Austraße

Aus Barmstedt-Geschichte
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Geschichte

Der (von der Innenstadt kommend) vordere Teil der heutigen Austraße wurde früher "Vör de Brüch" (hochdeutsch: Vor der Brücke) genannt.

Neben dem Installationsgeschäft Brügmann (Austr. 1) befindet ein kleiner Garten. Bis 1946 stand hier ein schmales, altes Häuschen, in dem am 5. April 1879 die erste Ausgabe der "Barmstedter Zeitung" gedruckt wurde. Ein Exemplar davon befindet sich noch im "Museum der Grafschaft Rantzau" auf der Rantzauer Schlossinsel. Herausgeber war der Buchdruckereibesitzer Anton Füßlein.

Die Austraße "Vör de Brüch" im Jahre 1909.
Die Austraße "Vör de Brüch" im Jahre 1910.

An der Westseite (Austr. 10) befindet sich das ehemalige Bürohaus der "Schlickum-Werke J. Schlickum GmbH" und daneben der ehemalige Eingang zum Fabrikgelände (heute Schlickumstraße). Das Werk ist hervorgegangen aus einer ehemaligen Dampffärberei, die zu einer Wachsraffinerie umgestaltet wurde. Im Jahre 1911 übernahm sie die 1903 gegründete Hamburger Firma "Wachs- und Ceresinwerke zu Hamburg J. Schlickum & Co." und baute die Fabrik massiv aus.

Die Austraße Blickrichtung stadtauswärts um 1850. Das spätere "Auhaus" links im Bild.

Die Krückaubrücke in der Austraße ist anstelle einer alten Furt bereits zu schauenburgischen Zeiten errichtet worden. Davon zeugt noch heute ein in das Fundament eingemauerter Fels mit dem Schauenburger Wappen.

Der hintere Teil der Austraße trug früher den Namen "Över de Brüch" (hochdeutsch: jenseits der Brücke).

In dem Gebäude Austr. 19 ist heute das "Haus Grüne Wolke" untergebracht. Früher befand sich hier das Gasthaus "Zur Mühle" und die Dieckmannsche Kornmühle, die 1906 aus einer Getreidehandlung hervorging. Der Mühlenbetrieb wurde mit Wirkung vom 1.7.1961 eingestellt.

Es handelt sich um einen historisch umstrittenen Ort: "Op dem Schlott" (hochdeutsch: Auf dem Schlosse).

Gasthaus "Zur Mühle" und die Dieckmannsche Kornmühle, ca. 1930 (rechts). Fleischwarenfabrik Schmidt (links).

Hans Dössel führt hierzu folgendes aus:

"Die in Urelterntagen gebrauchte Bezeichnung "Op dem Schlott" hat zur Folge gehabt, daß verschiedene Geschichtsschreiber den ursprünglichen Wohnsitz der Ritter von Barmstede hierher verlegt haben. Von anderer Seite wird diese Hypothese entschieden abgelehnt, da irgendwelche Anhaltspunkte, die dafür sprechen könnten, nicht vorhanden sind. - Ganz so abwegig, wie es die Gegner hinzustellen belieben, ist die anfängliche Vermutung nun nicht. Man darf natürlich nicht vergessen, die Zustände im 11. Jahrhundert in Betracht zu ziehen. In einem Punkte sind sich alle einig: Die Ritter von Barmstede waren zu Schutz und Schirm der Kirche eingesetzt. Von Anbeginn aber hat sich der Beschützer noch stets vor seinen Schützling gestellt! Die Gefahr drohte hier seinerzeit aus dem Osten, von dem Gebiet der slawischen Wenden (Ostholstein) und von der großen Heerstraße her (dem nochmaligen "Ochsenweg"), über deren ursprünglichen Verlauf wir durch die Fresesche Landtafel von 1588 zuverlässig aufgeklärt sind. Also: Denkbar wäre es schon, daß jene Ritter sich ihre Burg, eine Wallburg, vor der Furt errichteten. Beweise oder Indizien in Form von Bodenfunden oder Geländemerkmalen sind allerdings bis heute nicht entdeckt. Die weit günstigeren Vorbedingungen auf "Rantzau" rechtfertigen den Schluss, daß die Ritter, wenn nicht gleich, doch bereits sehr früh dort ihre Burg (Haus Barmstede) ausbauten. Aber auch das ist noch Hypothese; eine eindeutige Entscheidung wird in dieser Frage wohl so schnell nicht gefällt werden können. - Man sollte die Berechtigung der Bezeichnung "Op dem Schlott" auch von der sprachgeschichtlichen Seite prüfen. Ist dieser Name nicht reichlich jung? Soweit ich feststellen konnte, ist der Ausdruck "Schlott" für herrschaftliche Gebäude hier in unserem Gebiet erst recht spät gebräuchlich geworden. Wäre der Platz an der Austraße tatsächlich ein ehemaliger Burgplatz, hätte er durch alle Jahrhunderte als markanter Punkt einen Namen geführt und wäre nicht als "Schlott" in die Geschichte eingegangen. Viel wahrscheinlicher scheint mir dann, daß die Ironie hier Pate gestanden hat, daß also "Op dem Schlott" ursprünglich ein Spottname gewesen ist. Hat man nicht auch anderenorts mehrfach ein altes baufälliges Wohnhaus oder den sogenannten "Armenkrug" mit dem gleichen Namen belegt? - Vielleicht ließe sich noch aus den ersten Kontrakt-Protokollen des ehemaligen Amtes Barmstede, die bekanntlich mit dem Jahre 1587 beginnen, Licht in diese strittige Frage bringen. Soviel man das Problem hin- und herwälzte, man kam bisher zu keinem gesicherten Ergebnis."

Im Gebäude Austr. 18 war ursprünglich die Fleischwarenfabrik Schmidt untergebracht.

Adressbuch von 1926

Daten aus dem Adressbuch 'Kreis Pinneberg' des Jahres 1926:
Strasse Name Vorname Titel/Stand Beruf Telefon
Austraße 1 Lindemann Rudolf Kaufmann
Austraße 2 Brugmann Ernst jun. Ingenieur
Austraße 2 Brügmann Ernst H. Sen. Klempnermeister
Austraße 2 Bösch Mathilde Wwe.
Austraße 3 Brügmann Carl Friedrich Schlachtermeister
Austraße 4 Bruns Ernst Lohgerber
Austraße 5 Glißmann Heinrich Kolporteur
Austraße 5 Heß Margaretha Wwe.
Austraße 5 Mohr Johannis Kaufmann
Austraße 5 Starchjohann Wilhelmine Wwe.
Austraße 7 Averhoff Cäcilie Wwe. Putzgeschäft
Austraße 7 Heinrich Bertha Wwe.
Austraße 7 Mündlein Ernst Schuhmacher
Austraße 9 = 11 Dabelstein Emil Arbeiter
Austraße 9 = 11 Dabelstein Hermann Heizer
Austraße 9 = 11 Errolat August Arbeiter
Austraße 9 = 11 Haage Walter Turnlehrer
Austraße 9 = 11 Heitmann Sophie Wwe.
Austraße 9 = 11 Peters Wilhelm Fahrradhandlung
Austraße 9 = 11 Schulze August Kaufmann
Austraße 9 = 11 Schulze Wilhelm Werkmeister
Austraße 13 Hasch Johannis Barbier
Austraße 13 Lempelius Harald Viehhändler
Austraße 13 Leverkühne Albert Dentist
Austraße 13 Ottens Sophie Wwe. Buchhandlung
Austraße 13 Rotermund Johannes Arbeiter
Austraße 14 Borrmann Ernst Arbeiter
Austraße 14 Brodzina Leopold Töpfermeister
Austraße 14 Böse Max Kaufmann
Austraße 14 Clasen Simon Schuhmacher
Austraße 14 Kube Otto Drogist
Austraße 14 Mohr Anna Wwe. Zementwarenherstellung
Austraße 14 Mülverstedt Arthur Friseur
Austraße 14 Wulff Carl Sen. Klempner
Austraße 15 Pump Ferdinand Fischhändler
Austraße 16 Rickert Heinrich Jun. Schuhwarenhandlung
Austraße 16 Thee Heinrich Schlachter
Austraße 16 Thee Katharina Wwe. Gemüsehandlung
Austraße 16 Vahlert August
Austraße 17 Barth Arnold Knecht
Austraße 18 Heinrich Carl Kaufmann
Austraße 18 Heinrich Julius Manufakturwaren-Handlung
Austraße 19 Schmidt Johannis Wurstfabrik
Austraße 20 Asmußen Friedrich Müller
Austraße 20 Dieckmann Johann Mühlenbesitzer
Austraße 20 Hansen Hans Müller
Austraße 22 Streich Julius Schornsteinfeger
Austraße 23 Brüning Christian Schankwirt
Austraße 23 Brüning Heinrich Schlachter
Austraße 24 Dieckmann Margaretha
Austraße 25 Boltz Hinrich Sattler
Austraße 26 Hinrichsen Peter Schlosser
Austraße 26 Mohr Hinrich Schuhmacher
Austraße 26 Stammerjohann Heinrich Arbeiter
Austraße 27 Matthies Detlef Kolonialwarenhandlung


Siehe auch

Übersicht Barmstedter Straßen

Quellen

  • Adressbuch 'Kreis Pinneberg' 1926
  • "Historischer Streifzug durch die Straßen Barmstedts" von Hans Dössel, bearbeitet von Rudolf Schröder und Hildegard Burchert aus der Broschüre "850 Jahre Barmstedt" (Hrsg. Stadt Barmstedt), 1989