Das Geld der Grafen: Unterschied zwischen den Versionen

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== Über die Ausstellung ==
 
== Über die Ausstellung ==
  
Im Zentrum der Ausstellung '''"Das Geld der Grafen" im Museum der Grafschaft Rantzau vom 02.06. bis 08.12. 2019''' stehen Münzen und Medaillen der Reichsgrafen Rantzau und ihrer ritterschaftlichen Vorfahren. Die gezeigten Exponate sind keine Originale, sondern Repliken, die eigens für die Ausstellung von einem Mitglied der ehrenamtlich tätigen Museumsgruppe gefertigt wurden. Ergänzt wird die Ausstellung um Objekte und Info-Tafeln, die einen Eindruck von der Entstehung der Grafschaft, ihrer Struktur und dem Leben der Bewohner vermittelt.
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[[Datei:DasGeldDerGrafenTitel.jpg|200px|thumb|left|Sonderausstellung vom 02.06.-08.12.2019]]Im Zentrum der Ausstellung '''"Das Geld der Grafen" im Museum der Grafschaft Rantzau vom 02.06. bis 08.12.2019''' stehen Münzen und Medaillen der Reichsgrafen Rantzau und ihrer ritterschaftlichen Vorfahren. Die gezeigten Exponate sind keine Originale, sondern Repliken, die eigens für die Ausstellung von einem Mitglied der ehrenamtlich tätigen Museumsgruppe gefertigt wurden. Ergänzt wird die Ausstellung um Objekte und Info-Tafeln, die einen Eindruck von der Entstehung der Grafschaft, ihrer Struktur und dem Leben der Bewohner vermittelt.
  
 
'''Münzen und Medaillen'''
 
'''Münzen und Medaillen'''

Version vom 23. Mai 2019, 12:32 Uhr

Über die Ausstellung

Sonderausstellung vom 02.06.-08.12.2019
Im Zentrum der Ausstellung "Das Geld der Grafen" im Museum der Grafschaft Rantzau vom 02.06. bis 08.12.2019 stehen Münzen und Medaillen der Reichsgrafen Rantzau und ihrer ritterschaftlichen Vorfahren. Die gezeigten Exponate sind keine Originale, sondern Repliken, die eigens für die Ausstellung von einem Mitglied der ehrenamtlich tätigen Museumsgruppe gefertigt wurden. Ergänzt wird die Ausstellung um Objekte und Info-Tafeln, die einen Eindruck von der Entstehung der Grafschaft, ihrer Struktur und dem Leben der Bewohner vermittelt.

Münzen und Medaillen

Die Reichsgrafen Christian und Detlev nutzen das mit ihrer fürstlichen Souveränität verbundene Münzrecht und ließen Münzen für den Geldumlauf prägen. Die Münzen sollten nicht nur im eigenen Territorium als Zahlungsmittel gelten. Christian Rantzau ließ für den Umlauf Golddukaten und Silbertaler prägen, als Schaumünzen fungierten sog. Portugalöser. Die Münzen trugen sein Konterfei. Sein Sohn Detlev ließ ebenfalls Golddukaten prägen, daneben auch Silbergulden. Allerdings ging er dabei nicht rechtschaffen vor. Auf der Residenz Rantzau ließ er „Wippermünzen“ mit reduziertem Edelmetallgehalt herstellen, eine unzulässige Wertminderung. Diese Aktion flog auf, die Münzen wurden wieder eingeschmolzen. Die unmittelbaren Vorfahren der Reichsgrafen prägten in kleiner Stückzahl Medaillen. Diese wurden nicht in Umlauf gebracht, sondern sollten an den Auftraggeber erinnern.

Residenz und Schloss Rantzau

Die Residenz der Grafschaft schuf Christian Rantzau auf den Krückauinseln bei Barmstedt, wo schon seit dem Spätmittelalter das Haus Barmstedt als Herrschafts- und Verwaltungssitz der damaligen Holstein-Pinneberger Grafen lag. Die heutige „Schlossinsel“ war ursprünglich eine Wasserburganlage, die aus mehreren umwallten Inseln innerhalb eines Sumpfgebiets bestand. Die Reichsgrafen Rantzau schufen dort eine Schlossanlage, die einen repräsentativen Charakter hatte. Ein neu gefretigtes, professionelles Modell der Schlossanlage im Maßstab 1:200 (1,50 m x 1,00 m) zeigt den baulichen und landschaftlichen Zustand der Residenz auf den Krückauinseln zur Grafenzeit.

Die freie Reichsgrafschaft Rantzau

Der Norden des Kreises Pinneberg mit den Hauptorten Barmstedt und Elmshorn bildete von 1650 bis 1726 einen eigenständigen Staat, die freie Reichsgrafschaft Rantzau, begründet durch den Ritter Christian Rantzau auf Breitenburg. Als Reichsgraf verfügte er über die Hoheitsrechte eines absolutistischen Herrschers, wenngleich die Zahl der Untertanen gering war und zu seiner Grafschaft nur gut 20 Bauerndörfer und zwei Kirchdörfer gehörten. Als Zeichen fürstlicher Souveränität ließen Christian Rantzau und sein Sohn Detlev Münzen als Zahlungsmittel prägen. Die Reichsgrafschaft wurde 1726 nach der Inhaftierung des letzten Reichsgrafen dem dänischen Gesamtstaat eingegliedert.

Die Grafen und die Grafschaft Rantzau

Johann Rantzau (1492 - 1565)- Der Begründer der Breitenburger Linie

Johann Rantzau, Urgroßvater des Reichsgrafen Christian zu Rantzau, verhalf durch seine Erfolge als Feldherr zwei Königen zur Herrschaft über Dänemark, Norwegen und die Herzogtümer Schleswig und Holstein. So wurde er zum wichtigen Staatsmann. Für seine eigene Familie gründete er die Herrschaft Breitenburg.

Eine steile Karriere

1492 wurde Johann auf der Steinburg bei Itzehoe geboren. Wie viele Söhne des Adels machte er als junger Mann eine »Grand Tour«, die ihn bis nach Jerusalem führte, wo er den Ritterschlag erhielt. Nach seiner Rückkehr wurde er Erzieher des Gottorfer Thronfolgers Christian. Zusammen besuchten sie Worms, wo sie Luther vor dem Reichstag sprechen hörten und zum Anhänger des Reformators wurden.

Kampf um den dänischen Thron

Der dänische König Christian II. wurde 1523 wegen seiner eigenmächtigen Reformpolitik abgesetzt. Johann Rantzau sorgte unter anderem mit einem Ritter- und Landsknechtheer dafür, dass Friedrich I. von Gottorf auf den dänischen Thron kam. Für seine Unterstützung erhielt der Adel neue Privilegien. Als sich in Dänemark die Bauern erhoben, schlug Johann Rantzau den Aufstand nieder. König Friedrich I. starb 1533. In der folgenden »Grafenfehde« half Johann Rantzau seinem ehemaligen Schüler Christian III. durch mehrere Schlachten auf den Thron.

Die Breitenburg bei Itzehoe

Als siegreicher Feldherr wurde er durch die beiden Könige, denen er zur Macht verholfen hatte, reich belohnt und mit einträglichen Ämtern belehnt. Das wichtigste Amt, das von da an faktisch auch vererbt wurde, war die Statthalterschaft für Schleswig und Holstein. Wegen der Geldnot der durch die Reformation säkularisierten Klöster konnte Johann seinen Grundbesitz stark ausweiten. Vom Kloster Bordesholm kaufte er die Störniederung bei Itzehoe, wo er ab 1530 die Breitenburg erbauen ließ. Zu dieser Zeit war er schon seit sieben Jahren mit Anna Walstorp verheiratet.

Triumph über die Dithmarscher in der »Letzten Fehde«

Obwohl Johann Rantzau sich aus Ärger über die Politik seiner Fürsten bereits zurückgezogen hatte, wurde er 1559 noch einmal Heerführer im Krieg gegen die aufständische Bauernrepublik Dithmarschen, die zuletzt im Jahr 1500 ihre Unabhängigkeit verteidigt hatte. Nach dem Sieg wurde das Land unter die drei Fürsten des Landes aufgeteilt.

Tod und Nachfolge

Johann starb sechs Jahre später. Die Herrschaft Breitenburg erbte sein Sohn Heinrich. Sein zweiter Sohn Paul bekam das Gut Bothkamp.

Heinrich Rantzau (1526 - 1598)- Statthalter, Humanist und Ökonom

Heinrich Rantzau, der älteste Sohn Johann Rantzaus, war Berater von drei dänischen Königen. Durch Heirat und geschickte Geschäfte wurde er zum reichsten Mann in den Herzogtümern Schleswig und Holstein. Aufgrund seiner hohen Bildung, seiner Korrespondenz und seiner Werke galt er als »Humanist des Nordens«. Nach seinem Vater und ihm wurde das 16. Jahrhundert in der Geschichtsschreibung Schleswigs und Holsteins oft als das »Rantzauische Zeitalter« benannt.

Königlicher Statthalter

Bereits mit 12 Jahren studierte Heinrich Rantzau an der Universität Wittenberg, erhielt dort eine exzellente Ausbildung in den Wissenschaften seiner Zeit und hielt sich oft im Hause Luthers auf. Später konnte er sich in Latein besser ausdrücken als in Deutsch. Am Hof Kaiser Karls V. lernte er die Diplomatie und die Konflikte in Europa im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation kennen. 1554 wurde er Amtmann von Segeberg. Zwei Jahre später übernahm er von seinem Vater das Amt des königlichen Staathalters unter Christian III. Als dieser 1559 starb, erreichte Heinrich Rantzau, dass die drei Fürsten des Landes gemeinsam den Feldzug gegen Dithmarschen führten.

Kreditgeschäfte und Gutswirtschaft

Seine Frau Christina von Halle brachte 1554 eine Mitgift im Wert von vier Tonnen Gold in die Ehe ein. Dadurch konnte Heinrich auf dem »Kieler Umschlag« (dem jährlichen Treffen der Edelleute und Kaufherren) Kreditgeschäfte tätigen. Später verlegte er sich auf die Gutswirtschaft, die in dieser Zeit enorme Gewinne einbrachte. Er kaufte diverse Güter hinzu und ließ Schlösser und Stadthäuser erbauen. Als erster in Schleswig und Holstein ließ er Kiefern anpflanzen. Er betrieb Schweinemast, zog Gewinn aus vielen Mühlen und verkaufte auf eigene Rechnung den Segeberger Gips.

Der Humanist

Heinrich Rantzau ist aufgrund seiner humanistischen Bildung sowie als Förderer der Künste und Wissenschaften weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden. Er korrespondierte mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit in ganz Europa und konnte dadurch seinen König mit regelmäßigen »Relationen« (Berichten) informieren. Heinrich war auch Herausgeber mehrerer lateinischer Schriften. Seine Bibliothek auf der Breitenburg umfasste über 6000 Bände, aus denen er gern zitierte.

Die Breitenburg

Die Breitenburg wurde von ihm im Stil der Renaissance zur prächtigsten Adelsburg des Landes ausgebaut. Für die öffentliche Rechtsprechung ließ er ein von Säulen gerahmtes Portal mit einem Podium und einer Freitreppe errichten. Ein Treppenturm, eine astronomische Uhr sowie ein Renaissance-Garten vor dem Wassergraben markierten deutlich den hohen Anspruch des »vicarius regius« (königlichen Statthalters), wie er sich gern nannte.

Letzte Lebensjahre und Nachfolge

Wie schon sein Vater überwarf auch Heinrich sich im Alter mit dem jungen Thronfolger von Dänemark. Christian IV. entzog ihm daraufhin sein Amt als Statthalter. Von seinen zwölf Kindern überlebten nur sieben die Eltern. Gerhard (Geert) erbte den Breitenburger Besitz und wurde wie sein Vater und Großvater königlicher Statthalter in den Herzogtümern.

Christian Rantzau (1614 – 1663)- Begründer der Reichsgrafschaft Rantzau

Christian Rantzau, Sohn des Statthalters Gerhard (Geert) Rantzau, bekleidete wie seine Vorfahren Spitzenämter in der dänischen Monarchie. Der Kaiser erhob das von ihm erworbene Amt Barmstedt zur reichsunmittelbaren Grafschaft Rantzau, deren Landesherr er damit wurde. Seine neue Residenz bei Barmstedt baute er zu einem Schloss aus.

Auf der Spur seiner Vorfahren

Christian Rantzau wurde 1614 als Sohn des Ritters und Statthalters Gerhard Rantzau auf Schloss Hadersleben geboren. Kurz nachdem sein Vater starb, wurde der Familiensitz Breitenburg 1627 von Wallensteins Truppen brutal zerstört – sechzehn Jahre später kam es im Zweiten Nordischen Krieg zu weiteren Verwüstungen. Er besuchte zu dieser Zeit als 13-Jähriger die Ritterakademie Soroe. Als bald danach auch seine Mutter starb, reiste er mit einer dänischen Delegation zum Regensburger Kurfürstentag und weiter in die Niederlande und nach Frankreich. Nach seiner Rückkehr erhielt er das Amt eines Kammerjunkers für den jungen König Christian IV. und begleitete ihn durch Norwegen. Er heiratete Dorothea von Rantzau und wurde Landrat und Amtmann in Rendsburg. Als König Friedrich III. 1648 den Thron bestieg, nahm er Christian Rantzau in den Elefantenorden auf und ernannte ihn zu seinem Statthalter in den Herzogtümern mit Regierungssitz in Glückstadt. Außerdem tauschte er das Amt Rendsburg gegen Steinburg nahe Breitenburg und wurde Dompropst in Hamburg.

Erhebung zum Reichsgrafen

Das ehemals schauenburgische Amt Barmstedt war 1640 in den Besitz des Herzogs von Gottorf gekommen. Christian Rantzau konnte es 1649 im Tausch gegen Güter sowie 101.000 Taler kaufen. Eine diplomatische Reise an den Kaiserhof in Wien im Jahre 1650 nutzte er erfolgreich, um eine Standeserhöhung vom Ritter zum Reichsgrafen zu erreichen und sein Amt Barmstedt zur Freien Reichsgrafschaft Rantzau erheben zu lassen. Seine neue Stellung als Mitglied des Hochadels drückte sich im Prägen eigener Münzen, im Bau einer Residenz bei Barmstedt und in der »Primogenitur« aus, bei der nur der älteste Sohn die Erbfolge antreten konnte.

Weiterer Aufstieg mit königlichen Ämtern

Der neu »gefürstete« Graf wurde bald auch Amtmann in Süderdithmarschen und auf Langeland sowie Präsident des Staatskollegiums und Oberstatthalter in den Herzogtümern. Im Zweiten Nordischen Krieg Dänemarks gegen Schweden (1656-61) kam es auch in der Grafschaft wieder zu furchtbaren Kriegsgräueln. An dessen Ende wurde Dänemark zur ersten absoluten Monarchie und die Ritterschaft verlor viele politische Rechte. Der Statthalter Christian Rantzau aber war jetzt selbst absolutistischer Herrscher über seine kleine Grafschaft.

Die letzten Jahre

1661 ließ der Graf die völlig zerstörte Elmshorner Kirche wiederaufbauen und stiftete dort u. a. den Altar. Zu Michaeli 1663 gründete er in Elmshorn außerdem das Präbendenstift, ein Spital, das der Versorgung alter und kranker Menschen dienen sollte. Als er zwei Monate später in seinem Kopenhagener Palais mit 49 Jahren plötzlich starb, wurde für ihn ein fürstliches Leichenbegängnis veranstaltet, das sich in Etappen über ein halbes Jahr erstreckt. Seine erstgeborene Tochter Margarethe Dorothea (1642–1665) und sein Sohn Detlev (1644–1697) überlebten ihn.

Die Entstehung der freien Reichsgrafschaft

Das Amt Barmstedt

Das Amt Barmstedt umfasste im Mittelalter die Kirchspiele Barmstedt – zu dem auch die Hörner Dörfer gehörten – und Elmshorn in seinem nördlich der Krückau gelegenen Teil. Auf der Wasserburganlage auf den Krückauinseln nahe beim Kirchdorf Barmstedt saß ein adliger Amtmann und verwaltete das Gebiet im Auftrag des Schauenburger Grafen von Holstein-Pinneberg. Diese Grafschaft umfasste etwa das Gebiet des heutigen Kreises Pinneberg und wurde von Bückeburg und Stadthagen (im heutigen Niedersachsen) aus regiert. Der letzte männliche Erbe der Schauenburger Grafen, Otto VI., starb 1640 bei einem Gelage. Danach teilten der dänische König und der Gottorfer Herzog die Grafschaft unter sich auf. Das Amt Barmstedt fiel an Gottorf.

Das Amt kommt in Rantzauer Besitz

Der Ritter Christian Rantzau, königlicher Statthalter in den Herzogtümern Schleswig und Holstein und Amtmann auf der Steinburg, interessierte sich sehr für dieses Gebiet, denn es grenzte an sein Breitenburger Gebiet. Außerdem war es kein Lehen des Herzogtums Holstein. Christian war mit dem Drost des Amtes Barmstedt, Johann Adolf Kielmann, befreundet. Da dieser gleichzeitig gottorfischer Kanzler war, konnte er für seinen Freund Rantzau den Verkauf einfädeln. In dem Kauf- und Tauschvertrag vom 28. Dezember 1649 erwarb Christian Rantzau das Gebiet. Es hatte eine Größe von 228 qkm und ging im Tausch für die Güter Rantzau in Ostholstein und Koxbüll sowie gegen Zahlung von 101.000 Taler an Christian über. Das Geld wurde auf dem »Kieler Umschlag« übergeben, dem alljährlich im Januar stattfindenden Treffen der Edelleute und Kaufherren zur Abwicklung von Geldgeschäften.

Die Freie Reichsgrafschaft Rantzau entsteht

Der königliche Statthalter Christian Rantzau musste unmittelbar danach im diplomatischen Auftrag an den Kaiserhof in Wien reisen. Er sollte stellvertretend für den frisch gekrönten Friedrich III. von Dänemark-Norwegen die Belehnung mit dem Herzogtum Holstein entgegennehmen. Persönlich verfolgte er daneben das Ziel, sich bei dieser Gelegenheit den Gebietstausch bestätigen zu lassen. Aber die politische Situation nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges eröffnete dem Ritter Christian Rantzau unerwartet noch viel bessere Aussichten. Die Position des Kaisers im Reich war geschwächt. Deshalb hatte Kaiser Ferdinand III., gestützt auf sein althergebrachtes Recht der Rangerhöhung, viele seiner Getreuen zu Reichsfürsten gemacht. Damit hoffte der Kaiser, bessere Bedingungen für die bevorstehenden Verhandlungen über eine Reichsverfassung zu erreichen. Christian Rantzau trat überaus prächtig auf. Mit einem Gefolge von 120 Personen in einheitlichen grünen Livreen und in zwei sechsspännigen Karossen fuhr er nach seiner Ankunft in Wien im Frühsommer 1650 täglich zu Hofe. Als Geschenk des Königs übergab er dem Kaiser acht völlig gleich aussehende Holsteiner Pferde, die er auf eigene Kosten in kostbare Schabracken mit dem königlichen Wappen hüllen ließ. So wurde Christian Rantzau zunächst zum kaiserlichen Kammerherrn ernannt und im November schließlich vom Ritter zum Reichsgrafen gefürstet. Die Grafenwürde wurde dabei aufgrund eines genealogischen Gutachtens aus dem 16. Jahrhundert lediglich erneuert. Der Kaiser erhob das Amt Barmstedt damit zur reichsunmittelbaren, »gefreiten“ Grafschaft Rantzau. Als Mitglied des Hochadels »mit Comitiv und Palatinat« hatte Christian Rantzau nunmehr Platz und Stimme auf den Reichstagen. Ihm stand das Recht zu, die Todesstrafe zu verhängen, Erhebungen in den Adelsstand vorzunehmen, eigene Münzen zu prägen und eine Residenz bei Barmstedt zu bauen. Die Erbfolge war für einen Reichsgrafen in der »Primogenitur« geregelt, durch die das gesamte Erbe dem ältesten Sohn zufiel. Die Residenz entstand in den folgenden Jahren durch Umbau des Hauses Barmstedt, der alten Burganlage der Schauenburger auf den Krückauinseln. Der Umbau wurde bis 1657 durchgeführt. Berichte und die späteren Inventarien zeigen, dass die Grafen hier eine durchaus fürstliche Hofhaltung betrieben, wenn sie auch zumeist auf ihrem Gut Drage nördlich von Itzehoe wohnten. Die in dieser Ausstellung gezeigten Münzen der Grafen Christian und Detlev sind sämtlich von den Münzmeistern Freude aus Hamburg und Woltereck aus Glückstadt in diesem Schloss geprägt.

Detlev Rantzau (1644 – 1697) - Zweiter Reichsgraf und Statthalter

Detlev Rantzau, Sohn des Reichsgrafen Christian Rantzau, erbte die Herrschaft über die Grafschaft Rantzau und tätigte folgenschwere Verfügungen. Er erhielt ebenfalls hohe Ämter im dänischen Königreich.

Graf, Staatsmann und Familienvater

Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1663 wurde der 19-jährige Detlev Rantzau neuer Landesherr der Reichsgrafschaft Rantzau. König Friedrich III. verlieh ihm die gleichen Ämter, die sein Vater innegehabt hatte, und machte ihn zusätzlich zum Lehnsgrafen. Allerdings war er bis 1685 nur Vize-Statthalter. Er heiratete 1664 Catharina Hedwig von Brockdorff, mit der er zwölf Kinder hatte, von denen jedoch nur drei ihn überlebten. Hauptwohnsitz der Familie war Drage bei Itzehoe.

Landesherrliches Kirchenregiment

Die Rolle des Obersten Kirchenherrn nahm der neue Graf sehr ernst. Er berief einen eigenen Propsten, der zugleich Hofprediger und Pastor in Barmstedt wurde. Für die alte Kirche in Barmstedt ließ Detlev Kollekten veranstalten und eine Orgel einbauen. Ab 1669 wurden zum ersten Mal Kirchenbücher eingeführt; für die Kinder erließ Detlev eine Schulpflicht. Im Jahr 1673 berief er den später als Prähistoriker berühmt gewordenen Christian Detlef Rode als Pastor.

Wirtschaft und Finanzen

Genau wie sein Vater ließ Graf Detlev Dukaten und Taler prägen. Auf Schloss Rantzau wurden allerdings auch »Wippermünzen« mit reduziertem Edelmetallgehalt hergestellt. Als die unzulässige Wertminderung auffiel, mussten die Münzen wieder eingeschmolzen werden. Für seine Untertanen senkte Detlev einige der unbeliebten Abgaben und führte mit ihrer Zustimmung eine Biersteuer ein. Zur Verbesserung der Staatsfinanzen ließ er am Pfahlkrug in Elmshorn eine neue Zollstelle einrichten und ordnete außerdem an, im Land Steindämme zur Förderung des Handels zu bauen.

Gründung einer jüdischen Gemeinde

Graf Detlev stellte dem jüdischen Händler Berend Levi im Jahre 1685 einen Schutzbrief zur Niederlassung in Elmshorn aus. Damit gab es neben Altona und Glückstadt nun eine weitere der wenigen Ansiedlungsmöglichkeiten für Juden im Nordelbischen Gebiet.

Schwere Hypothek für den Erben

In der geheimen »Donationsacte« aus dem Jahr 1669 verfügte Detlev Rantzau für sich und seine Erben, dass der dänische König als Sohn adoptiert werden solle für den Fall, dass seine eigenen Söhne keine männlichen Erben haben sollten. Die Grafschaft und die Herrschaft Breitenburg sollten dem Vertrag zufolge dann an den dänischen König fallen, die Grafschaft dafür aber auf immer eigenständig und mit ihrem Namen erhalten bleiben. In einem weiteren folgenschweren Vertrag vereinbarten der Graf und der norwegische Vizekönig Ulrik Fredrik Güldenlöw, dass Detlevs Erstgeborener die Tochter Ulriks heiraten sollte. Für den Fall, dass die Ehe nicht zustande käme, war eine Geldbuße – ein sogenannter »Reukauf« – von 30.000 Talern vorgesehen. Graf Detlef starb 1697 in Hamburg und hinterließ eine Tochter und zwei Söhne. Die Beisetzung konnte erst vier Monate später in Itzehoe stattfinden, weil der älteste Sohn und Erbe, Christian Detlev, erst aus Frankreich zurückkehren musste.