barmstedt, der alten Burganlage der Schauenburger auf den Krückauinseln. Der Umbau wurde bis 1657 durchgeführt. Berichte und die späteren Inventarien zeigen, dass die Grafen hier eine durchaus fürstliche Hofhaltung betrieben, wenn sie auch zumeist auf ihrem Gut Drage nördlich von Itzehoe wohnten. Die in dieser Ausstellung gezeigten Münzen der Grafen Christian und Detlev sind sämtlich von den Münzmeistern Freude aus Hamburg und Woltereck aus Glückstadt in diesem Schloss geprägt.

Detlev Rantzau (1644 – 1697) - Zweiter Reichsgraf und Statthalter

Detlev Rantzau, Sohn des Reichsgrafen Christian Rantzau, erbte die Herrschaft über die Grafschaft Rantzau und tätigte folgenschwere Verfügungen. Er erhielt ebenfalls hohe Ämter im dänischen Königreich.

Graf, Staatsmann und Familienvater

Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1663 wurde der 19-jährige Detlev Rantzau neuer Landesherr der Reichsgrafschaft Rantzau. König Friedrich III. verlieh ihm die gleichen Ämter, die sein Vater innegehabt hatte, und machte ihn zusätzlich zum Lehnsgrafen. Allerdings war er bis 1685 nur Vize-Statthalter. Er heiratete 1664 Catharina Hedwig von Brockdorff, mit der er zwölf Kinder hatte, von denen jedoch nur drei ihn überlebten. Hauptwohnsitz der Familie war Drage bei Itzehoe.

Landesherrliches Kirchenregiment

Die Rolle des Obersten Kirchenherrn nahm der neue Graf sehr ernst. Er berief einen eigenen Propsten, der zugleich Hofprediger und Pastor in Barmstedt wurde. Für die alte Kirche in Barmstedt ließ Detlev Kollekten veranstalten und eine Orgel einbauen. Ab 1669 wurden zum ersten Mal Kirchenbücher eingeführt; für die Kinder erließ Detlev eine Schulpflicht. Im Jahr 1673 berief er den später als Prähistoriker berühmt gewordenen Christian Detlef Rode als Pastor.

Wirtschaft und Finanzen

Genau wie sein Vater ließ Graf Detlev Dukaten und Taler prägen. Auf Schloss Rantzau wurden allerdings auch »Wippermünzen« mit reduziertem Edelmetallgehalt hergestellt. Als die unzulässige Wertminderung auffiel, mussten die Münzen wieder eingeschmolzen werden. Für seine Untertanen senkte Detlev einige der unbeliebten Abgaben und führte mit ihrer Zustimmung eine Biersteuer ein. Zur Verbesserung der Staatsfinanzen ließ er am Pfahlkrug in Elmshorn eine neue Zollstelle einrichten und ordnete außerdem an, im Land Steindämme zur Förderung des Handels zu bauen.

Gründung einer jüdischen Gemeinde

Graf Detlev stellte dem jüdischen Händler Berend Levi im Jahre 1685 einen Schutzbrief zur Niederlassung in Elmshorn aus. Damit gab es neben Altona und Glückstadt nun eine weitere der wenigen Ansiedlungsmöglichkeiten für Juden im Nordelbischen Gebiet.

Schwere Hypothek für den Erben

In der geheimen »Donationsacte« aus dem Jahr 1669 verfügte Detlev Rantzau für sich und seine Erben, dass der dänische König als Sohn adoptiert werden solle für den Fall, dass seine eigenen Söhne keine männlichen Erben haben sollten. Die Grafschaft und die Herrschaft Breitenburg sollten dem Vertrag zufolge dann an den dänischen König fallen, die Grafschaft dafür aber auf immer eigenständig und mit ihrem Namen erhalten bleiben. In einem weiteren folgenschweren Vertrag vereinbarten der Graf und der norwegische Vizekönig Ulrik Fredrik Güldenlöw, dass Detlevs Erstgeborener die Tochter Ulriks heiraten sollte. Für den Fall, dass die Ehe nicht zustande käme, war eine Geldbuße – ein sogenannter »Reukauf« – von 30.000 Talern vorgesehen. Graf Detlef starb 1697 in Hamburg und hinterließ eine Tochter und zwei Söhne. Die Beisetzung konnte erst vier Monate später in Itzehoe stattfinden, weil der älteste Sohn und Erbe, Christian Detlev, erst aus Frankreich zurückkehren musste.

Das Leben und die Gesellschaft in der Grafschaft Rantzau

Die jüdische Gemeinde in Elmshorn

1685 - Begründung der jüdischen Gemeinde in Elmshorn

Die Niederlassung von Menschen jüdischen Glaubens war bis ins 19. Jahrhundert streng reglementiert und von landesherrlichen Vorgaben abhängig. Reichsgraf Detlev Rantzau stellte Berend Levi im Jahre 1685 einen Schutzbrief aus, der seine Niederlassung in Elmshorn ermöglichte. Damit war der erste Schritt zur Bildung einer jüdischen Gemeinde gelegt. Im Nationalsozialismus wurde die jüdische Gemeinde Elmshorn ausgelöscht, wer nicht rechtzeitig ins Ausland fliehen konnte, wurde ermordet.

Jüdische Gemeinden in Schleswig-Holstein

Seit dem Mittalter war das jüdische Leben durch viele Beschränkungen gekennzeichnet. Auch nach der Reformation bestanden weiterhin die ehemals päpstlichen Berufsverbote. So durften Juden weder ein Handwerk, noch Landwirtschaft oder Seefahrt betreiben. Trotz dieses rechtlich und sozial beschränkten Status lebten Juden Tür an Tür mit christlichen Nachbarn. Die Zahl der Juden war in Schleswig-Holstein gering, die Volkszählung 1803 erfasste 3.100 Personen. Die meisten lebten in Altona. Daneben gab es in einigen Orten kleinere Gemeinden wie in Elmshorn.

Berend Levi: festgelegt auf einen Wohnsitz in Elmshorn und Handel und Geldgeschäft

Mit seinem »Hochgräflichen Schutz-, Schirm- und Geleitbrief» Graf Detlev dem Berend Levi »nebst seinem Weibe, Kindern und Gesind … gnädig … die Möglichkeit, … in Unserem Flecken Elmshorn zu wohnen, auch daselbst und in anderen Orten unserer Grafschaft Rantzau Handel und Wandel, Kaufen und Verkaufen, Geld ausleihen und dergleichen ehrliche Hantierung zu treiben ...«

1726 – eine Gemeinde von Händlern und Hausierern

Grabstein auf dem Jüdischen Friedhof in Elmshorn
Am Ende der Grafenzeit war die jüdische Gemeinde in Elmshorn auf 24 Haushalte angewachsen. Die fortbestehenden beruflichen Beschränkungen ließen dabei nur wenig Auswahl bei der Art der wirtschaftlichen Betätigung. 1726 gehörten zu den Haushaltsvorständen 13 Hausierer (mobile, über Land ziehende Kleinhändler), 3 Händler, 1 Schlachter (Schächter), 2 Glaser, 1 Rabbiner und 3 Haushalte ohne Angaben. Über ein eigenes Haus verfügte kein Mitglied der jüdischen Gemeinde, alle wohnten zur Miete (»Häuerling«).

Gewährung eines Begräbnisplatzes – bis heute ein jüdischer Friedhof

Beerdigungen auf christlichen Friedhöfen waren Juden nicht erlaubt. In manchen Städten wurde ihnen generell ein Begräbnis auf städtischen Grund versagt. Graf Detlev gestattet Berend Levi für den Fall seines Todes ein Begräbnis auf einer dazu bereits angekauften Fläche in Elmshorn. Dieser Begräbnisplatz lag damals weit außerhalb der bebauten Ortschaft. Dieser jüdische Friedhof besteht an dieser Stelle bis heute, die letzte Beerdigung fand 1939 statt.

Die Kirchen der Grafschaft

Die Nikolaikirche in Elmshorn und die Heiligen-Geist-Kirche in Barmstedt – bauliche Zeugen der Reichsgrafenzeit

Die Bewohner der Grafschaft Rantzau waren in der weit überwiegenden Mehrzahl evangelisch-lutherische Christen. Nach dem lutherischen Kirchenverständnis waren die Reichsgrafen Rantzau ihre obersten Herren. Dieses Recht nahmen sie z.B. durch die Berufung der Pastoren und durch den Vorsitz bei kirchlichen Zusammenkünften wahr. Außerdem sorgten sie für die bauliche Unterhaltung und die Ausstattung der Kirchen in ihrer Grafschaft

St. Nikolai Elmshorn

1657 wurde Elmshorn im sogenannten Zweiten Nordischen Krieg (1657 – 1660) durch schwedische Truppen zerstört. Auch die Nikolaikirche wurde zusammen mit ihrem kostbaren Altar von 1643 vernichtet. Graf Christian Rantzau veranlasste den Wiederaufbau. 1661 wurde die wiederaufgebaute Kirche eingeweiht. Aus dieser Zeit stammen heute noch der Altar mit dem Wappen der Rantzaus und wahrscheinlich auch der Opferstock. In den Jahren danach sorgte Detlev Rantzau für die weitere Ausstattung der Kirche. So wurden sukzessive Kirchenbänke angeschafft, vorher mussten die Kirchenbesucher stehen. 1684 erhielt die Kirche eine Orgel, die von Arp Schnitger und Joachim Reichborn gefertigt wurde. Auch die Emporenbilder mit biblischen Motiven stammen z.T. aus dem 17. Jahrhundert. Das Kirchspiel Elmshorn umfasst auch südlich der Krückau gelegene Orte, die nicht zur Reichsgrafschaft gehörten. Bei einer Neubesetzung von Pfarrstellen verlangten diese ein Mitspracherecht, das Graf Christian Detlev nicht gewähren wollte. Deshalb kam es 1702 zum Elmshorner »Preesterkreeg«. Die ausgegrenzten Kirchspielangehörigen versuchten durch Kirchenbesetzung eine Amtseinführung zu verhindern. Nach der handstreichartigen Einführung eines vom Grafen durchgesetzten Kandidaten wurden dessen Gottesdienste boykottiert.

Heiligen-Geist-Kirche Barmstedt

Die heutige Barmstedter Kirche geht auf Wilhelm Adolph Rantzau zurück. Während der Haftzeit seines Bruders Christian Detlev übernahm er 1715 die Regentschaft in der Grafschaft Rantzau und ließ am Platze der baufälligen romanischen St. Margarethenkirche die Heiligen-Geist-Kirche erbauen. Sie wurde am Pfingsttage 1718 eingeweiht, höchstwahrscheinlich im Beisein des Regenten und seiner Ehefrau, einer geborenen Gräfin Sayn-Wittgenstein. Am Grafenstuhl in der Kirche sind beide gräflichen Wappen zu sehen. Ebenso finden sich diese auf einem kostbaren Altarbehang, der im Museum ausgestellt ist. Zur Regelung des kirchlichen Lebens erließ Wilhelm Adolph eine umfangreiche Kirchenordnung.

Hufner, Handwerker und Händler – die wirtschaftliche Basis der Grafschaftschaft Rantzau

Die Frühzeit der Reichsgrafenzeit – Kriegszerstörungen und Bevölkerungsverluste

Die frühe Zeit der Reichsgrafschaft war durch die umfangreichen Zerstörungen und Belastungen des 30-jährigen Krieges, aber besonders auch durch den bald darauf folgenden Nordischen Krieg (1657 – 1660) geprägt. Die durchziehenden Truppen requirierten Lebensmittel und Viehfutter und setzten Gebäude in Brand. Viele Bewohner flohen oder wurden durch Krankheiten dahingerafft. Die wirtschaftliche Basis der Reichsgrafschaft war dadurch stark beeinträchtigt.

Das „Inventarium“ von 1726

Bis zum Ende der Reichsgrafenzeit erholte sich das Gemeinwesen, unterbrochen allerdings durch einen nochmaligen Nordischen Krieg (1700 – 1716) um die Vorherrschaft im Ostseeraum. Als die Grafschaft unter dänische Herrschaft kam, wurde 1726 ein Inventar angelegt, in dem die Steuerpflichten der Bewohner festgehalten wurden. Dieses Verzeichnis erfasste alle Haushalte mit ihrer wirtschaftlichen Situation. Haus- und Grundeigentümer sind darin ebenso wie die „Häuerlinge“ und „Insten“ – also von zur Miete wohnende Haushalte –, sowie die Altenteiler gesondert registriert.

Zahl der Haushalte im Jahr 1726


Kirchdorf Barmstedt: 156
Kirchdorf Elmshorn: 287
Übrige Dörfer: 537
Gesamt: 980

Raa Besenbek: Hier lagen keine Angaben vor

Da zu einem Haushalt mehr Personen gehörten als heute, kann man von einer Gesamteinwohnerzahl von maximal 6000 Personen ausgehen. Die beiden Kirchdörfer Barmstedt und Elmshorn waren durch sog. Ackerbürger geprägt. Ihre Häuser standen eng zusammen und waren baulich auf Viehhaltung und Landwirtschaft ausgerichtet. Daneben gab es Handwerksbetriebe. In Elmshorn sind von den 287 Haushalten 102 Handwerker und Händler. Sie betrieben oftmals auch nebenher auch noch Landwirtschaft. Die Berufsangaben belegen ein arbeitsteiliges Wirtschaftsleben: Krämer, Kornhändler, Schuster, Schneider, Zimmerer, Grobschmied, Bäcker, Tischler, Ewerführer, Drechsler, Mauerer, Färber, Kleinschmied, Tabakspinner, Barbier, Musikant, Riemer (Sattler), Rademacher (Stellmacher) Ledertauer (?), Weißgerber, Schlachter, Apotheker, Böttcher, Scharfrichter, Fuhrmann, Kuhlengräber (Totengräber). Unter ihnen bilden die Schuster mit 13 Vertretern schon die größte Gruppe. Zu Barmstedt kann man leider momentan noch nicht so genaue Angaben machen.

Kirchenwesen und Armenfürsorge – eine Aufgabe der reichsgräflichen Landesherren

Die Versorgung alter, aber auch kranker Menschen war bis ins 19. Jahrhundert vorrangig die Aufgabe der Familienangehörigen. Wer keine Angehörigen hatte, die ihm helfen konnten, war auf Bettelei oder öffentliche Unterstützung angewiesen. Graf Christian errichtete für diese Menschen 1663 das Präbendenstift in Elmshorn.

Ein Haus für die Armen

Christians Stiftung bestand aus einem Armenhaus – dem Präbendenstift (lat. praebenda = Unterhalt) – und 12.700 Reichstalern Spezies für den laufende Unterhalt. Die Statuten besagten, dass nur solche Menschen aufgenommen werden konnten, die in der Grafschaft Rantzau oder dem Gut Breitenburg entweder geboren oder „verehelicht“ waren. Sie durften nicht „das Ihrige muthwillig verthan oder sonst der Almosen sich unwürdig gemacht“ haben und sie mussten durch Alter, Krankheit oder „andere Göttliche Verhängnisse“ in „beschwerliche Armuth gerathen“ sein. Außerdem mussten sie einen ehrlichen Namen tragen. Das Haus bot Platz für 14 Personen, wobei die armen Leute in Doppelzellen lebten. Ein Platz musste für einen gebrechlichen Hofbedienten offen gehalten werden. Die Bewohner mussten ihr eigenes Bett mitbringen. Nach ihrem Tod ging es auf das Stift über.

Die Verwaltung der Stiftungsgelder

Verwaltet wurde die Stiftung durch ein Gremium, zu dem neben dem Grafen selbst die Elmshorner Prediger, der Kirchspielvogt und die beiden Vorsteher des Stiftes gehörten. Die Dokumente über das Stiftungsvermögen wurden mehrfach gesichert aufbewahrt. Trotzdem wurde das Vermögen offenbar unter den Grafen Christian Detlev und Wilhelm Adolph zweckentfremdet.

Die Glocke – Sinnbild frommer Lebensführung

Selbstverständlich wurde von den Präbenden eine fromme Lebensführung erwartet. Zu den regelmäßigen gemeinsamen Andachten rief eine Glocke, die sich in einem Dachreiter auf dem First des Stiftes befand. Auf ihr prangt das gräfliche Wappen. Gegossen wurde sie 1663 in der Werkstatt des Franziskus Roen in Glückstadt. Das Stiftsgebäude aus der Rantzau-Zeit wurde 1890 abgerissen und eine neue Stiftsanlage mit einer eigenen Kirche geschaffen. Die Glocke blieb erhalten und kam in die historische Sammlung der Stadt Elmshorn.

Christian Detlef Rantzau (1670 – 1721) und Wilhelm Adolf Rantzau (1687 – 1734)

Verfeindete Brüder

Christian Detlef Rantzau, ältester Sohn des Reichsgrafen Detlev, übernahm die Grafschaft Rantzau 1697, geriet aber bald mit dem König sowie seinen Untertanen in schwerste Konflikte. Nachdem er in Berlin 1715 gefangengesetzt worden war, übernahm sein Bruder Wilhelm Adolf die Regierungsgeschäfte, wurde aber von seinem älteren Bruder 1720 daraus mit Gewalt wieder verdrängt. Kurze Zeit später fiel Christian Detlef einem Mordanschlag zum Opfer. Der jüngere Bruder nahm deshalb offiziell Besitz von der Grafschaft, wurde jedoch in einem Verfahren der dänischen Krone wegen Mittäterschaft am Mordkomplott schuldig gesprochen und lebenslang eingekerkert. Die Grafschaft wurde im Jahre 1726 durch königliche Beamte beschlagnahmt.

Unglücklicher Start

Mit 27 Jahren kehrte Christian Detlef von einer ausgedehnten Kavalierstour aus Frankreich zurück und übernahm im Jahr 1697 die Reichsgrafschaft Rantzau. Mit König Friedrich IV. überwarf er sich sogleich, weil er die vom Vater vertraglich versprochene Heirat mit der Tochter des norwegischen Vizekönigs Güldenlöw weder vollziehen noch die Entschädigungssumme bezahlen wollte. Friedrich IV. entzog Christian Detlef daraufhin alle Ehren und Ämter sowie die Einnahmen auf dänischem Gebiet.

Die Grafschaft gerät in den Großen Nordischen Krieg

Im Jahr 1700 begann der »Große Nordische Krieg« um die Vorherrschaft im Ostseeraum, der bis 1721 dauerte. Die Grafschaft Rantzau blieb neutral. Trotzdem besetzten dänische Truppen im ersten Kriegsjahr Elmshorn, um Schanzen gegen die Schweden aufzubauen. Rantzaus Proteste gipfelten in Glückstadt in einem tätlichen Streit zwischen König und Graf. Auf anderer Ebene wurde der Konflikt um die Besetzung einer Elmshorner Pfarrstelle geführt. Graf Christian Detlef schickte dabei Barmstedter Bauern mit Knüppeln zum Schutz des Gottesdienstes zur Einführung des Pastors Müller in die Elmshorner Kirche. Seine Barmstedter Pastoren kehrten dem Grafen jedoch bald den Rücken.

Gottorfer Intrigen

Geldnot führte den Grafen dazu, seine Untertanen immer willkürlicher zu drangsalieren. Überhöhte Forderungen und Verhaftungen trugen ihm den Hass der Bauern ein. Diese Lage nutzte die Gottorfer Regierung unter dem Geheimen Rat von Görtz aus und schürte einen Aufstand, um die Grafschaft wieder in eigenen Besitz zu bringen. So wurde Schloss Rantzau 1705 von Bauern gestürmt und die Gefangenen befreit. Daraufhin erbat Graf Christian Detlef beim Niedersächsischen Kreis Dragoner zu seinem Schutz. Geschickt wurden jedoch Gottorfer Truppen, mit denen Görz erreichte, dass die Untertanen dem Gottorfer Herzog huldigen. Reichsgerichte sprachen die Grafschaft jedoch erneut Rantzau zu.

Der Bruder übernimmt für kurze Zeit die Regentschaft

Als der Graf 1715 in Berlin seine Cousine, die Gräfin von Cosel, besuchte, wurde er auf Befehl des preußischen Königs wegen des Vorwurfs der »Sodomie«, wie damals homosexuelle Handlungen genannt wurden, verhaftet und eingekerkert. Wilhelm Adolf, der 17 Jahre jüngere Bruder des Grafen, übernahm die Regentschaft und bewies seinen Anspruch auf den Grafentitel unter anderem dadurch, dass er die Barmstedter Kirche neu erbauen ließ.

Der Grafenmord

Im Jahr 1720 wurde Christian Detlef Rantzau aus der Haft entlassen. Daraufhin kam es zu einem mit Soldaten und Aufständischen geführten Kampf um das Schloss Rantzau. Der ältere Bruder gewann bald die Oberhand. Im folgenden Jahr jedoch wurden mehrere Anschläge auf ihn verübt, die in seiner Ermordung im November 1721 gipfelten.

Das Ende der Freien Reichsgrafschaft

Der neue Graf Wilhelm Adolf ließ die Trauerglocken läuten und setzte eine Belohnung für die Ergreifung des Täters aus. Dennoch wurde er der Mittäterschaft angeklagt. Unter der Folter befragte Zeugen belasteten ihn schwer. So wurde er 1726 von einer Kriminalkommission in Rendsburg zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt. Die anderen Beschuldigten erhielten die Todesstrafe oder wurden zu lebenslanger Zwangsarbeit an die Karre geschmiedet. Gleich nach der Urteilsverkündung am 9. April 1726 wurde die Grafschaft von königlich-dänischen Landräten beschlagnahmt. Ein genaues »Inventarium« wurde erstellt und ein königlich-dänischer Administrator als oberster Verwaltungsbeamter eingesetzt.

Münzen und Geldwesen zur Zeit der Grafschaft Rantzau

Taler und Dukaten – das Geld der Neuzeit

Etwa um 1500 wandelte sich die Welt radikal. Quelle des feudalen Wohlstands war im Mittelalter noch das Grundeigentum. Die Bauern erzeugten fast alles selbst, was sie zum Leben brauchten. Einen Teil davon – den Zehnten (Teil) – mussten sie an den Grundherrn und die Kirche abgeben. Mit dem Beginn der Neuzeit aber wurde der Handel immer wichtiger und damit das Geld in Form von Münzen. Diese bestanden im Wesentlichen aus Gold oder Silber und erhielten ihren Wert durch den Edelmetallgehalt. Bei größeren Geldgeschäften wurden Goldmünzen bevorzugt. Zu ihnen gehörten die Dukaten, die ab 1559 zu Reichsmünzen erklärt wurden. Sie gab es allerdings nur in verhältnismäßig geringer Stückzahl und deshalb wurden sie entweder zur Zahlung großer Beträge gebraucht oder von großen Herren als Sammelgegenstände gehortet. Die größten Goldmünzen waren die Portugalöser, die über 30 g Gold enthielten. Der englische Rosenobel war besonders beliebt. Er wog 7,7 g und wurde auch auf dem Kontinent als Handelsmünze genutzt. Nach 1500 stieg das Angebot an Silber massiv an. In Südamerika ließen die spanischen Konquistadoren riesige Mengen des Edelmetalls aus den Bergwerken nach Europa schaffen. Mit diesen »Reales« bezahlten die spanischen Könige ihre Kriege und Luxusgüter für die Hofhaltung. Auch in Tirol und in Böhmen wurden große Silbervorkommen entdeckt. Nach dem Prägeort Joachimstal erhielten die neuen Silbergroschen im Reich jetzt den Namen Taler. Diese Silbermünzen verbreiteten sich schnell über große Teile Europas. Der Taler als neue Münzsorte wurde ab 1566 zur Reichsmünze. Es wurde als sogenannter »Münzfuß« festgelegt, dass 8 Taler aus einer Kölnischen Mark (Gewichts-Mark) lötigen Silbers geschlagen werden sollte. Ein Taler sollte demnach 25,984 g Feinsilber (in heutigem Gewicht) enthalten und 24 Schillinge wert sein. Ein Schilling hatte entsprechend 25,984 / 24 = 1,082 g Silber zu enthalten. Auch die übrigen umlaufenden Münzen erhielten ihren Wert durch ihren jeweiligen Silbergehalt.

Der Wert des Geldes

In Schleswig und Holstein bestand das umlaufende Geld aus verschiedenen Münzsorten unterschiedlicher Herkunft. Auch hier galten die Reichsmünzen. Aber der Wendische Münzverein mit Lübeck und Hamburg an der Spitze hatte als Währung weiterhin die Silbermark zu 16 Schilling und zu 192 Pfennig. Man einigte sich darauf, dass ein Reichstaler in Lübischer Währung 31 Schilling wert sein sollte. Die Herzöge von Holstein-Gottorf und die dänischen Könige ließen in ihren Münzstätten diverse Münzsorten prägen: Sechslinge (6 Pfennig), Schillinge (12 Pfennig), Doppelschillinge, Markstücke (16 Schillinge oder 192 Pfennige, Taler zu 24 Schilling, Speziestaler (Doppeltaler). In Dänemark wurde zusätzlich die Krone eingeführt. Problematisch war der immer geringer werdende Wert der Kleinmünzen. Denn den geringwertigeren Münzen musste wegen ihrer besseren Handhabbarkeit Kupfer beigemischt werden. Je geringwertiger sie waren, desto höher war deshalb der Kupfergehalt. In der Herstellung waren sie deshalb teurer als ihr Nominalwert. Um das zu kompensieren, verfielen die Landesherren als Münzherren darauf, den Silbergehalt im Laufe der Zeit immer weiter zu reduzieren, so dass dieser immer stärker von ihrem Nominalwert abwich. Besonders die Fürsten, die für ihre Kriege Landsknechte zu bezahlen hatten, ließen Kleinmünzen mit minderem Silbergehalt in sehr großer Stückzahl herstellen. Beim Umtausch der Münzen in die »guten«, d. h. höherwertigen, Münzen konnten findige Geschäftsleute große Gewinne machen. Münzherren ließen hochwertige Münzen aufkaufen, einschmelzen und daraus geringhaltige Kleinmünzen schlagen. Dieses Problem tauchte immer wieder auf und führte dazu, dass Städte und Landesherren die Münzen anderer »in Verruf« brachten. Außerdem wurde in mehreren Verträgen der Versuch gemacht, »endgültig« klare Regelungen über den Feingehalt der Münzen festzulegen.

Das Amt kommt in Rantzauer Besitz

Der Ritter Christian Rantzau, königlicher Statthalter in den Herzogtümern Schleswig und Holstein und Amtmann auf der Steinburg, interessierte sich sehr für dieses Gebiet, denn es grenzte an sein Breitenburger Gebiet. Außerdem war es kein Lehen des Herzogtums Holstein. Christian war mit dem Drost des Amtes Barmstedt, Johann Adolf Kielmann, befreundet. Da dieser gleichzeitig gottorfischer Kanzler war, konnte er für seinen Freund Rantzau den Verkauf einfädeln. In dem Kauf- und Tauschvertrag vom 28. Dezember 1649 erwarb Christian Rantzau das Gebiet. Es hatte eine Größe von 228 qkm und ging im Tausch für die Güter Rantzau in Ostholstein und Koxbüll sowie gegen Zahlung von 101.000 Taler an Christian über. Das Geld wurde auf dem »Kieler Umschlag« übergeben, dem alljährlich im Januar stattfindenden Treffen der Edelleute und Kaufherren zur Abwicklung von Geldgeschäften.

Das 16. Jahrhundert – eine Glücksphase für Gutsbesitzer und Großhändler

Die Unsicherheit über den Wert der Münzen zusammen mit einer extrem ansteigenden Nachfrage nach landwirtschaftlichen Gütern aus dem Ausland führte zu der sogenannten Preisrevolution des 16. Jahrhunderts. Während bei einer Inflation sowohl Preise als auch Löhne ansteigen, führte diese Entwicklung zu immens steigenden Preisen bei gleichbleibenden Löhnen. Die Ursache war eine extreme Nachfrage nach Getreide und Fleisch aus den Niederlanden, die als erster Staat ein globales Handelsimperium aufbauten, und dem Mittelmeergebiet, in dem sich mehrere Missernten ereignet hatten. Die Gutshöfe in den Herzogtümern, aber auch Marschbauern konnten immer stärkere Überschüsse produzieren und diese Nachfrage bedienen. Durch Holstein zogen jetzt die großen Ochsenherden nach Süden, in manchen Jahren bis zu 50.000 Stück Vieh. Bezahlt wurde in »guten« Talern oder Goldmünzen. Die einfachen Bauern jedoch, die zu dieser Zeit von ihren geringen Überschüssen Waren zu höheren Preisen zu bezahlen hatten, verarmten oder mussten ihre Höfe aufgeben. Ihre »Hufen« schlugen die Gutsherren vor allem in Ostholstein daraufhin meist den Gütern zu und die Bauern wurden zu Leibeigenen. Betroffen waren auch die Festbesoldeten, die ihre Einkommen in den verschlechterten Münzsorten erhielten.

Die Zeit der Kipper und Wipper

Mit dem Reichsabschied von 1572 wurden Hamburg und Lübeck als Münzstätten anerkannt. Fortan galt: 1 Rtlr (Reichstaler) = 2 Mark (lübsch) = 32 β (Schilling) = 64 Sechsling = 128 Dreiling = 384 ₰ (Pfennig). Allerdings führte auch diese Festlegung nicht zu einer Sicherheit über den Wert des Geldes, das man vor sich hatte: »Große und kleine Münzen aller deutschen Münzstände und dazu auch noch ausländische rollten durch das Land, ohne daß man wusste, ob sie auch nach dem vorgeschriebenen Münzfuße geschlagen waren. Nur zu oft waren sie es nicht und wurden dann nach Feststellung ihres wirklichen Wertes nicht bloß auf allgemeinen Probations- und Valvationstagen, sondern bisweilen auch von diesem oder jenem Landesherrn oder dieser oder jener münzberechtigten Stadt in Verruf erklärt.« (Waschinski, S. 27). Gleichzeitig wurden immer mehr Kleinmünzen mit schlechterem Wert in Umlauf gebracht, so dass auf einen Taler immer mehr Schillinge kamen. Geschäftstüchtige Menschen horteten darauf Taler, die in den Herzogtümern nur 32 Schillinge wert waren, und brachten sie in den Hansestädten in Umlauf, wo sie bis zu 37 Schillinge wert waren. Das konnte einen Gewinn von 10 % bringen. Die gleiche Entwicklung fand in Dänemark statt. Hier kamen auf einen Taler 1602 noch 66 Schillinge, 1624 aber schon 100. Die guten Speziestaler wurden eingeschmolzen und stattdessen wurden schlechthaltige Kleinmünzen geprägt. Man behalf sich in Holstein damit, dass in Verträgen etc. die alte Mark Lübsch zu 16 Schilling eingesetzt wurde und die Forderung »in harten Talern zu zahlen« aufkam. 1619 wurde die Hamburger Bank gegründet. Um die Spezies- oder Bankotaler vor Schiebern und Betrügern (Kipper und Wipper) zu schützen, wurden sie eingelagert und den Kunden gutgeschrieben. Daraus entstand die Rechnung nach Mark Spezies Banko (1000 Mark Spezies Banko = 1001 5/8 Mark Banko). So entstand der Geldersatz aus Papiergeld, oft Zettel genannt.

Das Neue Münzsystem ab 1622 – kein Schutz gegen Münzverschlechterung

Ab 1622 galt in Holstein ein System, das bis 1775 dauerte: 1 Reichsthaler = 3 Mark Lübisch = 4 Ort (Vierteltaler) = 16 Düttchen =48 β (Schilling) Lübisch = 96 Sechslinge = 192 Dreilinge = 576 ₰ (Pfennig). Dennoch blieb das Problem bestehen. Schwere und feinhaltige Münzen wurden von gerissenen Geschäftsleuten aus dem Verkehr gezogen, in Heckenmünzen eingeschmolzen und dann daraus geringhaltigere Sorten hergestellt (Waschinski, S.38). Besonders Fürsten, die im Dreißigjährigen Krieg ihre Söldner bezahlen mussten, brauchten große Mengen Kleingeld, so dass sie diese in immer größeren Mengen und geringhaltiger herausbrachten. Deshalb wurde privat der Taler nicht mehr mit 48, sondern mit mehr Schillingen bewertet. Nachdem Brandenburg, Kursachsen und Braunschweig-Lüneburg 1667 den neuen Zinnaischen Münzfuß einführten, der geringhaltigere Taler vorsah (1 Mark fein zu 10 ½ Taler), brachten viele kleine Reichsfürsten daraufhin noch geringhaltigere Kleinmünzen auf den Markt. Auch Graf Detlef Rantzau versuchte dies. Daraufhin wurde 1690 der neue Leipziger Münzfuß (1 Mark fein zu 12 Taler) angenommen und breitete sich über ganz Deutschland aus.

Schloss Rantzau als Münzstätte

Die Münzen des Grafen Christian - Schloss Rantzau wird Münzstätte

Mit Erlangung der Reichsgrafenwürde 1650 erhielt Graf Christian zu Rantzau die Berechtigung zum Schlagen von Gold- und Silbermünzen, die noch vom Reichstag, dem Niedersächsischen Kreis und den Nachbarn, Herzog Friedrich III. von Gottorf und König-Herzog Friedrich III. von Dänemark, bestätigt werden musste. Das war bis Januar 1654 geschehen. So entstanden in Rantzaus Auftrag 10.000 Reichstaler in Silber und in den Jahren 1655, 1656 und 1658 insgesamt 11.200 Dukaten in Gold. Der Graf hatte selbst für eine großen Vorrat an Rosenobels gesorgt, die zur Herstellung der Rantzau-Dukaten eingeschmolzen wurden. Alle vorbereitenden Arbeiten wurden in der Hamburger Münzstätte durch den Münzmeister Matthias Freude dem Älteren durchgeführt und dann auf Schloss Rantzau mit einem für diese Münzen hergestellten Prägestempel und Stock geschlagen. Freude versah alle durch ihn ausgeprägten Stücke mit seinem Zeichen, den gekreuzten Zainhaken mit durchgestecktem Dreiblatt. »Von jedem Tausend Reichstaler könne einer durchschnitten werden; dessen eine Hälfte könne der Münzmeister behalten, dessen andere dem Münzherrn gegeben und in eine von beiden Personen versiegelte Fahrbüchse gesteckt werden.« Der Kaufmann Hans Lambrecht sollte die Gewichte besorgen, um mit diesen die geprägten Münzen zu wiegen.

Die Münzen des Grafen Detlev zu Rantzau

Etwa 30 Jahre nach der letzten Prägung im Schloss Rantzau machte der zweite Reichsgraf Detlev am 20.12.1688 mit dem Glückstädter Münzmeister Christoph Woltereck einen Vertrag, nach dem dieser die Münzprägung pachtete und dem Grafen eine feste Abgabe zahlte. Es wurden daraufhin Dukaten aus Gold nach dem vorgeschriebenen Münzfuß hergestellt. Die Zweidritteltaler aus Silber allerdings, die er für den Gesamtwert von 156.000 Reichstalern in Auftrag gab, hatten einen geringeren Silbergehalt als vorgeschrieben. Diese Maßnahme entsprach zwar nicht den geltenden Gesetzen, war aber zu seiner Zeit durchaus üblich. Das Fehlen der Münzzeichen des Münzmeisters, Christoph Woltereck aus Glückstadt, zeigt deutlich, dass dieser offenbar wegen der möglichen Probleme nicht bereit dazu war, sein Zeichen auf die von ihm hergestellten Münzen zu setzen. Die Prägung begann 1689. Bei dem Versuch, die Münzen durch königliches Gebiet zu transportieren, um sie im Ausland in Umlauf zu setzen, kam es zu Komplikationen und der Münzmeister wurde gefangen gesetzt. »Nach den Akten der Königl. Regierungskanzlei in Glückstadt erstatteten zuerst zwei Altonaer Bürger die Anzeige, dass von einem Hamburger geringhaltiges Rantzauisches Geld verladen und zu Schiff nach Holland gehen sollte. Die Angeber beanspruchten als Lohn 1/6 der Summe. Infolgedessen beschlagnahmte man auf einem Schiff auf der Stör 2 Tonnen mit Geld; in der einen befanden sich Zweidritteltalerstücke mit dem Gepräge des Reichsgrafen Detlef zu Rantzau im Werte bis zu 2200 Reichstalern; in der zweiten fand man nicht näher bezeichnetes Kupfergeld und ungemünzte Kupferplatten, die man aber nach einigen Wochen wieder freigab. Das Silbergeld wurde nach Glückstadt gebracht, und es wurde vom König Christian V. am 27. und 30. Juli 1689 eine strenge Untersuchung über das zu gering ausgemünzte Geld, den Münzvertrag des Grafen Detlef, den glückstädtischen Münzmeister Christoph Woltereck und die Abnehmer des Geldes befohlen.« (Lange, S. 338ff) Der Münzmeister wurde ebenso wie zwei beteiligte Händler zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Der Graf erhielt 1693 dagegen die Erlaubnis, das restliche Geld über königliches Gebiet in die Niederlande transportieren zu lassen. Es durfte jedoch unter keinen Umständen hier ausgegeben werden. Ob die beabsichtigte Prägung weiterer 2/3- und 1/3-Taler noch zustande kam, ist nicht bekannt.

Der Herstellungsprozess von Münzen im 17. Jahrhundert

Es gab während des 17. Jahrhunderts zwei offizielle Münzstätten in dieser Region, eine Rats-Münze in Hamburg und eine königlich-dänische Münze in Glückstadt. Reichsgraf Christian nutzte die Dienste des Hamburger Münzmeisters, Graf Detlev die des Glückstädters. Beide ließen aber ihre Münzen auf Schloss Rantzau prägen, so dass hier eine Art »Heckenmünze« (d. h. inoffizielle Münze) entstand. Die Münzprägung war ein aufwändiges Handwerk unter Leitung des Münzmeisters und unter Einsatz vieler Arbeitskräfte. Das zu verarbeitende Metall musste zunächst geschmolzen, gemischt und dann in Platten gegossen werden. Diese Platten wurden Zaine genannt und mit hölzernen Stangen bewegt, die an einem Ende einen eisernen Haken besaßen. Diese Zainhaken waren ein wichtiges Hilfsmittel bei der Bearbeitung der glühenden Metallplatten. Die Zaine wurden anschließend solange mit dem Hammer bearbeitet, bis sie die nötige Dicke für die gewünschten Münzen erreichten. Daraufhin konnten die Schrötlinge, die Münzrohlinge, aus dem Zain herausgestanzt oder ausgeschnitten werden. Diese beiden Arbeitsschritte wurden durch die Erfindung von Walzwerken und Ausstanzmaschinen wesentlich erleichtert. Schließlich wurden die Schrötlinge zwischen Vorder – und Rückseitenstempel gelegt und per Hammerschlag geprägt. Der Rückseitenstempel war dabei im Amboss fest eingelassen. Der Vorderseitenstempel wurde vom Münzmeister frei in der Hand gehalten. Auch hier vereinfachten Prägemaschinen die Arbeit. Der Münzmeister versah die durch ihn ausgeprägten Stücke mit seinem speziellen Zeichen. Damit garantierte er das richtige »Schrot und Korn«. »Schrot« steht dabei für das Gesamt- oder Raugewicht der Münze und »Korn« für den Edelmetall- oder Feingehalt der Münze, der damals für den Münzwert entscheidend war.

Über die Münzen der Ausstellung

Die Münzen und Medaillen, die für unsere Ausstellung repliziert wurden, stammen aus der Barmstedter Sammlung von Eberhard Wünsche, die über mehrere Jahrzehnte auf europäischen Münzauktionen zusammengetragen wurde. Wie viele der von den Reichsgrafen zu Rantzau erzeugten Münzen und Medaillen durch Kriege, Unwissenheit oder Wiedereinschmelzen verloren gegangen sind, lässt sich nicht mit Gewissheit feststellen. Nach Meinung des Sohnes des Barmstedter Sammlers, Frank Wünsche, liegt der Anteil vermutlich bei 50 Prozent. So lässt sich die Seltenheit der hier gezeigten Stücke erahnen. Die Barmstedter Sammlung ist also nicht vollständig. Da die fehlenden Münzen und Medaillen der Rantzauer Grafen nach Auskunft eines großen deutschen Münzauktionshauses seit Jahrzehnten nicht auf dem Markt angeboten wurden, besteht wahrscheinlich keine Möglichkeit, die Sammlung zu ergänzen.

Die ausgestellten Repliken (Nachbildungen)

Der Sohn des Sammlers unserer Münzen und Mitarbeiter des Museums der Grafschaft Rantzau, Frank Wünsche, hat mit modernen Materialien und Techniken Repliken der Barmstedter Sammlung erstellt. Ihre Herstellung wird in einem kurzen Film erklärt. Dazu sind auch ein paar begleitende Objekte und Werkzeuge ausgestellt. Sie vervollständigen die Demonstration. Die abschließende Patinierung, also Oxydation bzw. Sulfidisierung der Objekte, wird in dem Film nur kurz angedeutet. Sie beruht auf ausführlichen Experimenten und bleibt ein Geheimnis der Museumsmitarbeiter.

Christian Lange

Christian Lange (*1845 – +1914) legte mit seiner Sammlung den Grundstein für einen Katalog, der heute als Standardwerk für schleswig-holsteinische Münzen und Medaillen gilt. Die sogenannte »Lange-Sammlung« befindet sich in der schleswig-holsteinischen Landesbibliothek in Kiel. Dort sind die Fotos entstanden, mit denen unsere Ausstellung ergänzt wurde.

Die Münzen und Medaillen der Ausstellung

Hier können Sie in Kürze die Ausstellungsobjekte und die näheren Beschreibungen entdecken.

Hinweise zu den Texten und Abbildungen

  • Abbildungen der Münzen und Medaillen: Jan Teegen und Frank Wünsche
  • Wir danken dem Schloss Breitenburg für die Nutzung der von uns im Schloss gemachten Aufnahmen. (Fotos: Peter Steenbuck, Michael Theilig)
  • Texte der Ausstellung: Michael Theilig, Rainer Adomat, Barbara Leisner, Frank Wünsche, Michael Hein
  • Grafische Gestaltung: Andreas Lenz