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Die Grafen und die Grafschaft Rantzau
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== Die Grafen und die Grafschaft Rantzau ==
 
 
Johann Rantzau (1492 - 1565)
 
Der Begründer der Breitenburger Linie
 
  
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===Johann Rantzau (1492 - 1565)- Der Begründer der Breitenburger Linie===
  
 
Johann Rantzau, Urgroßvater des Reichsgrafen Christian zu Rantzau, verhalf durch seine Erfolge als Feldherr zwei Königen zur Herrschaft über Dänemark, Norwegen und die Herzogtümer Schleswig und Holstein. So wurde er zum wichtigen Staatsmann. Für seine eigene Familie gründete er die Herrschaft Breitenburg.
 
Johann Rantzau, Urgroßvater des Reichsgrafen Christian zu Rantzau, verhalf durch seine Erfolge als Feldherr zwei Königen zur Herrschaft über Dänemark, Norwegen und die Herzogtümer Schleswig und Holstein. So wurde er zum wichtigen Staatsmann. Für seine eigene Familie gründete er die Herrschaft Breitenburg.
  
Eine steile Karriere
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'''Eine steile Karriere'''
  
  
 
1492 wurde Johann auf der Steinburg bei Itzehoe geboren. Wie viele Söhne des Adels machte er als junger Mann eine »Grand Tour«, die ihn bis nach Jerusalem führte, wo er den Ritterschlag erhielt. Nach seiner Rückkehr wurde er Erzieher des Gottorfer Thronfolgers Christian. Zusammen besuchten sie Worms, wo sie Luther vor dem Reichstag sprechen hörten und zum Anhänger des Reformators wurden.
 
1492 wurde Johann auf der Steinburg bei Itzehoe geboren. Wie viele Söhne des Adels machte er als junger Mann eine »Grand Tour«, die ihn bis nach Jerusalem führte, wo er den Ritterschlag erhielt. Nach seiner Rückkehr wurde er Erzieher des Gottorfer Thronfolgers Christian. Zusammen besuchten sie Worms, wo sie Luther vor dem Reichstag sprechen hörten und zum Anhänger des Reformators wurden.
  
Kampf um den dänischen Thron
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'''Kampf um den dänischen Thron'''
  
  
 
Der dänische König Christian II. wurde 1523 wegen seiner eigenmächtigen Reformpolitik abgesetzt. Johann Rantzau sorgte unter anderem mit einem Ritter- und Landsknechtheer dafür, dass Friedrich I. von Gottorf auf den dänischen Thron kam. Für seine Unterstützung erhielt der Adel neue Privilegien. Als sich in Dänemark die Bauern erhoben, schlug Johann Rantzau den Aufstand nieder. König Friedrich I. starb 1533. In der folgenden »Grafenfehde« half Johann Rantzau seinem ehemaligen Schüler Christian III. durch mehrere Schlachten auf den Thron.
 
Der dänische König Christian II. wurde 1523 wegen seiner eigenmächtigen Reformpolitik abgesetzt. Johann Rantzau sorgte unter anderem mit einem Ritter- und Landsknechtheer dafür, dass Friedrich I. von Gottorf auf den dänischen Thron kam. Für seine Unterstützung erhielt der Adel neue Privilegien. Als sich in Dänemark die Bauern erhoben, schlug Johann Rantzau den Aufstand nieder. König Friedrich I. starb 1533. In der folgenden »Grafenfehde« half Johann Rantzau seinem ehemaligen Schüler Christian III. durch mehrere Schlachten auf den Thron.
  
Die Breitenburg bei Itzehoe
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'''Die Breitenburg bei Itzehoe'''
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Als siegreicher Feldherr wurde er durch die beiden Könige, denen er zur Macht verholfen hatte, reich belohnt und mit einträglichen Ämtern belehnt. Das wichtigste Amt, das von da an faktisch auch vererbt wurde, war die Statthalterschaft für Schleswig und Holstein. Wegen der Geldnot der durch die Reformation säkularisierten Klöster konnte Johann seinen Grundbesitz stark ausweiten. Vom Kloster Bordesholm kaufte er die Störniederung bei Itzehoe, wo er ab 1530 die Breitenburg erbauen ließ. Zu dieser Zeit war er schon seit sieben Jahren mit Anna Walstorp verheiratet.
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'''Triumph über die Dithmarscher in der »Letzten Fehde«'''
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Obwohl Johann Rantzau sich aus Ärger über die Politik seiner Fürsten bereits zurückgezogen hatte, wurde er 1559 noch einmal Heerführer im Krieg gegen die aufständische Bauernrepublik Dithmarschen, die zuletzt im Jahr 1500 ihre Unabhängigkeit verteidigt hatte. Nach dem Sieg wurde das Land unter die drei Fürsten des Landes aufgeteilt.
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'''Tod und Nachfolge'''
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Johann starb sechs Jahre später. Die Herrschaft Breitenburg erbte sein Sohn Heinrich. Sein zweiter Sohn Paul bekam das Gut Bothkamp.
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===Heinrich Rantzau (1526 - 1598)- Statthalter, Humanist und Ökonom===
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Heinrich Rantzau, der älteste Sohn Johann Rantzaus, war Berater von drei dänischen Königen. Durch Heirat und geschickte Geschäfte wurde er zum reichsten Mann in den Herzogtümern Schleswig und Holstein. Aufgrund seiner hohen Bildung, seiner Korrespondenz und seiner Werke galt er als »Humanist des Nordens«. Nach seinem Vater und ihm wurde das 16. Jahrhundert in der Geschichtsschreibung Schleswigs und Holsteins oft als das »Rantzauische Zeitalter« benannt.
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'''Königlicher Statthalter'''
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Bereits mit 12 Jahren studierte Heinrich Rantzau an der Universität Wittenberg, erhielt dort eine exzellente Ausbildung in den Wissenschaften seiner Zeit und hielt sich oft im Hause Luthers auf. Später konnte er sich in Latein besser ausdrücken als in Deutsch. Am Hof Kaiser Karls V. lernte er die Diplomatie und die Konflikte in Europa im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation kennen. 1554 wurde er Amtmann von Segeberg. Zwei Jahre später übernahm er von seinem Vater das Amt des königlichen Staathalters unter Christian III. Als dieser 1559 starb, erreichte Heinrich Rantzau, dass die drei Fürsten des Landes gemeinsam den Feldzug gegen Dithmarschen führten.
  
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'''Kreditgeschäfte und Gutswirtschaft'''
  
Als siegreicher Feldherr wurde er durch die beiden Könige, denen er zur Macht verholfen hatte, reich belohnt und mit einträglichen Ämtern belehnt. Das wichtigste Amt, das von da an faktisch auch vererbt wurde, war die Statthalterschaft für Schleswig und Holstein. Wegen der Geldnot der durch die Reformation säkularisierten Klöster konnte Johann seinen Grundbesitz stark ausweiten. Vom Kloster Bordesholm kaufte er die Störniederung bei Itzehoe, wo er ab 1530 die Breitenburg erbauen ließ. Zu dieser Zeit war er schon seit sieben Jahren mit Anna Walstorp verheiratet.
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Seine Frau Christina von Halle brachte 1554 eine Mitgift im Wert von vier Tonnen Gold in die Ehe ein. Dadurch konnte Heinrich auf dem »Kieler Umschlag« (dem jährlichen Treffen der Edelleute und Kaufherren) Kreditgeschäfte tätigen. Später verlegte er sich auf die Gutswirtschaft, die in dieser Zeit enorme Gewinne einbrachte. Er kaufte diverse Güter hinzu und ließ Schlösser und Stadthäuser erbauen. Als erster in Schleswig und Holstein ließ er Kiefern anpflanzen. Er betrieb Schweinemast, zog Gewinn aus vielen Mühlen und verkaufte auf eigene Rechnung den Segeberger Gips.
  
Triumph über die Dithmarscher in der »Letzten Fehde«
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'''Der Humanist'''
  
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Heinrich Rantzau ist aufgrund seiner humanistischen Bildung sowie als Förderer der Künste und Wissenschaften weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden. Er korrespondierte mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit in ganz Europa und konnte dadurch seinen König mit regelmäßigen »Relationen« (Berichten) informieren. Heinrich war auch Herausgeber mehrerer lateinischer Schriften. Seine Bibliothek auf der Breitenburg umfasste über 6000 Bände, aus denen er gern zitierte.
  
Obwohl Johann Rantzau sich aus Ärger über die Politik seiner Fürsten bereits zurückgezogen hatte, wurde er 1559 noch einmal Heerführer im Krieg gegen die aufständische Bauernrepublik Dithmarschen, die zuletzt im Jahr 1500 ihre Unabhängigkeit verteidigt hatte. Nach dem Sieg wurde das Land unter die drei Fürsten des Landes aufgeteilt.
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'''Die Breitenburg'''
  
Tod und Nachfolge
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Die Breitenburg wurde von ihm im Stil der Renaissance zur prächtigsten Adelsburg des Landes ausgebaut. Für die öffentliche Rechtsprechung ließ er ein von Säulen gerahmtes Portal mit einem Podium und einer Freitreppe errichten. Ein Treppenturm, eine astronomische Uhr sowie ein Renaissance-Garten vor dem Wassergraben markierten deutlich den hohen Anspruch des »vicarius regius« (königlichen Statthalters), wie er sich gern nannte.
  
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'''Letzte Lebensjahre und Nachfolge'''
  
Johann starb sechs Jahre später. Die Herrschaft Breitenburg erbte sein Sohn Heinrich. Sein zweiter Sohn Paul bekam das Gut Bothkamp.
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Wie schon sein Vater überwarf auch Heinrich sich im Alter mit dem jungen Thronfolger von Dänemark. Christian IV. entzog ihm daraufhin sein Amt als Statthalter. Von seinen zwölf Kindern überlebten nur sieben die Eltern. Gerhard (Geert) erbte den Breitenburger Besitz und wurde wie sein Vater und Großvater königlicher Statthalter in den Herzogtümern.

Version vom 23. Mai 2019, 12:20 Uhr

Die Grafen und die Grafschaft Rantzau

Johann Rantzau (1492 - 1565)- Der Begründer der Breitenburger Linie

Johann Rantzau, Urgroßvater des Reichsgrafen Christian zu Rantzau, verhalf durch seine Erfolge als Feldherr zwei Königen zur Herrschaft über Dänemark, Norwegen und die Herzogtümer Schleswig und Holstein. So wurde er zum wichtigen Staatsmann. Für seine eigene Familie gründete er die Herrschaft Breitenburg.

Eine steile Karriere


1492 wurde Johann auf der Steinburg bei Itzehoe geboren. Wie viele Söhne des Adels machte er als junger Mann eine »Grand Tour«, die ihn bis nach Jerusalem führte, wo er den Ritterschlag erhielt. Nach seiner Rückkehr wurde er Erzieher des Gottorfer Thronfolgers Christian. Zusammen besuchten sie Worms, wo sie Luther vor dem Reichstag sprechen hörten und zum Anhänger des Reformators wurden.

Kampf um den dänischen Thron


Der dänische König Christian II. wurde 1523 wegen seiner eigenmächtigen Reformpolitik abgesetzt. Johann Rantzau sorgte unter anderem mit einem Ritter- und Landsknechtheer dafür, dass Friedrich I. von Gottorf auf den dänischen Thron kam. Für seine Unterstützung erhielt der Adel neue Privilegien. Als sich in Dänemark die Bauern erhoben, schlug Johann Rantzau den Aufstand nieder. König Friedrich I. starb 1533. In der folgenden »Grafenfehde« half Johann Rantzau seinem ehemaligen Schüler Christian III. durch mehrere Schlachten auf den Thron.

Die Breitenburg bei Itzehoe

Als siegreicher Feldherr wurde er durch die beiden Könige, denen er zur Macht verholfen hatte, reich belohnt und mit einträglichen Ämtern belehnt. Das wichtigste Amt, das von da an faktisch auch vererbt wurde, war die Statthalterschaft für Schleswig und Holstein. Wegen der Geldnot der durch die Reformation säkularisierten Klöster konnte Johann seinen Grundbesitz stark ausweiten. Vom Kloster Bordesholm kaufte er die Störniederung bei Itzehoe, wo er ab 1530 die Breitenburg erbauen ließ. Zu dieser Zeit war er schon seit sieben Jahren mit Anna Walstorp verheiratet.

Triumph über die Dithmarscher in der »Letzten Fehde«

Obwohl Johann Rantzau sich aus Ärger über die Politik seiner Fürsten bereits zurückgezogen hatte, wurde er 1559 noch einmal Heerführer im Krieg gegen die aufständische Bauernrepublik Dithmarschen, die zuletzt im Jahr 1500 ihre Unabhängigkeit verteidigt hatte. Nach dem Sieg wurde das Land unter die drei Fürsten des Landes aufgeteilt.

Tod und Nachfolge

Johann starb sechs Jahre später. Die Herrschaft Breitenburg erbte sein Sohn Heinrich. Sein zweiter Sohn Paul bekam das Gut Bothkamp.

Heinrich Rantzau (1526 - 1598)- Statthalter, Humanist und Ökonom

Heinrich Rantzau, der älteste Sohn Johann Rantzaus, war Berater von drei dänischen Königen. Durch Heirat und geschickte Geschäfte wurde er zum reichsten Mann in den Herzogtümern Schleswig und Holstein. Aufgrund seiner hohen Bildung, seiner Korrespondenz und seiner Werke galt er als »Humanist des Nordens«. Nach seinem Vater und ihm wurde das 16. Jahrhundert in der Geschichtsschreibung Schleswigs und Holsteins oft als das »Rantzauische Zeitalter« benannt.

Königlicher Statthalter

Bereits mit 12 Jahren studierte Heinrich Rantzau an der Universität Wittenberg, erhielt dort eine exzellente Ausbildung in den Wissenschaften seiner Zeit und hielt sich oft im Hause Luthers auf. Später konnte er sich in Latein besser ausdrücken als in Deutsch. Am Hof Kaiser Karls V. lernte er die Diplomatie und die Konflikte in Europa im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation kennen. 1554 wurde er Amtmann von Segeberg. Zwei Jahre später übernahm er von seinem Vater das Amt des königlichen Staathalters unter Christian III. Als dieser 1559 starb, erreichte Heinrich Rantzau, dass die drei Fürsten des Landes gemeinsam den Feldzug gegen Dithmarschen führten.

Kreditgeschäfte und Gutswirtschaft

Seine Frau Christina von Halle brachte 1554 eine Mitgift im Wert von vier Tonnen Gold in die Ehe ein. Dadurch konnte Heinrich auf dem »Kieler Umschlag« (dem jährlichen Treffen der Edelleute und Kaufherren) Kreditgeschäfte tätigen. Später verlegte er sich auf die Gutswirtschaft, die in dieser Zeit enorme Gewinne einbrachte. Er kaufte diverse Güter hinzu und ließ Schlösser und Stadthäuser erbauen. Als erster in Schleswig und Holstein ließ er Kiefern anpflanzen. Er betrieb Schweinemast, zog Gewinn aus vielen Mühlen und verkaufte auf eigene Rechnung den Segeberger Gips.

Der Humanist

Heinrich Rantzau ist aufgrund seiner humanistischen Bildung sowie als Förderer der Künste und Wissenschaften weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden. Er korrespondierte mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit in ganz Europa und konnte dadurch seinen König mit regelmäßigen »Relationen« (Berichten) informieren. Heinrich war auch Herausgeber mehrerer lateinischer Schriften. Seine Bibliothek auf der Breitenburg umfasste über 6000 Bände, aus denen er gern zitierte.

Die Breitenburg

Die Breitenburg wurde von ihm im Stil der Renaissance zur prächtigsten Adelsburg des Landes ausgebaut. Für die öffentliche Rechtsprechung ließ er ein von Säulen gerahmtes Portal mit einem Podium und einer Freitreppe errichten. Ein Treppenturm, eine astronomische Uhr sowie ein Renaissance-Garten vor dem Wassergraben markierten deutlich den hohen Anspruch des »vicarius regius« (königlichen Statthalters), wie er sich gern nannte.

Letzte Lebensjahre und Nachfolge

Wie schon sein Vater überwarf auch Heinrich sich im Alter mit dem jungen Thronfolger von Dänemark. Christian IV. entzog ihm daraufhin sein Amt als Statthalter. Von seinen zwölf Kindern überlebten nur sieben die Eltern. Gerhard (Geert) erbte den Breitenburger Besitz und wurde wie sein Vater und Großvater königlicher Statthalter in den Herzogtümern.